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Ohne sie läuft nichts

Volunteer Team Tirol

Ohne sie läuft nichts

Was Freiwillige dazu bewegt, sich bei Tirols Sportevents zu engagieren.

Text: Eva Schwienbacher, Bild: Flo Taibon Photography

Die vielen Freiwilligen, die in Tirol mit anpacken, sind unentbehrlich für die Austragung von Sportgroßevents. Zwei Volunteers verraten, warum sie sich im Sport engagieren, obwohl sie eigentlich nichts mit Downhill, Klettern und Straßenrad zu tun haben.

2018 ist das Jahr der Superlative, was Sportgroßevents in Innsbruck-Tirol betrifft: Crankworx Innsbruck hat den sportlichen Sommer in der Landeshauptstadt im Juni 2018 eingeläutet und mit der Kletter- und der Rad-WM folgen im Herbst zwei Riesenveranstaltungen. Damit solche Sportgroßereignisse überhaupt möglich sind, braucht es sogenannte Volunteers, sprich freiwillige Helfer. 

Neuland betreten

Bei Crankworx Innsbruck standen hundert Ehrenamtliche im Einsatz, bei den beiden Weltmeisterschaften im September werden es rund 1.700 sein. Es handelt sich um einheimische und internationale Helfer, Studenten, Berufstätige und Pensionisten. Zu Letzteren zählen auch die Tirolerinnen Monika Lesink und Elisabeth Urban. Auf die Idee, bei einem Sportevent in Tirol mit anzupacken, kamen sie bereits 2012 während der Youth Olympic Games (YOG). „Ich sah die vielen freiwilligen Helfer und dachte mir, das könnte ich auch machen“, erzählt die 70-jährige Monika Lesink. Da sie in der Pension auf einmal viel Zeit hatte, verfolgte sie die Sportgroßveranstaltungen in Tirol mit großem Interesse. „Schließlich wollte ich keinen Pensionsschock bekommen“, sagt sie und lacht.

Die Volunteers Elisabeth Urban (oben) und Monika Lesink arbeiteten bei Crankworx Innsbruck 2018 bei der Verpflegung.

Bei den International Children’s Games (ICG) in Insbruck-Tirol im Jahr 2016 stand die Innsbruckerin schließlich gemeinsam mit der 64-jährigen Elisabeth Urban aus Hall zum ersten Mal im Einsatz. Elisabeth bewegten ähnliche Gründe dazu, sich im Sport ehrenamtlich zu betätigen. Nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben suchte die frühere Fahrschullehrerin aus Hall nach einer sinnvollen, abwechslungsreichen und spannenden Aufgabe. „Bei den YOG dachte ich mir: Wow, das ist eine tolle Sache.“ Es reizte sie, etwas komplett Neues zu machen, mit dem sie bislang in ihrem Leben wenig zu tun hatte. Bei den ICG durfte sie sich schließlich zu den insgesamt 700 Freiwilligen zählen, die das Sportgroßereignis zu einem großen Fest machten. 

Unentbehrliches Engagement 

Koordiniert werden die freiwilligen Helfer für Crankworx sowie die beiden Weltmeisterschaften im Herbst vom Volunteer Team Tirol bei der ITS. Martina Wolf ist Projektleiterin des Teams. Die 25-Jährige kümmert sich unter anderem um die Rekrutierung der Freiwilligen, führt Bewerbungsinterviews durch, betreut die Teamleiter – sprich Freiwillige, die ein Volunteer-Team leiten – oder organisiert Trainings zur Vorbereitung der Volunteers auf das Event. Über verschiedene Plattformen werden die freiwilligen Helfer rekrutiert, erklärt Martina Wolf, und ergänzt: „Ohne die Mithilfe von Freiwilligen sind derart große Events mittlerweile nicht mehr umsetzbar.“

Was die Freiwilligen motiviert, ist ganz verschieden, sagt die Projektleiterin des Volunteer Team Tirol. Bei manchen ist es das Interesse am Sport. Andere, besonders jüngere Helfer, nutzen das Volunteering auch als Jobbörse, also um Kontakte zu knüpfen und um wertvolle Erfahrungen zu versammeln. Und wiederum andere wollen einen Blick hinter die Kulissen machen. „Wir haben auch viele Wiederholungstäter – also welche, die einmal dabei waren und weiterhin Teil der Volunteer-Familie sein wollen.“

Martina Wolf ist Projektleiterin des Volunteer Team Tirol.

Keine Altersgrenze

Elisabeth Urban und Monika Lesink zählen zu den Wiederholungstäterinnen. So waren sie heuer beispielsweise bereits zum zweiten Mal bei Crankworx Innsbruck als Volunteers dabei. Und beide sind sich einig, dass Crankworx eines der tollsten Events war, bei denen sie bisher mithalfen. Besonders beeindruckten sie die Tricks und Sprünge der jungen Biker. So etwas hatten sie noch nie zuvor live miterlebt. „Die sind ärger als Zirkusakrobaten“, schwärmt Monika. Außerdem waren die Fahrer „so liab und freundlich“, so die beiden Damen unisono. Aufgrund des übersichtlichen Festivalgeländes im Muttereralmpark, wo Crankworx heuer zum zweiten Mal ausgetragen wurde, und der zahlreichen Video-Walls bekomme man sehr viel mit, auch wenn man gerade am Arbeiten ist. Nach Crankworx könnten beide besser nachvollziehen, was Menschen dazu bewegt, auf dem Mountainbike ihre Grenzen auszuloten. „Das hat schon was, das kann durchaus mitreißen“, sagt Elisabeth.

Auch abseits des Sports engagieren sich Monika und Elisabeth ehrenamtlich in verschiedenen Bereichen. Der Vorteil des Engagements im Veranstaltungsbereich sei jedoch die zeitliche Begrenzung. Je nachdem, wie viel Zeit man hat, ist man ein paar Tage voll eingespannt. Nach dem Event bleibt aber wieder Zeit für andere Dinge. Außerdem haben die beiden innerhalb des Volunteer Teams Freundschaften geknüpft und schätzen den Teamgeist. „Unsere Madln vom Büro sind so liebevoll und nett. Gerade in unserem Fall – wir sind ja doch schon etwas älter als die meisten anderen – schätzt man es, wenn man uns auf Augenhöhe begegnet“, erzählt Elisabeth und meint damit Martina Wolf und ihr Team. 

Event mit Überraschungseffekt

Das aktuell aufwendigste Event in Tirol für das Volunteer Team ist die Rad-WM von 22. bis 30. September in Innsbruck-Tirol. Um auf die 1.500 benötigten Helfer (inklusive Streckenposten) zu kommen, werden immer noch ein paar fleißige Hänge gesucht. Eine so große Anzahl an Freiwilligen bedarf eines ausgeklügelten Systems, um den Durchblick zu bewahren. So wird etwa mit Teamleitern gearbeitet. Es handelt sich dabei um bestimmte Freiwillige, die jeweils eine Gruppe von 20 bis 25 Freiwilligen koordinieren und als direkte Ansprechperson für die anderen Helfer fungieren. „Wir bauen eine pyramidenförmige Struktur auf und die Teamleiter übernehmen die direkte Kommunikation zu den Freiwilligen“, erklärt Martina Wolf. Das System hat sich bisher sehr gut bewährt – bei den YOG und den ICG.

Auch Elisabeth Urban wird bei der Rad-WM eine Teamleitung übernehmen. Sie freut sich schon auf diese neue Aufgabe und wird sich in den verbleibenden Wochen bei speziellen Trainings darauf vorbereiten. Wie ihre Kollegin Monika ist sie schon gespannt, was die beiden Großevents im Herbst bringen werden. Es gibt jedoch nicht ein spezielles Ereignis, auf das sie hinfiebern, denn: „Die Dinge kommen meist überraschend und werden dann zum Highlight – das wird auch bei den Rad- und Kletterweltmeisterschaften so sein“, weiß Monika. Selbst hat sie nicht wirklich einen Bezug zum Kletter- bzw. zum Straßenradsport. „Ich war früher viel am Gletscher unterwegs, aber fürs Klettern war ich zu ungelenkig“, sagt die 70-Jährige. Außerdem war Klettern in ihren jungen Jahren vor allem Männern vorbehalten. Und das Rad sei für sie in erster Linie ein Verkehrsmittel. Auch Elisabeth geht es ähnlich. Was dennoch fürs Volunteering spricht: „Man bekommt die Chance, in Arbeitsbereiche hineinzuschnuppern, die man sonst nie kennenlernen würde. Es kann nur eine Bereicherung sein.“

Volunteer Team Tirol


Das Team wurde im Zuge der ICG von der innsbruck tirol sports GmbH (ITS) ins Leben gerufen. Es unterstützt und serviciert Sportgroßveranstaltungen in Innsbruck und in ganz Tirol mit freiwilligen Helfern – unabhängig davon, ob sie von der ITS selbst oder von anderen Organisatoren veranstaltet werden. Mittlerweile zählt das Team über 2.300 Mitglieder. Drei Viertel davon kommen aus Österreich, der Rest aus 40 verschiedenen Nationen.

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