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Teamarbeit als Erfolgsgeheimnis

Teamarbeit als Erfolgsgeheimnis

Florian Scheibers Credo – „Respekt vor der Aufgabe und gemeinsam besser werden!“

Text: Fred Steinacher, Header-Bild: GEPA

Neues Kommando im Damen-ÖSV Rennstall. sport.tirol hat bei Neo-Trainer Flo Scheiber und bei Tirols großer Speed-Hoffnung, Stephanie Venier, nachgefragt, wie man sich auf die kommende Saison vorbereitet und worauf man sich freut.

Der nächste Winter kommt bestimmt - die Erwartungen sind hoch!

Der nächste Winter kommt bestimmt! Daran besteht kein Zweifel und es hat schon gar nichts damit zu tun, dass der Sommer hierzulande ein wenig auf sich warten ließ. Doch eine Gruppe sportlicher junger Damen – Markenzeichen schnell am Schnee – und einen erst im Mai zum „Chef“ beförderten jungen Ötztaler tangieren witterungsbedingte Jahreswechsel ohnehin nicht besonders, nur eines haben sie gemeinsam: die Vorfreude auf den bevorstehenden Alpinen WM-Winter. Gemeint sind damit die Speed-Asse des ÖSV-Damenteams und deren neuer Cheftrainer, Flo Scheiber. Eine Kombination, die im Jahr eins nach Anna Veith an die Erfolgssaison 2018/2019 anknüpfen soll – ein erstes Schneetraining und Materialtests sowie einen Konditionskurs in Bad Waltersdorf hat das Team schon hinter sich, die Stimmung ist perfekt, die Erwartungen hoch.  

„Die ruhige und positive Art von Flo tut der Mannschaft gut, er kennt die Strukturen und das Umfeld.“
Christian Mitter

Das hat nicht zuletzt mit dem zwar altbekannten, aber an der Kommandobrücke ab sofort an vorderster Front doch neuen Mann zu tun. Nach der Trennung vom bisherigen Abfahrtstrainer Roland Assinger war der ÖSV recht schnell fündig geworden. Motto? Das Gute liegt so nah.

Der nunmehr 33-jährige Florian Scheiber, der schon in den letzten zwei Jahren als Co-Trainer tätig war, genießt das Vertrauen der Verbandsführung und auch der schnellen Mädels. Für Christian Mitter, den sportlichen Leiter des Alpinen Damenteams, war er der logische Nachfolger: „Die ruhige und positive Art von Flo tut der Mannschaft gut, er kennt die Strukturen und das Umfeld.“

Es ist eine Blitzkarriere, die sich der Ötztaler, zweifacher Familienvater, in seiner sportlichen Lebensplanung allerdings auf diese Art ganz bestimmt nicht vorgestellt hatte. Nach Silber und Bronze bei der Junioren-WM in Bardonecchia (2005) einmal Dritter in der EC-Gesamtwertung (2007/08), ein Jahr danach Europacup-Gesamtsieger, das wiederholte er in der Saison 2011/12. 2012 erreichte er mit Rang vier in der Abfahrt von Beaver Creek sein bestes Resultat im Weltcup, das Karriereende kam nur vier Jahre später, ausgerechnet nach einem schweren Sturz im Abschlusstraining (21. Jänner 2016) auf der Streif – Kreuzband, Meniskus gerissen, es sollte der letzte Schneekontakt auf einer Weltcup-Piste sein, denn im Juni 2016 verkündete der damals 29-Jährige via Facebook GAME OVER und „es hat mich sehr gefreut“ sein Karriereende. „Wenn der Körper nicht mehr mitspielt, macht es keinen Sinn.“

Umso mehr freut ihn nun die neue, zweifellos herausfordernde Aufgabe, an die er mit Respekt herangehen wird, aber auch überzeugt davon ist, dass in der konstruktiven Zusammenarbeit mit den Mädels ein Schlüssel zu zukünftigen gemeinsamen Erfolgen liegt.

Stephanie Venier wünscht sich Heim-WM in Saalbach

Mit dazu beitragen kann ganz bestimmt auch Stephanie Venier, die sowohl in der Abfahrt wie auch im Super G immer wieder für Top-Plätze gut ist und heuer ihre Bilanz von bisher sechs Podestplätzen (ein Sieg, Abfahrt Garmisch) erheblich aufstocken möchte. Nahe dran war die Abfahrts-Vize-Weltmeisterin von 2017 auch in der letzten Saison mit Stockerlplätzen, vielleicht klappt es ja heuer mit dem einen Platz auf dem obersten Podest. Und ja, vielleicht sogar bei der WM, sofern diese stattfindet. Apropos WM, wenn im Oktober die Titelkämpfe 2023 vergeben werden, dann hat die 27-Jährige aus Oberperfuss einen verständlichen Favoriten – eine Heim-WM in Saalbach. 

8 Fragen an Stephanie Venier

Stephanie,  das erste Gold 2020 steht ja schon im Wohnzimmerschrank – was bedeutet die Auszeichnung mit der Goldenen Teekanne für dich?

,, Das war ja eine Publikumswahl und es macht mich extrem stolz, daß ich so eine riesige Fanbase hinter mir stehen hab. Ich find‘s jedenfalls volle cool, dass ich die Teekanne jetzt daheim stehen hab.

Auch  wenn zunächst einmal erst der Sommer  in den Startlöchern scharrt  – für Dich hat der nächste Winter doch schon längst begonnen, wie war der sportliche Einstieg in die WM-Saison?

,,Wir waren ja Mitte Mai schon zwei Wochen in Sölden Skifahren, haben dort neues Material getestet und an unserer Technik gefeilt. Wir konnten an 12 Schneetagen viele Fahrten absolvieren, denn die Verhältnisse waren teilweise besser wie im Oktober, also hat es sich total ausgezahlt; und ja, Bad Waltersdorf war ein idealer Einstieg in das Sommertraining.

Mit Flo Scheiber ein Tiroler Landsmann  statt Roland Assinger auf der Kommandobrücke – eine große Umstellung für dich?

,,Natürlich find ich es extrem schade, dass Asso bei uns nicht mehr Trainer ist, wir haben doch sieben Jahre gut zusammengearbeitet. Doch Flo war ja auch schon die letzten zwei Jahre im Team und kenne ihn daher sehr gut. Ich glaube also nicht, dass es eine große Umstellung sein wird. Auf alle Fälle bin ich happy, dass er der neue Gruppentrainer ist und freue mich auf die Arbeit mit ihm und überhaupt auf alles, was jetzt kommt, inklusive Weltmeisterschaft.

A propos WM-Saison – da geistern doch tatsächlich Gerüchte durch den Skizirkus, dass WM-Ausrichter Cortina d’Ampezzo die  Titelkämpfe 2021 um ein Jahr verschieben möchte, also Olympia (Peking)  und WM direkt hintereinander. Wie ist deine Meinung dazu? 

,,Ich glaube, dass das für alle eine ziemlich große Herausforderung sein wird, wenn das wirklich so kommen sollte. Aber jedes Ding hat bekanntlich zwei Seiten - wenn du gut drauf bist, bzw. die Formkurve nach oben zeigt, ist es natürlich fein, anderseits wissen wir, dass in jedem Rennen vieles passieren kann. Anders formuliert – wenn es zwei Großereignisse hintereinander gibt, kannst beide gut fahren, oder aber auch beide verpatzen.

Es war eine harte Zeit für die Gesellschaft, man hatte plötzlich viel Gelegenheit zum Nachdenken; bewusster Leben, ,,Entschleunigen“ war angesagt. Was nimmst du mit aus dieser Phase  in die Zukunft, in der wahrscheinlich Vieles doch nicht mehr so selbstverständlich stattfinden wird können wie bisher?  

,,Klar, ich hab die Zeit auch genützt, dass ich ein bißchen runterkomme und mich viel mit mir beschäftigt. Ich bin einfach draufgekommen, dass man einfach das schätzen soll, das man hat und nicht immer noch mehr, noch größer, noch besser sein will. Es geht uns ja trotz allem gut. Und wenn man gesund ist, ist das eigentlich das größte Gut, das man besitzen kann.“   

Auch im Sport hat sich einiges verschoben – Geisterspiele im Fußball, vielleicht auch Skirennen oder gar die WM ohne Zuschauer. Kannst du dir das vorstellen? 

,,Vorstellen schon, aber ich glaube, das ist extrem komisch, wenn du im Ziel abschwingst und es sind keine Fans da. Der Sport lebt ja von den Fans und von den Emotionen, aber das Rennen tatsächlich ohne Zuschauer stattfinden könnten, das glaube ich schon. Einiges wird halt nicht mehr so sein, wie es sonst immer war, aber wir müssen es so nehmen wie es kommt, Hauptsache wir können Rennen fahren.

Zurück auf den Schnee und zu deinen Zielen - gibt es in der kommenden Saison den zweiten Weltcupsieg für die Stephanie Venier und/oder gar die nächste WM-Medaille? 

,,Schwer zu sagen. Ich hätte natürlich nichts dagegen und das werden natürlich auch meine anvisierten Ziele sein. Aber jetzt steht mal der Sommer im Vordergrund bzw. das Sommertraining. Da will ich meine Hausaufgaben machen, damit ich dann im Winter fit bin.“  

Die Vergabe der Ski-WM 2023 erfolgt im Oktober. Wenn du entscheiden müsstest: Saalbach (weil Heim-Titelkämpfe), Garmisch (weil erster Weltcupsieg) oder Crans Montana (weil dir die Strecke liegt)? 

,,Schwierig! Auch wenn Garmisch natürlich cool wäre, ebenso wie Crans Montana, weil ich dort bereits tolle Erfolge gefeiert habe. Aber ich würde Saalbach nehmen, weil eine Heim-WM habe ich noch nicht erlebt und vor heimischer Kulisse ist es noch mal schöner Rennen zu fahren. Also wäre ich für Saalbach!

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