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Innovativ & sportlich

Sportland und Wirtschaftsstandort

Innovativ & sportlich

Wenn neue Ideen im Sport entstehen: Vier Beispiele aus Tirols Gründerszene.

Text: Eva Schwienbacher

Tirol bringt nicht nur eine Reihe von erfolgreichen Spitzensportlern hervor, sondern bietet auch neuen Firmen im Sportsektor einen geeigneten Standort und Inspiration, wie vier Jungunternehmer beispielhaft zeigen.

Naked Optics: Skibrillen für jedes Wetter 

Ausgerechnet im tropischen und feuchten Klima von Singapur, wo klassische Jahreszeiten fehlen, entstand die Geschäftsidee von Naked Optics – einem Innsbrucker Start-up, das Freeride-Skibrillen verkauft. Der Firmengründer und heutige Geschäftsführer Christoph Fink aus Salzburg arbeitete im Jahr 2013 in der Finanzmetropole, als ihn ein ehemaliger Schulkollege besuchte, der den Asientrip mit einem Abstecher nach Japan zum Freeriden verband. Was dieser allerdings nicht dabei hatte und im asiatischen Stadtstaat auch nicht kaufen konnte, war eine Freeride-Brille. Er wandte sich daher direkt an einen Hersteller für Outdoor-Produkte in Hongkong, der ihm eine Skibrille verkaufte. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war top, was sich schnell in der Heimat der beiden herumsprach. Die Nachfrage nach den Produkten aus ihrer Freeride-Community stieg. Und so entwickelten sie die Idee, aus dem „Lieferservice“ für Freunde ein Business zu machen.

„Innsbruck ist die inoffizielle Hauptstadt der Alpen und Tirol definitiv DAS Skiland." Christoph Fink, Naked Optics

Auf Christoph Finks Rückkehr nach Österreich folgte im Jahr 2014 die Firmengründung in Innsbruck, wo der Salzburger sein Managementstudium begann. Der dritte Mitgründer ist ein staatlich geprüfter Ski- und Snowboardführer und für die Produktentwicklung und das Design verantwortlich. „Innsbruck ist die inoffizielle Hauptstadt der Alpen und Tirol definitiv DAS Skiland. Ich kann mir keinen besseren Firmenstandort für eine im Wintersport tätige Firma vorstellen“, sagt der 29-Jährige. Das Ziel des Start-ups ist, qualitativ hochwertige Brillen, deren Gläser man dank eines Magnetsystems einfach und bequem ans Wetter anpassen kann, mit einem coolen Design zu einem günstigen Preis anzubieten. 

„Das funktioniert, da wir die zahlreichen Zwischenschritte der großen Hersteller umgehen und unser Produkt ausschließlich in unserem Webshop und ohne Zwischenhändler verkaufen“, erklärt Fink. In der ersten Saison wurden 350 Stück bestellt, in diesem Winter bereits 4.000 – und jedes Mal waren die Brillen ausverkauft. Im Moment bietet Naked Optics fünf verschiedene Modelle in zwei bis vier Farben. Im Marketing und für Qualitätstests setzt Naked Optics auf eine Kooperation mit Skilehrern, die helfen, das Produkt bekannt zu machen bzw. wertvolles Feedback geben. Langfristiges Ziel ist, langsam und organisch zu wachsen und in Zukunft auch andere Produkte ins Sortiment aufzunehmen. 

© Frank Wimmer

Gründer von Naked Optics Christoph Fink (oben) und Philipp Scholler

Naked Optics

Gründung: 2014
Anzahl der Mitarbeiter: 3
Firmenstandort: Innsbruck, das Lager für die Brillen befindet sich in Salzburg.
Tätigkeitsbereich: Herstellung von Freeride-Brillen

Lo.La* Peak Solutions – „Lokales Wissen für mehr Sicherheit am Berg“

Das Tiroler Start-up wurde von fünf Freunden – allesamt Bergsportexperten mit langjähriger Erfahrung – gegründet. „LO.LA* verfolgt die Vision, lokales Wissen in Wert zu setzen. Lokales Wissen ist ein wesentlicher Faktor für die Sicherheit im alpinen Raum. Hier gibt es noch Lücken und diese wollen wir schließen“, sagt LO.LA*-Geschäftsführer Stefan Ortner. Wie? Zum Beispiel durch das von den Tirolern entwickelte Tool LO.LA*, ein lokales Lawinenbeurteilungstool. „Das Werkzeug unterstützt Profis – z. B. Pistenchefs oder die Lawinenkommission in einem Skigebiet –, die Lawinenbeurteilung sauber und standardisiert durchzuführen.“ Zielgruppe sind etwa Bergbahnen, Tourismusregionen, Skischulen oder Skitourenstützpunkte, die, falls nötig, entsprechende Maßnahmen im Sinne des Risikomanagements setzen und auf Wunsch das Wissen verteilen können. Im Einsatz ist das Tool beispielsweise in den Skigebieten Mayrhofen, Obergurgl-Hochgurgl, Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn oder bei Sportevents wie der Freeride-Contest-Serie Open Faces. Das Lawinenbeurteilungstool dient als Ergänzung zum Sicherheitsmanagement lokaler Behörden. 

Stefan Ortner ist Geschäftsführer und einer der fünf Gründer der LO.LA* Peak Solutions GmbH. Der studierte Betriebswirt ist außerdem Risikomanagementexperte, zertifizierter Risikomanager, Sachverständiger und Obmann der Lawinenkommission seiner Heimatgemeinde. © Standortagentur Tirol  

Die Vorteile des Standorts Tirol für LO.LA* bestehen unter anderem in der Bergsportaffinität des Landes. „Tirol ist die beste Spielwiese für uns, alle namhaften Kunden und Kontakte sind vor Ort. Die direkte Anwendbarkeit ist einer der größten Vorteile“, sagt Ortner. Weitere Pluspunkte sind die Nähe zur Universität Innsbruck sowie die Möglichkeit, am Berg einen Ausgleich zum Arbeitsalltag zu finden. Aktuell arbeiten die fünf an Werkzeugen für den Sommer. „Unser langfristiger Plan ist, lokales Wissen 365 Tage im Jahr zur Verfügung stellen zu können“, sagt Ortner.

Lo.La* Peak Solutions

Gründungsjahr: 2014
Mitarbeiter: 5
Tätigkeitsbereich: Sicherheits- und Risikomanagement im alpinen Raum
Standorte: Trins, Innsbruck
Auszeichnungen: Innovationspreis 2016 der Wirtschaftskammer Tirol und des Landes Tirol

FF Film – Die Extremfilmer: „Je schwieriger die Bedingungen, desto besser“

„Nach einem ersten Film am Nanga Parbat und mehreren kleineren gemeinsamen Projekten haben wir beschlossen, Nägel mit Köpfen zu machen und unsere Kompetenzen zu bündeln“, erzählt der Innsbrucker Alpinist und Expeditionsveranstalter Lukas Furtenbach über die Gründung der Firma FF Film im Jahr 2015 gemeinsam mit Philip Flämig, Kameramann und Regisseur. Es folgte ein Großauftrag am Mount Everest im Jahr 2016 mit vier erfolgreichen Filmprojekten. Im Gepäck mit nach Hause hatte das Filmteam die weltweit ersten Drohnenbilder aus 8.000 Metern Höhe und die ersten 360-Grad-Videos von der Route auf den Mount Everest. Im selben Jahr erhielt FF Film auch den Jungunternehmerpreis in der Kategorie „Kreative Dienstleistung“ der Jungen Wirtschaft. 

"Eine der schönsten Kulissen der Welt" Lukas Furtenbach

FF Film wurde als Tochterfirma der Furtenbach Adventure GmbH, eines Tiroler Expeditionsveranstalters, gegründet. Der Standort Tirol bietet einem Filmproduktionsunternehmen wie FF Film laut Furtenbach zum einen eine der schönsten Kulissen der Welt und zum anderen „bergbegeisterte und bergerfahrene Menschen“. Langfristiges Ziel der Firma ist, langsam und gesund zu wachsen, und „schöne Filme zu machen, die uns Spaß machen und zu den aufregendsten Orten der Welt bringen“. Für 2019 ist ein großes Unterwasserprojekt geplant.

FF Film

Gründung: 2015 in Innsbruck
Standorte: Innsbruck, Wiesbaden, München
Bereich: Filmproduktionsfirma 
Mitarbeiter: 5
Auszeichnungen: Jungunternehmerpreis in der Kategorie „Kreative Dienstleistung“ der Jungen Wirtschaft 2016

Uptitude – Die Brillenmacher: Vom Schnee auf die Nase

Eigentlich griff Ermanno Zanella (30) nur aus Not zu einem alten Snowboard, als er eines Tages im Jahr 2013 seine erste selbst designte Brille herstellen wollte. Denn der Trentiner hatte auf die Schnelle kein anderes Material zur Verfügung. Doch die Idee gefiel ihm, sodass er sie zum Gegenstand seiner Abschlussarbeit für das Designstudium in Bozen und schließlich zum Geschäft machte. In einer Werkstatt im Zillertal, die Snowboards fertigt, entwickelte er einen Prototyp. Hier begann auch die Zusammenarbeit mit seinem jetzigen Partner Filippo Irdi (29), der nach seinem Jusstudium in Rom als Shaper in einem Zillertaler Snowpark arbeitete. 2014 gründeten die beiden Uptitude, eine Firma, die Seh- und Sonnenbrillen aus alten Ski und Snowboards herstellt. Der Sitz der Firma findet sich in Innsbruck. In Tirol und Salzburg erfolgt die Materialbeschaffung. Produziert wird in Italien. Ihr Produkt richtet sich an Wintersportfans. 

"Langfristig wollen wir auch andere Designobjekte herstellen." Filippo Irdi, Uptitude

Eine Reihe von Gründen sprechen für Tirol als Firmensitz, erklärt Irdi: „Erstens die Winter- und Bergsportbegeisterung in Tirol, die auch wir teilen, zweitens die Verfügbarkeit alter Ski und Snowboards – die Firma Burton in Innsbruck ist unser Hauptlieferant –, drittens die Studenten in Innsbruck, die zu mehr Offenheit gegenüber innovativen und nachhaltigen Ideen beitragen und nicht zuletzt auch die Anlaufstellen, wie die Standortagentur Tirol oder die Wirtschaftskammer, die einem etwa in puncto Förderungen weiterhelfen.“ 


Ziel der beiden Wahltiroler ist, den nachhaltigen Umgang mit Materialien weiter zu forcieren. „Aktuell arbeiten wir an einem neuen Brillenmodell. Langfristig wollen wir auch andere Designobjekte herstellen, sodass Kunden ihre geliebten, aber nicht mehr gebrauchten Ski und Snowboards in neuen Gegenständen weiter verwenden können“, so Irdi.   

Auf einen Blick: Uptitude

Gründungsjahr: 2014
Standort: Innsbruck
Mitarbeiter: 2
Tätigkeitsbereich: Herstellung und Vertrieb von Seh- und Sonnenbrillen aus Snowboards und Ski

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