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Die Stimme der WM

FIS Nordische Ski-WM Seefeld 2019

Die Stimme der WM

Sportkommentator Stefan Steinacher im Porträt

Text: Simon Leitner, Bild: Tirol Werbung / Webhofer

Als gefragter Sportkommentator ist Stefan Steinacher vor allem im Winter ständig unterwegs. Sport.tirol hat ihm bei der kürzlich zu Ende gegangenen Nordischen Ski-Weltmeisterschaft in Seefeld über die Schulter geblickt und ihn in einem der wenigen ruhigen Momente zu seiner Arbeit befragt.

Stefan Steinacher ist eine Art Fixpunkt in der heimischen Sportszene. Seit knapp 18 Jahren kommentiert und moderiert der gebürtige Fieberbrunner verschiedenste Sportveranstaltungen im Land, die Bandbreite reicht von Ski- und Biathlonweltcups über Tennisturniere bis hin zu diversen Rad-, Moto-GP- und Formel-1-Rennen.

Auch im Rahmen der kürzlich zu Ende gegangenen Nordischen Skiweltmeisterschaft in Seefeld war Steinacher im Einsatz, unter anderem bei den Sprungbewerben auf der Innsbrucker Bergiselschanze und bei einem Großteil der Bewerbe der Nordischen Kombination. Dabei kümmerten sich er und seine Kollegin Daniela Maier sowie ihr Team nicht nur um das Kommentieren des sportlichen Geschehens – die Unterhaltung des Publikums während allfälliger Pausen spielte beispielsweise eine ebenso große Rolle wie die Produktion von Clips für die Videowall.

„Meine Hauptaufgabe ist es, das zu schildern, was man gerade sieht. Dabei versuche ich auch das, was in mir stattfindet, zu beschreiben.“ Stefan Steinacher

Der Fokus Steinachers liegt, wie er sagt, jedoch trotz allem in erster Linie auf dem Kommentieren: „Meine Hauptaufgabe ist es, das zu schildern, was man gerade sieht. Dabei versuche ich auch das, was in mir stattfindet, zu beschreiben“, erklärt der 43-Jährige. „Ich sehe mich sozusagen als Bindeglied zwischen dem Sportler und dem Zuschauer.“

Von Klein auf

In gewisser Weise war Stefan Steinachers Weg zum Sportkommentator bereits in seiner Kindheit vorgezeichnet, denn schon als kleiner Junge hat er bei verschiedenen Sportübertragungen im Fernsehen die Geschehnisse kommentiert, Zeiten gestoppt, Strecken nachgezeichnet und sogar Listen von Skifahrern angelegt. „Ich glaube, ich hatte das schon immer irgendwie im Blut“, so Steinacher. „Schon damals hat es mir einfach Spaß gemacht, Momentaufnahmen zu schildern und mich genauer mit Rennen und allem, was dazugehört, auseinanderzusetzen.“

1984, als Achtjähriger, war Steinacher zum ersten Mal direkt vor Ort bei einem Skiweltcup dabei, und zwar beim legendären Hahnenkammrennen in Kitzbühel, das zu einem prägenden Erlebnis für den sportbegeisterten Jungen werden sollte. Denn nachdem er Franz Klammers letzten Triumph auf der Streif live mitverfolgt hatte, nahm sich Steinacher vor, dort ebenfalls mal ein Rennen zu bestreiten – oder, falls nichts daraus werden sollte, zumindest mal eines zu kommentieren.

Die erträumte Karriere als Skifahrer kam, trotz vielversprechender Ansätze – Steinacher wurde unter anderem Bezirkscupsieger und trat als Teil des erweiterten Tiroler Kaders bei einigen FIS-Rennen an – nicht wirklich in die Gänge, deswegen hat der Fieberbrunner letztendlich den einen Traum zugunsten des anderen aufgegeben. „Ich hatte als Skifahrer einfach nicht genug Talent. Also habe ich mich dann eben doch auf eine Laufbahn als Sportkommentator konzentriert“, so Steinacher, der in diesem Bereich schließlich um einiges mehr Begabung zeigen sollte als im Skisport.

Der Sportkommentator in seinem Element: Stefan Steinacher (rechts) fiebert bei jedem Event mit. Diese Begeisterung überträgt sich schließlich auch auf das Publikum.

Feuertaufe im Schnee

Eine erste Möglichkeit, sich zu beweisen, erhielt Steinacher 1993 beim Snowboardevent Lords of the Boards in seiner Heimat Fieberbrunn, wo jeder über sein großes Ziel, Kommentator zu werden, Bescheid wusste. Doch am Ende zeigten sich nicht alle mit der Leistung des damals 16-Jährigen zufrieden, wie Steinacher berichtet: „Jahre später sagte man mir, dass ich furchtbar, geradezu grauenhaft gewesen sein soll. Das nagt auch heute noch an mir.“ Der Umstand, dass Steinacher damals erst kurz vor Beginn des Events von der sich ihm bietenden Chance erfahren und dadurch nicht mehr genügend Zeit hatte, sich über den Sport, von dem er bis dahin kaum etwas wusste, zu informieren, hatte also offenbar durchaus Auswirkungen.

Nichtsdestotrotz durfte Steinacher sich im Jahr darauf erneut in Fieberbrunn versuchen und in weiterer Folge zusätzliche Snowboardrennen kommentieren, unter anderem in Spanien und in Slowenien, genauer gesagt in Kranjska Gora, wo er schließlich auch seinen allerersten Skiweltcup als Kommentator begleitete. „Man ist nach dem Snowboardevent in Kranjska Gora an mich herangetreten und hat mich gefragt, ob ich auch den dortigen Skiweltcup übernehmen wolle“, erzählt Steinacher. „Natürlich habe ich zugesagt.“ Nicht zuletzt, weil er seinem Vater schon als Kind im Zuge eines Urlaubs im ehemaligen Jugoslawien mitgeteilt hatte: „Papa, wenn ich es nicht zum Skifahrer bringe, möchte ich mal einen Weltcup in Kranjska Gora kommentieren.“

Im Laufe der Jahre sind dann immer mehr Veranstaltungen hinzugekommen, seit 2010 war Steinacher im Grunde bei jedem größeren Wintersportevent dabei. Zu den Highlights zählen die Ski-WM in Schladming (2013), die Olympischen Winterspiele in Sotschi (2014), die Ski-WM in Vail/Beaver Creek (2015) und nicht zuletzt die Biathlon-WM 2017 in seiner Heimat, dem Pillerseetal.

Alles im Auge: Auch auf der Innsbrucker Bergiselschanze haben die Kommentatoren den besten Blick.

Im Wandel der Zeit

Die Aufgaben eines Sportkommentators haben sich in dieser Zeit zum Teil deutlich verändert, wie Steinacher erläutert. „Heute ist generell alles viel größer geworden, es gehört viel mehr dazu als nur das reine Kommentieren. Es ist ein Full-Time-Job, der in der Regel schon drei Stunden vor der Veranstaltung beginnt und erst Stunden danach aufhört.“ Der Fieberbrunner möchte sich nämlich so viel wie möglich in den Ablauf und die Planung der Sportevents einbringen und mit den Beteiligten – Organisatoren, Sportlern, Fans – absprechen. „Nur dadurch bekomme ich das nötige Hintergrundwissen, um ehrlich und authentisch kommentieren zu können.“

Das helfe nicht zuletzt auch im Umgang mit den Athleten, mit denen man als Sportkommentator ein möglichst gutes Verhältnis pflegen sollte. „Die Sportler merken, wenn man ehrlich, demütig und vor allem fair ist, sich zum Beispiel nicht nur für Österreich, sondern auch für andere Nationen freut“, so Steinacher, der auch in Seefeld ständig von Athleten aus allen Teilen der Welt erkannt und gegrüßt wurde. „Viele sagen, dass sie mir vertrauen, und das ist mir sehr wichtig.“

Ein weiterer essentieller Aspekt ist eine umfassende und gründliche Vorbereitung auf die Veranstaltungen. Zu diesem Zweck liest Steinacher jeden Tag mehrere Print- und Onlinemedien, recherchiert Hintergründe im Internet, legt Profile von Athleten an oder durchstöbert deren Social-Media-Kanäle. Er beschäftigt sich das ganze Jahr über mit Sport, um stets über Entwicklungen Bescheid zu wissen und immer auf dem neuesten Stand zu sein. Dass er sich entsprechende Daten und Fakten recht einfach merkt, ist laut Steinacher schnell erklärt: „Es interessiert mich einfach, ist meine Leidenschaft – deswegen tue ich es auch gerne.“

Im Rahmen der Nordischen Ski-WM kommentierte Stefan Steinacher nicht nur die Sprungbewerbe am Innsbrucker Bergisel, sondern auch Bewerbe der Nordischen Kombination in Seefeld.

Ängste und Versprecher

Die Begeisterung, mit der Steinacher seinen Beruf ausübt, hat jedoch auch ihre Schattenseiten. Das musste der Fieberbrunner vor einigen Jahren feststellen, als ihn ein Burn-out dazu zwang, eine Zeit lang kürzer zu treten. „Mir fiel es immer schon schwer, mich abzugrenzen“, erklärt Steinacher. „Wenn mir jemand sagt, ich mache keinen guten Job, geht mir das sehr nahe. Die meisten meiner Kollegen sind da um einiges härter.“

„Wenn mir jemand sagt, ich mache keinen guten Job, geht mir das sehr nahe. Die meisten meiner Kollegen sind da um einiges härter.“ Stefan Steinacher

Auch wenn man es aufgrund seines Berufs, der ja ein gewisses Maß an Extrovertiertheit erfordert, nicht unbedingt vermuten würde: Steinacher steht nicht gerne im Rampenlicht und war noch nie so selbstbewusst, wie viele ihn einschätzen würden. Durch die Behandlung des Burn-outs habe er jedoch gelernt, besser mit etwaigen Misserfolgen umzugehen: „Bestimmte Ängste sind zwar weiterhin da, und ich hinterfrage mich auch heute noch“, so Steinacher, „aber ich nehme mir nicht mehr alles ganz so zu Herzen. Ich weiß mittlerweile: Manche finden mich gut, andere schlecht, und beides ist in Ordnung.“

Abgesehen von dieser schweren Zeit musste Steinacher in seiner Karriere bisher allerdings keine allzu großen Rückschläge verkraften. Missgeschicke wie Versprecher und dergleichen gehören jedoch zum Job dazu – wobei auch diese manchmal durchaus problematisch sein können, wie ein ganz spezieller Fall zeigt: „2005, als ich auf dem Weg zur Biathlon-WM nach Hochfilzen war, machte ich in Kitzbühel bei einer Tankstelle halt“, erzählt Steinacher. „Dort traf ich auf Uschi Glas, die mir schließlich die ganze Fahrt nach Hochfilzen über nicht mehr aus dem Kopf ging. Das ging so weit, dass ich die deutsche Biathletin Uschi Disl, die damals ein Star war, den ganzen Tag lang Uschi Glas genannt habe. Anfangs ist mir das nicht einmal aufgefallen, irgendwann habe ich allerdings gemerkt, dass die Leute mich komisch anschauen, und verstanden, was los ist. Geholfen hat es jedoch nicht, ich habe es trotzdem einfach nicht mehr rausgebracht.“

In der Familie und im Team

Dass Steinacher heute besser mit derartigen Missgeschicken und generell mit dem Stress, den sein Beruf mit sich bringt, umgehen kann als noch vor einigen Jahren, liegt ihm zufolge vor allem an seiner Familie. „Ohne die Unterstützung meiner Frau und der beiden Kids könnte ich den Job einfach nicht machen“, so der Fieberbrunner. Denn sie brächten nicht nur Verständnis für seine vielen Reisen von Event zu Event auf, sondern hälfen ihm anschließend auch dabei, wieder zu Kräften zu kommen: „Auf der Bühne bin ich ein richtiges Energiebündel, ich hänge mich voll rein. Dementsprechend ausgepowert komme ich nach Hause. Meine Frau Karin, Romy und Vito müssen mich dann erst mal wieder aufpäppeln.“

Bei Einsätzen wiederum erhält Steinacher Hilfe von seinem Team, mit dem er bereits seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Dazu gehören etwa seine langjährige Berufspartnerin Daniela Maier, die als Koordinatorin, Drehbuchautorin und Produzentin fungiert, Kommentator Didi Ziesel, DJ Max Engelmayer sowie die Techniker Rene Melik und Alex Kassler. Je nach Art der Veranstaltung kommen aber auch zusätzliche Redakteure, Regisseure oder Cutter hinzu – bei der WM in Seefeld waren beispielsweise 17 Leute im Einsatz. „Jeder Einzelne davon hat eine wichtige Aufgabe, die ganze Crew trägt, wenngleich auch im Hintergrund, zum Erfolg bei“, erklärt Steinacher. „Damit sind sie ebenso wichtig wie wir Kommentatoren – auch wenn wir schließlich das Privileg haben, die Früchte dieser Arbeit zu ernten.“

Stefan Steinacher, geboren 1975, ist ein österreichischer Sportkommentator und Moderator, der bei verschiedensten Events im In- und Ausland im Einsatz ist. Er kommentiert unter anderem regelmäßig die Skiweltcups in Sölden und in Kitzbühel, die Biathlonweltcups in Hochfilzen, diverse Tennisturniere und Radrennen sowie immer wieder größere Veranstaltungen wie Skiweltmeisterschaften – zuletzt etwa die Nordische Ski-WM in Seefeld. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Fieberbrunn.

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