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Safety first

Freeride World Tour 2019

Safety first

Experte Markus Kogler über Sicherheitsmaßnahmen beim Freeride-World-Tour-Bewerb in Fieberbrunn

Text: Eva Schwienbacher, Header-Bild: Leni Photography

Markus Kogler ist Sicherheitsbeauftragter des dritten Stopps der Freeride World Tour in Fieberbrunn. Kurz vor dem spektakulären Freeride-Event in Tirol hat er sport.tirol Einblicke in das Sicherheitskonzept gegeben.

Vom 22.–28. Februar 2019 findet in Fieberbrunn der dritte Stopp der Freeride World Tour statt. Die weltbesten Freerider in den Kategorien Ski und Snowboard werden dann vor den Augen der Judges und Fans ihre Linien in den 620-Höhenmeter-Hang des Wildseeloders zeichnen. Es handelt sich dabei um ein Face, das im oberen Teil sehr technisch ist – mit einer Steilheit bis zu 60 Grad – und im unteren Teil freestylelastig.

Einer, der diesen Hang bestens kennt und ihn vor all den Contest-Teilnehmern genau ins Visier nimmt, ist Markus Kogler. Der Fieberbrunner ist u. a. Freeride-Experte, Open-Faces-Veranstalter, Berg- und Skiführer, Skitrainer und -lehrer, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger, Bergretter und seit 2004 Sicherheitsbeauftragter des Stopps in Fieberbrunn der Freeride World Tour. „Ich bin für die Sicherheit der Rider zuständig – in allen Belangen“, bringt Kogler seine Rolle auf den Punkt. Seine Aufgabe ist es, im Vorfeld alle Risiken so gut wie möglich zu minimieren, die Rider über die Gefahrenstellen zu informieren und im Ernstfall mit einem gut durchdachten Rettungskonzept für schnelle Hilfe zu sorgen.

Der Diplomskilehrer und Bergführer Markus Kogler fungiert beim dritten Stopp der diesjährigen Freeride World Tour in Fieberbrunn als Sicherheitsexperte.
© Mia Maria Knoll

Detaillierte Risikoanalyse

Beim Freeriden liegt es in der Natur der Sache, dass man sich in ungesichertes, nicht präpariertes Gelände begibt. Bei all der Faszination, die dieser Sport auf viele ausübt, gibt es auch Gefahren. Das Thema Sicherheit nimmt daher bei Freeride-Contests einen hohen Stellenwert ein. Für alle zehn Contests, die Kogler über die Wintersaison betreut, gibt es ein bis ins kleinste Detail ausgearbeitetes Sicherheitskonzept. Es beinhaltet unter anderem eine penible Analyse der Risiken. „Die meisten denken, dass die größte Gefahr die Lawine ist, doch das stimmt nicht“, sagt Kogler.

„Die meisten denken, dass die größte Gefahr die Lawine ist, doch das stimmt nicht.“ Markus Kogler

In der Risikoanalyse werden drei Säulen und die jeweiligen Einzelrisiken berücksichtigt. Erstens der Rider selbst. Es gilt Fragen zu beantworten, wie: Handelt es sich um Einsteiger oder Profis? Wie groß ist der Erfolgsdruck? Wie hoch ist demnach die Risikobereitschaft? Zweitens das Gelände: Wo sind die Gefahrenstellen? Besteht Absturzgefahr? Wo gibt es Sharks, also Felsen, die knapp unterhalb der Schneeoberfläche liegen und Fahrer abrupt bremsen und zu Fall bringen können? Wie schwierig ist das Face? Und drittens spielen auch die Verhältnisse – Lawinengefahr, Schneehärte, Schneemenge, Sicht, Wettergefahren usw. – eine Rolle.

Teil des Sicherheitskonzepts ist die von Kogler mit einem Partner ausgearbeitete Risikomatrix. „Im Grunde haben wir damit zu Papier gebracht, was wir jahrelang bereits gemacht haben“, erklärt Kogler. Es handelt sich um ein Tool, das zur Visualisierung der Risikobewertung dient. Dabei werden das Schadensausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Risikos in einem Koordinatensystem dargestellt. Berücksichtigt wird dabei auch das Niveau der Teilnehmer. Die Ausarbeitung eines Sicherheitskonzepts und die entsprechende Darstellung sind auch deshalb wichtig, um im Ernstfall bei nachträglichen Untersuchungen alle Maßnahmen zur maximalen Sicherheit lückenlos nachweisen zu können.

Vor dem Event wird der Hang von mehreren Berg- und Skiführern gesichert. Neben Sprengungen kommt dabei auch "Skicutting" zum Einsatz.
© FWT

Hangsicherung

Im Prinzip beginnt für Kogler die Vorbereitungsphase für das Event mit dem ersten Schneefall. Durch die Beobachtung der Schnee- und Wetterverhältnisse über Wochen und Monate gewinnt man Kenntnisse über Schneedeckenaufbau und kritische Situationen und kann entsprechende Maßnahmen treffen.

Kurz vor dem Event sichert Kogler gemeinsam mit zwei, drei anderen Berg- und Skiführern den Hang. Für die Lawinensicherheit wird entweder mit Sprengungen oder mit dem sogenannten „Skicutting“ gearbeitet. „Wir rutschen einzelnen Rinnen von oben durch, um etwaige Schwachschichten präventiv auszulösen“, erklärt Kogler. Abschnitte, die die Fahrer aus Sicherheitsgründen nicht befahren dürfen, werden als „No Skiing Zone“ abgesichert.

Kurze Wege

Wichtiger Bestandteil der Sicherheitsmaßnahmen ist auch ein detailliertes, eigens für Fieberbrunn erstelltes Rettungskonzept, das alle Einsatzkräfte vor Ort kennen. Es beinhaltet unter anderem die Aufgabenverteilung, die Einsatzstrukturen und die Kommunikationswege: Was ist bei einem Lawinenunfall zu tun? Was bei verunfallten Personen? Welches Krankenhaus muss bei welchen Verletzungen aufgesucht werden? Wie signalisieren die Rider, dass sie Hilfe benötigen? „Das Um und Auf bei einem Unfall sind kurze Wege“, sagt Kogler.

Um verletzte Personen so schnell wie möglich zu erreichen, sind die Einsatzkräfte am Contestface des Wildseeloders an unterschiedlichen Stellen positioniert. Am Start, in der Mitte des Face und im Ziel findet sich jeweils ein Notarzt. Die 20 Bergretter sind für unterschiedliche Zonen des Hangs eingeteilt und werden bei einem Unfall vom Einsatzleiter koordiniert. Außerdem sind sechs Berg- und Skiführer im Einsatz, die bei Vorfällen ohne Verletzte ausrücken – zum Beispiel, um Materialien einzusammeln. Auch ein Rettungshubschrauber steht während des kompletten Contests in Fieberbrunn bereit.

Bei den verpflichtenden Riders-Meetings informieren die Sicherheitsbeauftragten die Fahrer über die Besonderheiten und Risiken des jeweiligen Hangs.
© FWT / Daher

Bewusstsein schärfen

Beim Riders-Meeting, das für alle Fahrer verpflichtend ist, geht Kogler mit den Contest-Teilnehmern den Hang durch. Das Ziel ist, ihnen die Risiken – wie Lawinenanrisse, große Felsen, No Skiing Zones usw. – zu zeigen und ihnen alle sicherheitsrelevanten Informationen zu erklären, etwa wo sich Bergretter befinden. „Die Fahrer stehen natürlich unter einem hohen Erfolgsdruck. Sie denken in erster Linie daran, wie sie die Judges beeindrucken können, und gehen dafür ein relativ hohes Risiko ein“, so der Sicherheitsexperte. Der dritte Stopp der Tour in Fieberbrunn ist für viele bereits eine heiße Phase. „Der Rider wird von uns bestmöglich informiert. Was er mit dem Wissen macht, liegt letztendlich bei ihm“, sagt Kogler.

Freeride World Tour 2019

Im Rahmen der diesjährigen Freeride World Tour macht die Freeride-Elite zwischen Januar und März an insgesamt fünf Stationen Halt. Höhepunkt aus österreichischer Sicht wird der Bewerb vom 22. bis 28. Februar in Fieberbrunn – Startpunkt ist der Gipfel des Wildseeloders.

Die Stationen:
19.–26. Januar, Hakuba (Japan)
2.–8. Februar, Kicking Horse (Kanada)
22.–28. Februar, Fieberbrunn (Österreich)
2.–8. März, Vallnord-Arcalís (Andorra)
23.–31. März, Verbier (Schweiz)

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