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Kleider machen Radler

UCI Straßenrad WM

Kleider machen Radler

Die beste Zeit und die beste Figur: sport.tirol hat die Profis gefragt, worauf es beim Radoutfit ankommt.

Text: Daniel Feichtner, Bild: Franz Oss

Radsport ist nicht nur hochtechnischer Leistungssport, sondern blickt auch auf eine lange Tradition zurück. Damit steigen auch die Ansprüche an die Outfits der Athleten: Sie müssen nicht nur hochgradig funktional sein, auch dem Stil gilt es, gerecht zu werden.

Für viele gehört Arbeitskleidung zum Beruf. Auch Markus Wildauer ist keine Ausnahme: Im Gegensatz zu den meisten ist das optimale Outfit für den 20-Jährigen aber nicht „nur“ eine Frage von Berufsetikette, Komfort und Wiedererkennungswert. Für den frischgebackenen U23-Staatsmeister im Zeitfahren und Tirol-Cycling-Team-Fahrer können von der richtigen Kleidung auch wertvolle Hundertstel abhängen – ganz abgesehen davon, dass es auch oder gerade für Radprofis dazugehört, gut angezogen zu sein, wenn sie sich in den Sattel schwingen. Was genau das stilsichere und funktional perfekte Radoutfit ausmacht, erklären das Nachwuchstalent Wildauer und Teamchef Thomas Pupp.

Kühler Kopf

Ohne Schutz geht auch im Radsport nichts. Was den Rest ihres Körpers angeht, verlassen sich die Radrennfahrer zwar vor allem auf ihr Können – zugunsten von Beweglichkeit, Gewicht und Windschlüpfrigkeit. Beim Kopf hört das aber schnell auf: „Im Ernstfall, wie bei einem Massencrash, nützt einem alles Talent und Training nichts“, meint Wildauer. „Und eine Kopfverletzung würde nahezu sicher das Ende beim Rennen bedeuten – oder noch viel Schlimmeres.“

Damit die Fahrer einen kühlen Kopf bewahren, ist Luftdurchlässigkeit ein wichtiger Faktor, ebenso wie Ultraleichtbauweise. Bei den regulären Rennen ist Windschlüpfrigkeit dagegen nicht der entscheidende Faktor. Helmpflicht bei offiziellen Rennen herrscht erst seit 2003, nachdem es bei der Tour de France mit Fabio Casartelli zu einem tödlichen Unfall gekommen war. Davor trugen die Sportler häufig nur Käppis. „Inzwischen ist das Tragen von Helmen aber auch im Hobbybereich Standard“, meint Thomas Pupp nicht ohne Stolz. „Man wird heute kaum mehr einen Hobbyfahrer sehen, der keinen Helm trägt. Das gehört einfach zum guten Ton. Und das hat sich ganz ohne Gesetzgebung durchgesetzt.“

Old School

In den vergangenen Jahren hat aber auch das Radkäppi wieder ein Revival erlebt. Die Kopfbedeckung, die vor der Helmpflicht üblich war, trägt auch Wildauer – allerdings in Kombination mit dem Helm. „Das Käppi kommt vor allem in größeren Höhenlagen und bei niedrigeren Temperaturen zum Einsatz und hilft, den Kopf vor dem Auskühlen zu schützen“, erklärt der Profi. „Wird es wärmer, verzichtet man darauf lieber, um Überhitzung zu vermeiden.“

Zugleich ist das Käppi auch eine Hommage an den Radsport. „Der Radsport ist voll von Traditionen und der ‚alte Stil‘ wird gerne hochgehalten“, beschreibt Pupp. „Ich persönlich finde es schön, dass die traditionsreiche Kopfbedeckung wieder im Trend ist.“

Beste Optik

Ebenso wie der Helm ist auch die Sonnenbrille Teil der Schutzbekleidung. „Staub, Fahrtwind oder Insekten können gerade bei höheren Geschwindigkeiten richtig unangenehm werden“, sagt Wildauer. „Und natürlich muss auch die beste Sicht gewährleistet sein.“ Deswegen stehen bei jedem Rennen immer mehrere Brillen oder Wechselgläser pro Athlet bereit – dunklere für sonniges Wetter und hellere oder klare bei Bewölkung oder Regen.

„Wichtig ist, dass die Brillen bruchsicher sind“, fügt er hinzu. „Ansonsten können sie bei einem Sturz zum Sicherheitsrisiko werden. Mit Gloryfy haben wir einen Tiroler Partner gefunden, dessen Brillen dem hohen Standard gerecht werden.“

Wie angegossen

Im Sommer genügt Profis wie Hobbyfahrern meistens ein kurzärmeliges Trikot. Es dient als Sonnen-, Wind- und Wetterschutz ebenso wie es Schweiß vom Körper wegleitet, hat ein wenig Stauraum in Taschen am Rücken, wo sie nicht im Weg sind, und bietet natürlich auch Sponsoren Platz. „Ein Trikot muss so genau passen wie möglich“, meint Wildauer. Wäre es zu eng, würde es Atmung und Bewegungsfreiheit einschränken. „Zu groß ist genauso schlecht. Wirft das Material Falten, ist das nicht nur unangenehm. Bläht sich das Trikot im Gegenwind auf, kann das auch bremsen. Unser Ausstatter Cuore garantiert uns perfektes Material.“

Hobbyfahrern genügen meistens ein Kurz- und ein Langarmtrikot, dazu eventuell noch eine winddichte Regenweste. Bei den Leistungssportlern, die das ganze Jahr über trainieren, kommt dazu noch eine Thermojacke, die auch im Winter vor Auskühlung schützt. Wichtig ist dabei, immer die richtige Kombination zur Hand zu haben. Dafür sorgen während der Rennen nicht zuletzt die Betreuer, die die Athleten mit dem richtigen Outfit versorgen.

„Im Bekleidungsbereich hat Elastan für eine kleine Revolution gesorgt“, erklärt Pupp. Trugen die Profis in den 80er Jahren noch Wolltrikots, die sich mit Schweiß vollsogen und nicht nur nass, sondern auch schwer wurden, stehen ihnen heute ultraleichte, schnell trocknende Hightech-Materialien zur Verfügung, die perfekte Passform garantieren. „Früher war es gang und gäbe, dass Betreuer am Gipfel mit Zeitungen auf die Fahrer gewartet haben, die sie sich unter die Trikots gesteckt haben, um Schweiß aufzusaugen und vor Wind zu schützen“, erzählt der Teamchef.

Hauteng und gepolstert

Dasselbe wie für die Trikots gilt auch für die Hosen der Sportler – sogar noch deutlich mehr. „Liegt sie nicht hauteng an, entstehen Falten. Und das ist mehr als unangenehm“, sagt Wildauer. Gerade wenn die Sportler stundenlang im Sattel sitzen, geht es nicht nur um Komfort: Sind sie einmal wundgescheuert, kann daraus sehr schnell ein echtes Handicap werden. Zusätzlich zur perfekten Passform sind die Hosen deswegen außerdem mit einem Sitzpolster ausgestattet.

„Wichtig ist, dass die Polsterung anatomisch passt“, sagt Pupp. „Da heißt es manchmal probieren, bis man die richtige Hose für den eigenen Körperbau gefunden hat. Ansonsten kann sie kontraproduktiv sein.“ Genauso muss der Beinabschluss perfekt sitzen, damit er die Beine nicht abschnürt, die Hose aber auch nicht verrutscht oder vom Fahrtwind aufgebläht werden kann. Außerdem herrsche bei Hosen absolute Waschpflicht, warnt er. Während man ein Trikot auch mal an zwei Tagen tragen könne, so man den Geruch aushält, gelten hier höchste Hygienestandards. „Gerade bei Mehrtagesrennen leidet auch das Immunsystem unter der körperlichen Belastung. Frisch gewaschene Hosen sind deswegen ein absolutes Muss. Und das sollten sich auch Hobbyfahrer zu Herzen nehmen.“

Modular erweiterbar

Anstelle eines kompletten Zweitoutfits im Gepäck bauen Radprofis seit einigen Jahren auf eine cleverere Lösung: Lycra-Ärmlinge und -Beinlinge, mit denen das Outfit schnell ergänzt werden kann. „Die Lösung ist ebenso einfach wie genial“, bestätigt Wildauer. „Die Ärmlinge kann man sich im Rennen überziehen. Beinlinge sind bei einem kurzen Stopp schnell übergestreift.“ Und weil sie sehr wenig Material haben, können die Athleten sie auch in den Trikottaschen mitnehmen und sind nicht auf ihre Betreuer angewiesen.

„Für kältere Witterung haben wir auch baumwollgefütterte Ärmlinge und Beinlinge im Einsatz“, meint Pupp. Und natürlich müssen die „Überzieher“ auch zum Rest des Trikots passen. „Da ist einfach eine Stilfrage. Genauso wie die richtige Kombination. Lange Ärmel und Beinlinge sind akzeptabel. Oder Ärmlinge und kurze Hosen, aber oben kurz und unten lang ist ein No-Go.“

Alles im Griff

Handschuhe komplettieren die Schutzausrüstung. Sie verhindern im Ernstfall Verletzungen an den Händen, die schnell zum Problem werden können. „Zugleich sorgen sie auch für den richtigen Grip“, meint Wildauer. „Gerade, wenn die Hände schwitzen. Und es ist auch einfach angenehmer. Mit Handschuhen schlafen einem nicht so schnell die Hände ein.“ Gleich wie bei den Brillen hat das Tirol Cycling Team auch hier eine Partnerschaft mit einem Tiroler Hersteller geschlossen: Die Firma Zanier, die vor allem bei Skihandschuhen Know-how gesammelt hat, stattet die Fahrer aus.

Modefrage

Das Radfahren viel mit Stil zu tun hat, zeigt sich nicht zuletzt anhand der Socken, mit denen die Profis ins Rennen gehen. „Früher war es ungeschriebenes Gesetz, dass in Radrennen knöchelhohe, weiße Socken getragen werden“, erzählt Pupp. Dieser Modestandard wurde erstmals von Lance Armstrong ins Wanken gebracht, der mit hohen, schwarzen Socken an den Start gegangen ist. „Das war fast ein kleiner Skandal, mit dem er sich bei den Hütern traditioneller Radmode viel Unmut zugezogen hat“, meint der Teamchef. „Und das noch lange, bevor die Dopingaffäre ans Licht gekommen ist.“ Mittlerweile sind auch längere Socken im Radsport nicht nur „erlaubt“, sondern auch modisch voll up-to-date – und werden nicht zuletzt von Sponsoren genutzt, um die eigene Marke publikumswirksam zu präsentieren.

Angelpunkt

Den richtigen Schuh zu finden ist nicht einfach. „Da muss man experimentieren – vor allem weil jeder Fuß anders ist“, empfiehlt Wildauer. „Denn wenn im Rennen einmal die Füße wehzutun anfangen, ist das der Tod.“ Deswegen arbeitet das Tirol Cycling Team eng mit DMT zusammen, von denen sie ihre Schuhe beziehen. Der italienische Sponsor vermisst nicht nur die Füße der Athleten beidseitig, sondern dehnt und passt die Schuhe dann auch noch individuell an deren Bedürfnisse an.„Schuhe sollten keinesfalls unterschätzt werden“, sagt Pupp. „Sie sind gewissermaßen der letzte Punkt in der Kraftübertragung vom Bein aufs Pedal.“ Deswegen setzen die Profis auf möglichst steife Sohlen, um so wenig Energie wie möglich zu verlieren. „Man kann die besten Beine haben. Wenn man die Kraft nicht von dort aufs Pedal und auf die Straße bringt, nützt das gar nichts“, gibt ihm Wildauer recht. Seine Schuhsohlen sind aus Karbon gefertigt, das nicht nur die nötige Härte mitbringt, sondern auch viel Gewicht spart. Zugleich ist natürlich auch die Passform entscheidend. Gerade wenn es wärmer wird, schwillt der Fuß im Schuh an. Dafür muss genügend Platz sein.

Eine Frage des Stils

Auch wenn sie nicht direkt zur Bekleidung gehören, sind sie doch ein essenzieller Teil jedes Radoutfits und stechen ins Auge: die glattrasierten Beine. Dafür gibt es zum einen praktische Gründe, wie Markus Wildauer erklärt: „Die Beine sind ein exponierter Bereich. Da kommt es relativ schnell zu Verletzungen. Enthaart ist die Wundheilung einfach etwas besser. Und wenn mal etwas Gröberes passiert, erspart man sich das Rasieren vor der Behandlung.“ Und nicht nur dabei können Haare im Weg sein. „Radsportler müssen viel leiden“, gibt Pupp außerdem zu bedenken. „Eine ihrer wichtigen Bezugspersonen sind ihre Physiotherapeuten. Und auch denen macht man die Arbeit so leichter.“

Ganz erklärt sind die glatten Beine damit allerdings noch nicht. Denn wie bei vielem anderen im Profi-Radsport geht es zum anderen auch hier nicht zuletzt um Tradition – und auch ein wenig Imponiergehabe ist dabei, sagt der Teamchef ganz offen: „Man will dem Gegner ja zeigen, was man hat. Zwei Profis werden sich als Erstes gegenseitig auf die Beine schauen – und wollen natürlich auch ihre ‚Waffen‘ ins rechte Licht rücken.“ Und damit ist auch die Beinrasur ein wichtiger Teil der Etikette des Radsports – auch bei Hobbyfahrern. „Gewissermaßen zeigt man so auch, dass man es ernst meint mit seinem Sport.“

Markus Wildauer

Thomas Pupp 

Markus Wildauer ist seit 2017 aktiver Fahrer im Tirol Cycling Team. Der Zwanzig-Jährige konnte dieses Jahr nicht nur einen Etappensieg beim Giro Ciclistico d’Italia für sich verbuchen, sondern gewann auch die U23-Wertung der Staatsmeisterschaft im Zeitfahren und holte Bronze bei der EM.

Thomas Pupp gründete gemeinsam mit Georg Totschnig 2007 das Tirol Cycling Team und betreut und unterstützt seither als Teamchef österreichische Radtalente  beim Training und bei der Teilnahme an nationalen und internationalen Bewerben.


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