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Wege durch den Fels

Mit Kletterschuhen und Kamera

Wege durch den Fels

Der Tiroler Kletterpionier und Fotograf Heinz Zak im Porträt

Text: Esther Pirchner, Bild: Heinz Zak

Als eine der prägenden Persönlichkeiten im internationalen Klettersport machte Heinz Zak schon Anfang der 1980er Jahre von sich reden. Er ist Extremkletterer mit Leib und Seele, Reisender, Landschafts- und Sportfotograf und -filmer – und er ist Tirol und den Tiroler Bergen innig verbunden.

Wer mit Heinz Zak über seine Liebe zu den Bergen, zum Klettern und zum Fotografieren spricht, dem fallen seine Ruhe, seine Konzentration und seine Gelassenheit auf – und nicht zuletzt, wie sehr er zu schätzen weiß, sein Leben nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Freiheit sei eines seiner wichtigsten Worte, sagt der 1958 in Wörgl in Tirol geborene Kletterer, weil er immer das machen konnte, was ihn fordert und ihm Spaß macht.

Kletterpionier Heinz Zak, fotografiert von Mariya Nesterovska

Er hat die Welt bereist, an vielen Orten wie im Yosemite National Park extreme Klettertouren unternommen und andere Spitzenkletterer mit der Kamera begleitet – und ist doch immer wieder in seine Heimat Tirol zurückgekehrt. Hier hat er mit dem Klettern und Fotografieren begonnen, sich schließlich in Scharnitz niedergelassen und sich Gebiete wie das Karwendel so eingehend erschlossen, dass er dort jeden Stein kennt.

„Die Wertschätzung, die ich für Tirol habe“, meint Zak, „ist sicher durch meine vielen Reisen in andere Länder gefördert worden. Ich fühle mich ganz stark als Tiroler und ich bin stolz darauf. Vor allem freue ich mich, dass ich hier leben darf. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mir woanders auf der Welt besser gehen könnte. Ich genieße die unterschiedlichen Jahreszeiten. Ich freue mich über jede Blume, die wiederkommt. Ich mag wahnsinnig gerne das Wasser und die Seen, vor allem in den Bergen. Und die Berge selbst natürlich auch.“

Zaks "Schlüssel zum Paradies"

Hinter diesen wenige Sätzen über das Land und die Natur steckt ein ganzes Leben, in dem er draußen in der Natur war, die Berge durchstreift hat, sich mit den Extremen beschäftigt und Erstbegehungen gemacht hat. Ende der 1970er Jahre war er einer der Ersten, die das Freiklettern aus den USA nach Österreich brachten. Die Kalkkögel waren seine ersten Kletterberge, und auch das Wettersteingebirge zählte schon früh zu seinen Hausbergen, viel wichtiger sollten aber das Karwendel und später die Stubaier Alpen werden. Im Karwendel begann er schon früh, im Stil des Freikletterns extreme Touren zu erschließen – zum Beispiel 1987 „Schlüssel zum Paradies“ (9-) am Halleranger – und mit Speed-Begehungen von sich reden zu machen. In der Laliderer-Nordwand kletterte er mit seinem Freund Peter Gschwendtner die drei Routen „Charly Chaplin“, „Nordverschneidung“ und „Schmid-Krebs“, jede davon mindestens 700 Meter lang und im sechsten oder sogar siebten Schwierigkeitsgrad, in nur 16 Stunden – ein Rekord, der seit 1990 hält.

Heinz Zak im Einsatz – sowohl als Kletterer als auch als Fotograf.

Noch dramatischer lesen sich die Geschichten von den Gratüberschreitungen im Karwendel im Winter im Alleingang, mit dem Höhepunkt der Überschreitung des Hauptkamms in drei Tagen: 36 Gipfel waren zu bewältigen, auf einer Tour, die höchste Konzentration forderte. „Du brauchst ein gutes Gespür dafür, wo es weitergeht und wo die Wechten zu gefährlich sind“, ist in einem Porträt zu seinem 60. Geburtstag 2018 nachzulesen. „Wenn du nach 20 Gipfeln müde bist und nass und schon lange nichts mehr zu trinken hast – dann musst du durchbeißen und dich extrem fordern.“

Reizvolle Herausforderungen

Geht es also immer darum, das Extremste zu suchen und zu bewältigen? Heinz Zak verneint die Frage indirekt, wenn er auf den „bescheidenen“ – weil stellenweise extrem brüchigen – Fels in den Kalkkögeln und in Teilen des Karwendels zu sprechen kommt. Hier liegt der Reiz nicht im höchsten Schwierigkeitsgrad, sondern darin, „ein Gefühl dafür zu haben, was man klettern kann, Verantwortung zu haben und sich zu entscheiden, ob man etwas machen kann oder nicht. Man muss es dann langsamer machen und über dem Schwierigkeitsgrad weiter drüberstehen. Und wenn es einmal zum Umdrehen ist, dann ist es zum Umdrehen. Es gibt mir auch eine Bestätigung und hat mich sicher in allen anderen Bereichen des Lebens unterstützt, dass ich weiß: Ich kann selbst gute Entscheidungen treffen und ich finde, auch wenn es anspruchsvoll ist, den richtigen Weg.“

„Wenn es ernst wird, komme ich in einen ganz klaren Zustand, der völlig angstfrei ist.“
Heinz Zak

Den richtigen Weg für sich fand Zak auch bei der wohl spektakulärsten Herausforderung seiner sportlichen Karriere, als er die Route „Separate Reality“ im Yosemite National Park free solo kletterte, ein Dach, das vor ihm nur Wolfgang Güllich auf diese Weise bewältigt hatte. Mit 47 Jahren beschloss Zak, sich selbst daran zu wagen, bereitete sich ein Jahr lang gewissenhaft darauf vor und meisterte die Tour schließlich bravourös.

Er spricht ganz offen darüber, dass er sich bei der Vorbereitung mit seiner Angst auseinandersetzen musste: „Ganz außen ist die schwerste Stelle. Wenn ich mich damit beschäftigt habe, habe ich immer gedacht: Wenn ich da außen bin, dann weiß ich, dass ich nicht mehr zurückkomme und eigentlich hinausklettern muss. Je öfter ich mich damit beschäftigt habe, desto besser ist es geworden.“ Vor Ort brauchte es noch Überwindung, doch als er „Separate Reality“ dann tatsächlich kletterte, erzählt Zak, habe er es „fast schwerelos erlebt und völlig ohne Angst. Es ist grundsätzlich so, dass ich, wenn es ernst wird, in einen ganz klaren Zustand komme, der völlig angstfrei ist. Wie ich eingestiegen bin, habe ich es schon vorher als etwas total Befreiendes erlebt – ein fast überladenes Gefühl von Freiheit, Losgelöst-Sein. Dann bin ich es einfach geklettert.“

Berge im Bild

Es gibt wohl wenige Menschen, die sich mit so großer Leidenschaft sportlich ausprobieren und an die Grenzen des Machbaren gehen wie Heinz Zak – und doch geht seine Faszination für Berge und Fels weit darüber hinaus, selbst die Wände zu durchsteigen oder neue Routen zu suchen. Parallel zur sportlichen Karriere war er immer auch mit der Kamera unterwegs, hielt die Landschaft in Bildern und später auch in Filmen fest. Seine Vorbilder sind die großen amerikanischen Landschaftsfotografen wie Ansel Adams, Galen Rowell und David Muench, die „die Landschaft für sich selbst sprechen lassen, ohne dass irgendwelche Leute durchs Bild laufen“.

Ein Beispiel dafür ist Zaks Film über den Ahornboden, der in einer gekürzten Fassung derzeit als Kinospot der Tirol Werbung verwendet wird. Über viele Monate machte Zak dazu Landschaftsaufnahmen, stattete dem Ahornboden zu Fuß, mit dem Rad oder mit Skiern etliche Besuche ab, bis er genau die Lichtstimmung, die Wetterlage oder die Farbe der Blätter einfangen konnte, die ihm vorschwebte.

Der Mensch am Berg

Dass es neben den Aufnahmen von nicht bevölkerter Natur auch eine Bildwelt gibt, in der beide Leidenschaften Zaks – jene fürs Klettern und jene fürs Fotografieren und Filmen – zusammenfließen, liegt auf der Hand. Nicht zufällig zählt er zu den gefragtesten Fachleuten, wenn es darum geht, Extremkletterer auf ihren Touren zu begleiten. Er war mit Wolfgang Güllich unterwegs, als dieser als Erster „Separate Reality“ free solo kletterte, und begleitete Alexander Huber bei dessen erster Rotpunkt-Begehung der Salathè am El Capitan und dessen Free-solo-Begehung der „Hasse-Brandler“ (8/8+) an der Nordwand der Großen Zinne.

Wer Heinz Zak dabei zusieht, wie er am Seil, ausgerüstet mit speziellen Stelzen, wie eine Spinne über die Wand läuft, um von den Kletterern das beste Foto zu bekommen, der versteht gleich, warum Zak als einer der weltbesten Kletterfotografen und -filmer gilt. Natürlich gehe es nicht nur um Seiltechnik und Geschwindigkeit, sondern vor allem darum, zu sehen, wo überhaupt das Foto sei, erklärt Zak.

„In der Kletterfotografie wollte ich immer beides: den Menschen festhalten, der es macht, und ihn mit seiner Route zeigen, die er geschafft hat.“
Heinz Zak

Mit den Stelzen könne er weiter von der Wand weg sein, meint Zak, und wie aus der Vogelperspektive draufschauen. „Wenn ich ein andermal ein Detail suche, zum Beispiel nahe am Gesicht sein möchte, dann kann ich meine Position blitzartig verändern und näher herankommen.“ Dass er auf diese Weise ganz außergewöhnliche Bilder findet, zeigen nicht nur mehrere Auszeichnungen, die er erringen konnte, sondern auch die Tatsache, dass er bei den jungen Starkletterern wie Adam Ondra oder Fabian Buhl nach wie vor die erste Wahl ist, um ihre Höchstleistungen abzulichten. Heinz Zak freut’s: „In der Kletterfotografie wollte ich immer beides: den Menschen festhalten, der es macht, und ihn mit seiner Route zeigen, die er geschafft hat. Seit Mitte der 1980er Jahre bin ich mit den besten Kletterern unterwegs. So habe ich in der Zeit wirklich Meilensteine des Kletterns fotografieren können und dürfen.“

Heinz Zak, fotografiert Mariya Nesterovska

Heinz Zak, geboren am 23. März 1958, ist Extremkletterer, Slackliner, Bergfotograf, Filmemacher und vermittelt sein Wissen in Workshops und Vorträgen. Nach Büchern wie „High Life – Sportklettern weltweit“ (Bergverlag Rother, 1987), „Rock Stars“ (Bergverlag Rother, 1995), „Yosemite“ mit Alexander Huber (Bergverlag Rother, 2003), „Karwendel“ (Tyrolia-Verlag, 2014) und „Stubai“ (Tyrolia-Verlag, 2016) erscheint im Herbst 2021 „Berge Tirol“, das in Kooperation mit der Tirol Werbung entsteht und im Tyrolia-Verlag erscheinen wird.

http://www.heinzzak.com/

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