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Das nordische Einmaleins

FIS Nordische Ski-WM Seefeld 2019

Das nordische Einmaleins

Alles, was man zur Nordischen Ski-WM in Seefeld wissen muss

Text: Simon Leitner, Header-Bild: Stefan Voitl

Die Nordischen Ski Weltmeisterschaften in Seefeld stehen unmittelbar bevor. Sport.tirol hat die wichtigsten Daten und Fakten zur WM, zu den Disziplinen und zu den einzelnen Bewerben nochmal grundlegend aufbereitet und zusammengefasst.

Nach den Olympischen Winterspielen von 1964 und 1976, der Nordischen Ski-WM 1985 und den Youth Olympic Games 2012 steht die Region Seefeld in diesem Jahr erneut im Mittelpunkt der nordischen Sportwelt. Denn vom 19. Februar bis zum 3. März findet in der Tiroler Gemeinde die 52. Ausgabe der FIS Nordische Ski Weltmeisterschaften statt. Dabei werden etwa 700 Athleten aus rund 60 Nationen in drei Disziplinen und 22 Wettbewerben an den Austragungsorten in Seefeld und Innsbruck um die begehrten Medaillen kämpfen.

Die Disziplinen

Zu den nordischen Disziplinen gehören Skispringen, Langlaufen und die nordische Kombination. Alle genannten Sportarten haben ihre Ursprünge in Skandinavien – daher das Beiwort „nordisch“.

© Flo Taibon Photography (2), Stefan Voitl

Skispringen

Beim Skispringen, der wohl bekanntesten nordischen Disziplin, ist der Name Programm: Es geht darum, mit speziellen Skiern von einer Schanze zu springen und dabei möglichst weit zu kommen – je weiter man springt, desto mehr Punkte gibt es.

Eine wichtige Rolle dabei spielt der sogenannte K-Punkt (oder Konstruktionspunkt), jene Stelle des Aufsprunghangs, an dem das Gefälle wieder flacher wird. Springt ein Athlet bis zu diesem Abschnitt, erhält er eine bestimmte Anzahl an Wertungspunkten, für jeden weiteren Meter gibt es zusätzliche Punkte. Erreicht der Springer den K-Punkt nicht, gibt es hingegen Abzüge.

Neben der gesprungenen Weite werden jedoch auch Haltungsnoten, die von fünf Wettkampfrichtern für Absprung, Flug und Landung vergeben werden, in die Wertung miteinbezogen. Jedes Jurymitglied kann pro Sprung maximal 20 Punkte vergeben, wobei die jeweils höchste und niedrigste Punktzahl gestrichen werden. Darüber hinaus spielen auch die Windverhältnisse eine Rolle, die während des Sprungs an fünf Stellen gemessen werden: Je nach Windstärke und -richtung erhalten die Athleten zusätzliche Punkte oder auch Punktabzüge.

Die Gesamtwertung ergibt sich folglich aus der Weite des Sprung, der Haltung des Springers und dem Wind. In der Regel gibt es zwei Durchgänge, wobei im zweiten in umgekehrter Reihenfolge gesprungen wird – d. h., der Beste des ersten Durchgangs ist als Letzter an der Reihe.

© Flo Taibon Photography

Bewerbe und Besonderheiten

Im Skispringen gibt es verschiedene Wettbewerbe, wobei im Allgemeinen je nach Schanzengröße unterschieden wird. Das Maß zur Größenbestimmung einer Schanze ist seit 2004 die sogenannte Hillsize (angegeben als HS). Dabei handelt es sich um die kürzeste Verbindung zwischen dem Schanzentisch und jenem Punkt am Aufsprunghang, an dem das Gefälle noch 32 Grad beträgt.

Abhängig von der Hillsize ergeben sich somit die Kategorien Kleinschanze (HS 20–49 Meter), mittlere Schanze (HS 50–84), Normalschanze (HS 85–109), Großschanze (HS 110–184) und Flugschanze (HS ab 185). Sprungbewerbe der Damen werden im Allgemeinen auf Normalschanzen durchgeführt, während Herren zu einem überwiegenden Teil von Großschanzen springen. Wettkämpfe auf Flugschanzen werden als Skifliegen bezeichnet, Klein- und mittlere Schanzen hingegen hauptsächlich im Training oder für Jugendwettkämpfe verwendet.

Bei der kommenden WM in Seefeld kämpfen die Damen auf der Normalschanze, die Herren wiederum auf Normal- und Großschanze um Medaillen. Zusätzlich gibt es sowohl bei den Damen als auch bei den Herren einen Teambewerb, bei dem vier Athleten jeder Nation in vier unterschiedlichen Gruppen antreten und bei dem die Punkte der einzelnen Springer addiert werden. Dasselbe gilt für den Mixed-Bewerb, mit dem Unterschied, dass die Teams in diesem Fall aus je zwei weiblichen und zwei männlichen Athleten bestehen.

Sprungbewerbe bei der WM:
Damen, Normalschanze
Damen-Teambewerb, Normalschanze
Herren, Normalschanze
Herren, Großschanze
Herren-Teambewerb, Großschanze
Mixed-Bewerb, Normalschanze

Daniela Iraschko-Stolz über die Besonderheiten des Skispringens

Langlaufen

Langlaufen ist, wenn man so will, nichts weiter als das Laufen mit Skiern und Stöcken auf Schnee. Man betreibt es auf eigens dafür präparierten Strecken, sogenannten Loipen, die sowohl flache Passagen als auch Anstiege sowie Abfahrten aufweisen können. Dabei geht es darum, die vorgegebene Strecke so schnell wie möglich zurückzulegen.

Im Langlauf gibt es verschiedende Techniken, um sich fortzubewegen. Lange Zeit war nur der sogenannte klassische Stil erlaubt, bei dem die Skier parallel sowie in festen Spuren geführt werden. 1985, bei der letzten Nordischen Ski-WM in Seefeld, hat sich schließlich der Skating-Stil als weitere Methode durchgesetzt. Bei dieser Variante befindet man sich in keiner festen Spur und stößt sich seitlich mit den Skiern ab. Sie ist nicht nur schneller, sondern gilt auch als anspruchsvoller.

Die meisten Wettbewerbe werden im Normallfall als Intervallstart-Rennen abgehalten, d. h., die Athleten gehen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander auf die Loipe, wobei die Laufzeit der entscheidende Faktor ist. Daneben gibt es allerdings auch noch Rennen mit Massenstarts, bei denen alle Athleten gleichzeitig an den Start gehen und bei denen der erste Läufer, der die Ziellinie überquert, als Sieger hervorgeht.

© Stefan Voitl

Bewerbe und Besonderheiten

Abgesehen von Stil und Startmodus unterscheidet man Langlaufbewerbe hauptsächlich aufgrund der Länge der Laufstrecken, die in der Regel zwischen zehn und 50 Kilometer liegt.

Davon ausgenommen ist der Sprint, der nur über eine Distanz von maximal 1,6 Kilometern geht und auch sonst gewissermaßen einen Spezialfall darstellt. Bei diesem Format gibt es erst eine Qualifikation, in deren Rahmen die Athleten nacheinander eine Runde auf der Loipe absolvieren. Die 30 Läufer mit den besten Zeiten kommen schließlich in die Finaldurchgänge, wo immer sechs Athleten in einem Durchgang direkt gegeneinander antreten. Die zwei schnellsten Läufer jedes Durchgangs sowie die besten zwei Verlierer aus allen Durchgängen steigen jeweils in die nächste Runde auf, bis die besten sechs schließlich im Finale den Sieg unter sich ausmachen.

Auch der Skiathlon ist eine Besonderheit im Langlaufsport, denn bei diesem Rennen wird ein Teil im klassischen, der andere Teil im Skating-Stil zurückgelegt – dafür wechseln die Athleten nach der Hälfte des Rennens die Skier.

In Seefeld werden auf unterschiedlich langen Strecken Skating- und klassische Bewerbe, Sprints und Skiathlons ausgetragen, wobei die Distanzen bei den Damen etwas kürzer sind als bei den Herren. Zudem findet sowohl bei den Damen als auch bei den Herren jeweils ein Staffelrennen sowie ein Teamsprint statt.

Beim Staffelrennen, das als Massenstart durchgeführt wird, stellt jedes Team vier Starter, die jeweils eine Runde absolvieren und dann an den nächsten Kollegen übergeben, bis alle Teammitglieder auf der Loipe waren. Jenes Team, dessen letzter Starter zuerst die Ziellinie überquert, gewinnt.

Beim Teamsprint wiederum, das ebenfalls als Massenstart-Rennen durchgeführt wird, treten nur zwei Läufer pro Team an und laufen jeweils drei Runden, wobei sie sich nach jeder Runde abwechseln. Im Gegensatz zum „gewöhnlichen“ Sprint werden die Zeiten der Läufer genommen und zusammengezählt. Außerdem gibt es keine Qualifikation und kein Viertelfinale, man startet direkt mit dem Halbfinale. Die zwei schnellsten Teams beider Halbfinali kommen direkt weiter ins Finale, die restlichen sechs Plätze im Teilnehmerfeld werden entsprechend der Zeiten der Teams aufgefüllt.

Langlaufbewerbe bei der WM:
Damen, 30 km Skating
Damen, 10 km klassisch
Damen, 4x5 km Staffel
Damen, 15 km Skiathlon
Damen, 1,4 km Sprint Skating
Damen, Teamsprint klassisch
Herren, 50 km Skating
Herren, 15 km klassisch
Herren, 4x10 km Staffel
Herren, 30 km Skiathlon
Herren, 1,6 km Sprint Skating
Herren, Teamsprint klassisch

Nordische Kombination

Die nordische Kombination gilt als die Königsdisziplin im nordischen Skisport. Dabei werden, wie der Name bereits andeutet, Skispringen und Langlaufen kombiniert: Athleten müssen sowohl einen Bewerb auf der Schanze – allerdings meist nur einen Durchgang – als auch einen Bewerb auf der Loipe absolvieren. Heutzutage findet der Sprung- in der Regel vor dem Langlaufbewerb statt, es gibt aber auch Formate mit umgekehrter Reihenfolge.

Was die Ermittlung des Siegers betrifft, hat sich seit 1985 grundsätzlich die sogenannte Gundersen-Methode durchgesetzt, ein spezieller Startmodus für das Langlaufrennen, bei dem die Athleten zeitversetzt auf die Loipe gehen. Die Abstände zwischen den Läufern entsprechen dabei den Ergebnissen beim Springen: Je nachdem, wie groß die Punktedifferenz beim Skispringen war, dürfen die Athleten mit einem mehr oder weniger großen Zeitvorteil vor ihrem nächsten Konkurrenten auf die Loipe starten. Somit ist der erste Läufer im Ziel gleichzeitig der Gewinner der nordischen Kombination. Das ist insbesondere für Zuschauer um einiges spannender als der ursprüngliche Modus, bei dem der Sieger erst im Nachhinein anhand eines komplizierten Berechnungsschlüssels bestimmt wurde.

© Flo Taibon Photography

© Stefan Voitl

Bewerbe und Besonderheiten

Unterschiede zwischen den Bewerben ergeben sich vor allem aus der Schanzengröße und der Länge der Langlaufstrecken.

Bei der WM in Seefeld werden in der nordischen Kombination ausschließlich Wettkämpfe für Herren ausgetragen. Neben zwei Einzelbewerben – jeweils über zehn Kilometer Langlaufen, einmal mit einem Sprung von der Normal-, einmal mit einem Sprung von der Großschanze – gibt es auch noch einen Teambewerb und einen Teamsprint.

Im Teambewerb der nordischen Kombination treten vier Athleten pro Mannschaft an, von denen jeder zunächst einen Sprung von der Normalschanze absolvieren muss. Jenes Team, das dabei die meisten Punkte erzielt hat, startet mit entsprechendem Zeitvorsprung in den entscheidenden Staffellauf.

Der Teamsprint setzt sich wiederum aus einem Teambewerb im Skisprung und einem Teamsprint im Langlauf zusammen. Auch hier startet das aus zwei Athleten bestehende Team, das auf der Sprungschanze die meisten Punkte sammeln konnte, mit einem Zeitvorsprung in das Langlaufrennen.

Nordische-Kombination-Bewerbe bei der WM:
Einzel, 10 km, Normalschanze
Einzel, 10 km, Großschanze
Teambewerb, 4x5 km, Normalschanze
Teamsprint, 2x7,5 km, Großschanze

Mario Seidl über die Herausforderung der Nordischen Kombination

Wann und wo?

Vom 19. Februar bis zum 3. März 2019, der genaue Zeitplan findet sich hier.

Die Langlauf- und die Sprungbewerbe auf der Normalschanze finden in Seefeld statt, Schauplätze sind die Langlauf-Arena und die Toni-Seelos-Schanze. Die Sprungbewerbe auf der Großschanze werden in Innsbruck, auf der Bergiselschanze, ausgetragen.

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