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Immer Vollgas!

Radsporthoffnung aus Haiming

Immer Vollgas!

Die dreifache Junioren-Weltmeisterin Laura Stigger im Porträt

Text: Simon Leitner, Bild: Stefan Voitl

Nicht erst seit ihrem Sieg bei der letzten Straßenrad-WM in Innsbruck gilt die Haimingerin Laura Stigger als eine der größten Nachwuchshoffnungen im heimischen Radsport. Sport.tirol erzählt, wie die 18-Jährige zum Radfahren gekommen ist, was sie antreibt und was sie für die nähere Zukunft geplant hat.

Es war eine der größten Überraschungen der vergangenen Straßenrad-Weltmeisterschaften in Tirol: Nach einem denkbar engen Zielsprint überquerte Laura Stigger als Erste die Ziellinie und sicherte sich so, nur wenige Wochen nach ihrem Triumph bei der Junioren-Mountainbike-WM, auch bei den Straßenradfahrerinnen die Goldmedaille.

Aufgrund ihrer körperlichen Fähigkeiten und des Streckencharakters waren der jungen Haimingerin im Vorfeld zwar durchaus Chancen auf eine gute Platzierung eingeräumt worden, dass es letztendlich sogar zum Titel bei den Juniorinnen reichen würde, hatten aber wohl die wenigsten erwartet – schließlich war es für die ausgewiesene Mountainbike-Spezialistin erst ihr zweites Rennen auf dem Straßenrad überhaupt.

Laura Stigger zählt zu den vielversprechendsten Zukunftshoffnungen im heimischen Radsport. Seit heuer fährt die Haiminger Cross-Country-Spezialistin erstmals in der U23-Klasse mit.

Auch Laura selbst hatte nicht unbedingt mit so einem Ausgang gerechnet. Sie habe, wie sie sagt, einfach ihr Bestes geben wollen und sei deshalb relativ entspannt an das Rennen herangegangen. „Ich bin kurz zuvor die Mountainbike-WM in Lenzerheide gefahren, und dann stand schon die Straßenrad-WM an. Da hatte ich nicht viel Zeit zum Überlegen“, blickt die 18-Jährige zurück. „Meine Devise war halt, dass ich da wie dort treten muss. Und das hat dann ja auch ganz gut geklappt.“

Für Laura stellte der Sieg einen weiteren Höhepunkt in ihrer an Highlights nicht eben armen Karriere dar, wobei es ihr zufolge ein ganz besonders Gefühl gewesen sei, vor heimischem Publikum zu fahren. „Es war natürlich sehr speziell für mich, weil meine ganze Familie und alle meine Freunde live dabei waren“, so die Haimingerin. „Die lauten Anfeuerungsrufe an der Strecke haben mich natürlich zusätzlich motiviert. Es war einfach mega!“

Steile Karriere

Dass Laura mit nicht mal 18 Jahren schon über einen solch ordentlich gefüllten Trophäenschrank verfügen würde, konnte damals, als sie ihre ersten Runden mit dem Mountainbike drehte, freilich noch niemand erahnen. Ihre Liebe zum Sport wurde dabei gewissermaßen von den Kindern in Lauras Nachbarschaft geweckt. „Als kleines Mädchen habe ich den Nachbarsjungen beim Radfahren zugeschaut und wollte das dann unbedingt selbst mal ausprobieren“, erzählt die Tirolerin. „Mit sechs Jahren hat mir der Osterhase dann mein erstes Bike gebracht.“

Nicht lange danach fuhr sie schon bei ersten Wettkämpfen mit, wobei die positiven Ergebnisse und Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat, ihren Ehrgeiz weckten und in ihr den Wunsch reifen ließen, eine Laufbahn als Radfahrerin einzuschlagen. In ihrer Spezialdisziplin, dem Cross Country, holte sie seitdem eine ganze Reihe von Titeln, wurde unter anderem Weltcupsiegerin und zwei Jahre in Folge sowohl Europa- als auch Weltmeisterin bei den Juniorinnen.

Heuer ist Laura von der Junioren- in die U23-Klasse aufgestiegen, wodurch sie zum ersten Mal auch Rennen gegen Elite-Athletinnen bestreitet. Dort möchte sie sich nun etablieren, nicht zuletzt im Hinblick auf ihr nächstes großes Ziel, eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio. Und die junge Haimingerin scheint auf einem guten Weg zu sein: Erst vor wenigen Tagen wurde sie bei der U23-Mountainbike-WM im kanadischen Mont Sainte-Anne Vizeweltmeisterin.

Doppelte Belastung

Solche Erfolge stellen sich natürlich nicht von selbst ein – dahinter steckt viel Hingabe und vor allem hartes Training. Im Sommer absolviert Laura hauptsächlich Einheiten auf dem Rad, wobei diese fallweise durch Kraft- und Koordinationstraining ergänzt werden, im Winter unternimmt sie zudem viele Skitouren oder geht langlaufen. Wie oft sie im Allgemeinen trainiere, ließe sich aber nicht genau sagen. „Es hängt in erster Linie davon ab, wie der aktuelle Fitnesslevel ist und welche Rennen gerade anstehen“, erklärt die 18-Jährige. „Es gibt dann genaue Pläne von meinem Trainer, an die ich mich strikt halte.“ Ihr Trainer, das ist Rupert Scheiber, der Laura seit 2016 betreut – und zwar als Einziger. Da sie keinem professionellen Rennstall angehört, hält sich die Haimingerin ansonsten nämlich eigen- und selbstständig in Form.

Zu einem Großteil trainiert Laura auf dem Rad. Aber Kraft- und Koordinationseinheiten gehören ebenso dazu.

Eine der größten Herausforderungen dabei ist, die sportlichen Ambitionen mit schulischen Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Zwar werde am Innsbrucker Sport-BORG, das Laura besucht, diesbezüglich viel Rücksicht genommen, aber spätestens im kommenden Frühling könnte das Ganze deutlich komplizierter werden – dann steht nämlich die Matura an. „Das wird sicher anstrengend“, meint Laura. „Aber das bekomme ich schon hin.“

„Für mich ist es einfach ein Privileg, dass ich das, was ich am liebsten tue, intensiv betreiben kann. Ich genieße nach wie vor jede einzelne Fahrt.“
Laura Stigger

Sport, Schule und Freizeit – all das unter einen Hut zu bekommen, noch dazu in jungen Jahren, würde manch anderen wohl überfordern. Laura sei es bisher allerdings noch nie zu viel geworden, wie sie sagt, und auch das Radfahren mache ihr noch immer großen Spaß. „Für mich ist es einfach ein Privileg, dass ich das, was ich am liebsten tue, intensiv betreiben kann. Ich genieße nach wie vor jede einzelne Fahrt“, so die Nachwuchssportlerin, die getreu ihrem Motto „Olm volle!“ (was so viel bedeutet wie „Immer Vollgas!“) bei jedem Rennen an ihre Grenzen geht.

Starkes Umfeld

Abgesehen vom mitunter stressigen Leben als angehende Profiradfahrerin sei Laura jedoch ein „ganz normaler Teenager“, der jede freie Minute mit Freunden oder ihrer Familie verbringe. „Das sind meine beiden Ruhepole, die ich einfach nicht missen möchte“, sagt sie. Insbesondere mit ihrem Bruder Lars sei sie eng verbunden – auch wenn sie es ihm oftmals nicht leicht machen würde, wie sie schmunzelnd anmerkt.

Ungeachtet der vielen Zeit und Energie, die sie ins Radfahren investiert, sieht sich Laura selbst noch ein ganzes Stück von einer Profikarriere entfernt – wohl auch deshalb, weil sich ihr Alltag trotz der vielen Erfolge bisher nicht wirklich geändert habe. „Natürlich werde ich durch die mediale Präsenz inzwischen hie und da erkannt. Aber es ist jetzt nicht so, dass den ganzen Tag Autogrammjäger hinter mir her sind“, berichtet die 18-Jährige.

Zu ihrem Bruder Lars pflegt Laura ein enges Verhältnis.

Dass sie auf dem Boden bleibt, dafür sorgt nicht zuletzt ihr Umfeld, allen voran ihre Familie und ihr Trainer, die ihr dabei helfen, sich auf die jeweils nächste Herausforderung zu fokussieren – ganz egal, ob diese nun sportlicher oder schulischer Natur sein sollte. Und auch wenn sie langfristig eine Laufbahn als professionelle Radfahrerin anstrebt, so weiß Laura, dass es im Leben noch anderes gibt. „Für mich ist es jetzt mal am wichtigsten, die Matura zu machen, um eine gute Ausbildung zu haben“, erklärt sie. „Jeder weiß schließlich, wie schnell es im Sport auch mal vorbei sein kann.“ In welche Richtung sie sich danach orientieren wird, weiß Laura dagegen im Moment noch nicht. Erst mal gelte es zu klären, was sich am besten mit einer sportlichen Karriere verbinden lasse. „Und dann“, so die Haimingerin, „schauen wir weiter.“

Wordrap

Was magst du an deinem Sport am liebsten?
Dass ich mich in der wunderbaren Natur körperlich betätigen kann. Und dass ich durch die vielen Reisen viele Länder und Menschen kennenlerne, das erweitert den Horizont.


Was war für dich dein bisher größter Erfolg?
Das ist schwer zu sagen, jeder einzelne Sieg hatte etwas Besonderes. Aber die Wahrnehmung nach außen war bei der Straßenrad-WM daheim sicher am größten.


Wer ist dein größtes Vorbild?
Sportlich waren das immer Lisi Osl aus Kirchberg und Jolanda Neff aus der Schweiz – zwei ganz tolle und faire Athletinnen.


Was würdest du machen, wenn du keine Radfahrerin wärst?
Oh, das ist eine schwere Frage. Ich würde wohl eine andere Sportart betreiben. Aber ich bleibe schon gerne beim Mountainbiken.

Zur Person
Laura Stigger (geboren am 25. September 2000 in Innsbruck)  ist eine österreichische Radsportlerin, die sich auf Cross Country spezialisiert hat. In dieser Disziplin wurde sie unter anderem jeweils zweimal Junioren-Europa- und Junioren-Weltmeisterin, 2018 holte sie sich darüber hinaus auch bei der UCI Straßenrad-WM in Tirol Gold im Juniorenbewerb sowie Silber bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires (gemeinsam mit ihrer Partnerin Hannah Streicher). 2019 wurde sie als Österreichs Radsportlerin des Jahres ausgezeichnet.

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