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Turnier mit Tradition

Generali Open Kitzbühel 2019

Turnier mit Tradition

Über die Geschichte und Entwicklung des bekanntesten Tiroler Tenniswettkampfs

Text: Simon Leitner, Bild: Archiv Generali Open Kitzbühel

Vom 27. Juli bis zum 3. August wird in Kitzbühel wieder Tennis auf höchstem Niveau gespielt. Zur diesjährigen Ausgabe des geschichtsträchtigen Turniers informiert sport.tirol über die Entwicklung und Historie des heutigen Generali Open.

Die meisten Sportfans verbinden Kitzbühel wohl in erster Linie mit dem legendären Skirennen auf dem Hahnenkamm. Mit dem jährlich ausgetragenen Generali Open gibt es in der Stadt allerdings auch im Sommer ein echtes sportliches Highlight: Als fixer Bestandteil der ATP Tour lockt das Tennisturnier nämlich jedes Jahr aufs Neue sowohl etablierte Sandplatzspieler als auch junge Talente nach Kitzbühel. Die Anfänge der Veranstaltung gehen zurück bis in die 50er Jahre – damit gilt sie als eines der traditionsreichsten Tennisturniere Europas.

Lange Geschichte

Entstanden ist der Wettkampf 1945 als sogenannter Alpenländerpokal, wie Alexander Russegger, der im Auftrag des Kitzbüheler Tennisclubs (KTC) die Geschichte des Turniers aufarbeitet, erklärt. Treibende Kraft sei dabei ein gebürtiger Innsbrucker namens Walter Föger gewesen – ein begeisterter Tennisspieler, der damals zwei amerikanische Soldaten bei einer Partie Tennis vor einem Kitzbüheler Hotel angetroffen und spontan gefragt habe, ob er nicht mitspielen dürfe. „Föger hat sich damit über das zu jener Zeit herrschende Fraternisierungsverbot, das den Kontakt zwischen Einheimischen und den Besatzungsmächten untersagte, hinweggesetzt“, erläutert Russegger. „Doch die Amerikaner waren froh um einen zusätzlichen Partner, und Föger hat sich fast täglich mit ihnen auf dem Platz getroffen.“

Kurze Zeit später jedoch übergaben die amerikanischen Streitkräfte das Unterland an die Franzosen und rückten nach Salzburg ab, wodurch Föger seine Tennispartner verlor. Um diesen Verlust zu kompensieren, beschloss er kurzerhand, ein Tennisturnier ins Leben zu rufen – den allerersten Alpenländerpokal. „Interessant ist, dass die Amerikaner damals zwar schon nicht mehr in Tirol waren, aber trotzdem extra zum Turnier angereist sind“, so Russegger. Sie stellten dann auch den Sieger: Ein Soldat namens John Dennis setzte sich im Finale gegen den Deutsch-Rumänen Horst von Benedek durch. Föger selbst wurde Dritter.

Walter Föger traf sich unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg regelmäßig mit amerikanischen Soldaten zum Tennisspielen. Kurze Zeit später organisierte er den ersten internationalen Alpenländerpokal in Kitzbühel.

Die Organisation des Wettkampfs gestaltete sich damals als überaus schwierig, schließlich lag der Zweite Weltkrieg erst wenige Monate zurück. Die benötigten Sportgeräte und Gerätschaften mussten erst mühsam zusammengetragen werden, wobei Fögers Familie zum Teil auch selbst Hand anlegte, und zwar buchstäblich: Während etwa die Schwester Fögers eigens nach Salzburg reiste, um drei Tennisbälle zu besorgen, häkelte seine Mutter in mühevoller Kleinarbeit ein improvisiertes Netz. Auch im Hinblick auf Schläger war man auf das angewiesen, was im Ort vorhanden war – man musste nehmen, was man kriegen konnte. Ein Jahr später organisierte Föger das Turnier erneut, dann zog er jedoch aus Kitzbühel weg und war fortan nur noch als Spieler mit dabei.

Obwohl der Alpenländerpokal in gewissem Sinne als Vorläufer des heutigen Generali Open angesehen wird, könnten die eigentlichen Ursprünge noch um einiges weiter zurückreichen. Das legen zumindest Dokumente nahe, die sich im Archiv des KTC befinden, etwa ein Originalraster aus dem Jahr 1912, auf dem „8. Lawn-Tennis-Turnier“ vermerkt ist. Aufgrund solcher Unterlagen geht man in Kitzbühel davon aus, dass es bereits um 1900 internationale Turniere mit zahlendem Publikum in der Stadt gegeben hat. Da die Zeugnisse aus jener Zeit jedoch insgesamt nur recht spärlich vorhanden bzw. noch nicht gänzlich erforscht seien, ließen sich derzeit keine gesicherten Schlüsse dazu ziehen, so Russegger.

Fest steht jedenfalls, dass der Alpenländerpokal von Beginn an ein Turnier mit internationaler Besetzung und auch in der Folge eine Gelegenheit für die heimischen Tennisasse darstellte, sich mit anderen, vornehmlich europäischen Topspielern zu messen. Vor allem in den Anfangsjahren, aber auch später fanden zudem immer wieder Länderwettkämpfe statt. Einer der am besten besetzten in jüngerer Vergangenheit war jener zwischen Österreich und Deutschland im Jahr 2010, bei dem unter anderem Thomas Muster und Boris Becker jeweils für ihr Team antraten.

Kitzbühel, 1993

Thomas Muster gewinnt als bisher letzter österreichischer Tennisspieler das Turnier.

Auf und ab

Im Laufe der Zeit hat der ursprüngliche Alpenländerpokal einige Entwicklungen durchgemacht. So hat sich etwa der Name des Wettkampfs in der Vergangenheit mehrfach geändert, vom Alpenländerpokal zum Head Cup und schließlich zum Generali Open. Unabhängig von der Bezeichnung war die Veranstaltung in Kitzbühel aber lange ein Fixtermin auf der ATP Tour (bzw. dren Vorgänger, dem Grand Prix), 1997 wurde es von den Spielern sogar zum besten Turnier der World Series gewählt. 2009 gab es allerdings einen Dämpfer für die Organisatoren: Im Zuge einer Reform der ATP, die mit einer Reduktion der Turniere bei gleichzeitiger Erhöhung der Preisgelder einherging, und des damit zusammenhängenden Verlusts der zur Ausrichtung nötigen Lizenz musste man sich neu orientieren. 2010 trug man deshalb ein Challenger-Turnier mit dem bereits erwähnten Länderwettkampf zwischen Österreich und Deutschland aus, das eine Stufe unter den großen ATP-Turnieren anzusiedeln ist.

„Aus finanzieller Sicht war das Challenger-Turnier ein absolutes Desaster“, erinnert sich Markus Bodner, der seit 2010 gemeinsam mit Herbert Günther als Veranstalter des Generali Open fungiert. Deswegen habe man, als man im Herbst desselben Jahres eine neue Lizenz angeboten bekam, erst mal etwas Bedenkzeit gebraucht. „Die Entscheidung war nicht leicht, schließlich hatten wir gerade erst einen Haufen Schulden gemacht. Aber dann haben wir mithilfe eines Sponsors quasi im letzten Moment das nötige Geld aufgetrieben und das Turnier seit damals gewissermaßen wieder von Grund auf aufgebaut“, so Bodner.

Das Jahr 2010 war jedoch auch in einer anderen Hinsicht wegweisend für das heutige Generali Open: Beim Challenger-Turnier spielte nämlich, mit 16 Jahren, zum ersten Mal ein gewisser Dominic Thiem mit, der später einer der besten Spieler der Welt werden sollte. „Wir hatten damals noch eine Wildcard übrig, also haben wir Dominics Coach Günter Bresnik angerufen und ihn gefragt, ob Dominic seiner Meinung nach schon bereit für ein Turnier dieses Kalibers sei“, erzählt Bodner. „Seitdem haben wir einen guten Kontakt zu den beiden.“ Das beweist unter anderem der Umstand, dass Thiem regelmäßig in Kitzbühel spielt und damit seit einigen Jahren das Aushängeschild des Generali Open ist. Und auch heuer zählt der Finalist der diesjährigen French Open zu den großen Favoriten in der Gamsstadt.

Weltklasse in Kitzbühel

Rod Laver, Ivan Lendl, Boris Becker oder eben auch Dominic Thiem – das sind nur einige der großen Namen im Tennis, die über die Jahre in Kitzbühel aufgeschlagen haben. Ihnen ist dabei eines gemein: Keiner der genannten hat es (bisher) geschafft, das Turnier zu gewinnen. Das zeigt, dass das Niveau stets hoch und ein Sieg in Kitzbühel auch für gestandene Profis kein Selbstläufer ist.

Besonders schmerzlich erfahren musste dies Boris Becker, der 1985 als Wimbledon-Sieger nach Tirol anreiste und sich bereits in der ersten Runde dem Uruguayer Diego Pérez geschlagen geben musste – und das gewissermaßen gleich zweimal, wie Bodner erzählt: „Die Umstände damals sind Becker nicht wirklich entgegengekommen. Die Begegnung fand am Abend statt, es nieselte ununterbrochen und der Boden war feucht, weshalb Becker seine Stärken als Serve-and-Volleyspieler nicht ausspielen konnte.“ Der Deutsche hatte massive Probleme gegen Pérez, bis das Match, offiziell aufgrund der äußeren Gegebenheiten, abgebrochen und auf den nächsten Tag verlegt wurde – sehr zum Missfallen des Publikums. „Die Zuschauer sind ausgeflippt und haben sogar Gegenstände reingeworfen, es war wirklich ein Skandalspiel“, berichtet Bodner. „Doch Becker hat am nächsten Tag trotzdem ganz klar verloren.“

Auch wenn das Turnier im Vergleich zu den 50ern und 60ern, als die Weltelite regelmäßig in Kitzbühel zu Gast war, nicht mehr zu den ganz großen im Tennisgeschäft zählt, übt es doch noch eine starke Anziehung auf viele Athleten aus. Ein Grund dafür ist die lange Tradition, ein anderer das Umfeld. Im Gegensatz zu manch anderem Turnier, so Bodner, liege in Kitzbühel nämlich alles nahe beisammen, die Spieler könnten das Stadion meist locker zu Fuß erreichen und auch abseits des Tennisgeschehens einiges erleben. Das mache es vor allem bei europäischen Spielern über 30 beliebt, die eine Turnierteilnahme gerne mal mit einem Familienurlaub in der Region verbänden.

Die Stimmung bei den Matches sei jedenfalls erstklassig, meint Bodner, ganz egal, wer nun letztendlich auf dem Platz stünde. Das habe vor allem die letztjährige Finalpartie zwischen Martin Kližan und Dennis Istomin bewiesen, zwei Spielern, die damals wohl den wenigsten Zuschauern bekannt gewesen sein dürften. „Allein von den Namen her war es nicht unbedingt ein Traumfinale“, gibt Bodner zu. „Aber dem Publikum war das ganz egal, das Stadion war komplett voll und hat geradezu gebebt, als Stefan Steinacher die beiden Athleten vorgestellt hat. Das war ein richtiger Gänsehautmoment und für mich auch der schönste Moment in meiner bisherigen Geschichte mit dem Turnier. Da weiß man nämlich als Veranstalter, dass sich die ganze Mühe lohnt.“

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