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Laura will mehr

UCI Straßenrad-WM 2018

Laura will mehr

Zuerst holte Laura Stigger Gold bei der Mountainbike-WM, jetzt geht's zur Straßen-Rad-WM.

Text: Eva Schwienbacher, Bild: Johannes Mair / Alpsolut

Vor kurzem holte sich Laura Stigger bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften ihren zweiten Junioren-Weltmeistertitel. Jetzt geht die Tirolerin erneut bei einer WM an den Start, bei der Straßenrad-WM in Innsbruck-Tirol. Über die Erfolge und Ziele der talentierten Radsportlerin und warum diese Heim-WM auch eine für Mountainbikerinnen ist.

Wenn Laura Stigger auf ihr Mountainbike steigt, verwandelt sich ihr sonst so schüchternes Lächeln in ein Strahlen. Auf zwei Rädern fühlt sich die 17-jährige Tirolerin sichtlich wohl. Ihre Königsdisziplin ist Cross-Country. In dieser Disziplin hat sich die Mountainbikerin vor Kurzem einen Traum erfüllt: Bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften in Lenzerheide in der Schweiz hat sie ihren Titel als Junioren-Weltmeisterin erfolgreich verteidigt. 

Wie bereits in der vergangenen Saison, in der die Mountainbikerin zum ersten Mal Junioren-Weltmeisterin wurde, Gesamtsiegerin in der UCI-Junior-Serie und Europameisterin, ist Laura heuer sehr erfolgreich. So erkämpfte sie sich zum Beispiel mit einem Start-Ziel-Sieg bei den Nachwuchs-Mountainbike-Europameisterschaften in Graz/Stattegg ihren fünften Europameistertitel in fünf Jahren. Für Laura läuft es. Und sie will mehr.

Ein Monat – zwei Weltmeisterschaften

Auf ihrer Heim-Trainingsstrecke, die kreuz und quer durch den Wald bei Ötztal Bahnhof führt, und auf der Laura regelmäßig anzutreffen ist, hat die ehrgeizige Athletin bereits zig Kilometer abgespult. Auch an diesem Sommertag ist sie hier mit ihrem Mountainbike unterwegs. Unterm Jahr trainiert sie zirka zehn Stunden pro Woche. Die Stundeneinteilung am Oberstufenrealgymnasium für Leistungssportler in Innsbruck ermöglicht es ihr, Schule und Sport zu vereinbaren. Im Winter baut Laura Skitouren und Langlaufen in ihr Training ein. Wenn es warm wird, steigt sie aufs Rad um. 

Motiviert durch ihre Erfolge und die Tatsache, eine Straßenrad-WM direkt vor der Haustür vorzufinden, hat sich die talentierte Sportlerin für diesen Herbst noch etwas Spezielles vorgenommen. Nur wenige Tage nach ihrer Siegesfahrt in der Schweiz wird sie die breiten Reifen gegen schmale eintauschen und bei der Straßenrad-WM in Innsbruck-Tirol um das Regenbogentrikot im Straßenrennen mitfahren. Die Haimingerin sicherte sich nämlich einen Startplatz für das Straßenrennen der Juniorinnen, das am 27. September von Rattenberg nach Innsbruck führt. Die Freude über die Nominierung ist riesig.

Laura Stigger, Mountainbikerin 

„Treten muss man bei beiden Sportarten."

„Es kommt nicht oft vor, dass eine Straßenrad-WM vor der Haustüre stattfindet. Da ist es natürlich etwas Besonderes, dabei zu sein“, sagt Laura. Bereits seit einem Jahr wird Lauras Name immer wieder in Verbindung mit der Straßenrad-WM in Innsbruck-Tirol genannt. Ob der erfolgreichen Saison im Jahr 2017 galt sie als heiße Kandidatin. Schließlich erteilte man ihr die fixe Zusage.

Von Waldboden auf Asphalt

Muss die Mountainbikerin, die es gewohnt ist, über Wurzeln, Stock und Stein zu fahren, spezifisch aufs Rennen auf der Straße trainieren? Sie sagt: Nein. „Die Vorbereitungen auf die Mountainbike-Rennen dienen auch der Vorbereitung für die Straßenrad-Weltmeisterschaft“, zeigt sich Laura gelassen. Auf ihrem Trainingsplan als Mountainbikerin stünden viele Ausdauer- und Technikeinheiten. Und es sei ein Vorteil, als Cross-Country-Spezialistin technisch gut drauf zu sein. Darüber hinaus würden die Strecken bei der Heim-WM Mountainbikern liegen. „Das Streckenprofil besteht aus außergewöhnlich vielen steilen Anstiegen, das kommt uns Bikern zugute. So steil ist es im Straßenradsport nicht oft, beim Biken aber doch.“

Darüber hinaus ist die Straße kein Neuland für sie. „Gerade während der Trainingslager im Winter legen wir als Mountainbiker auch sehr viele Kilometer am Rennrad zurück. So kann ich ideal meine Grenzen ausloten und mich weiter pushen.“ Außerdem findet Laura, dass die Sportarten gar nicht so verschieden sind: „Treten muss man bei beiden Sportarten. Biken ist eher technisch, während Rennradfahren taktischer ist. Da zählen die Erfahrungen.“ Diese konnte die Athletin bei Straßenradrennen bereits sammeln, etwa in dieser Saison beim Nations’ Cup in Italien, bei dem sie als einzige Österreicherin ins Ziel gekommen ist. 

So außergewöhnlich es auch klingen mag, eine Mountainbikerin unter den Starterinnen bei der Straßenrad-WM zu haben, so ist es doch keine Seltenheit. Der Weg einiger bekannter und erfolgreicher Rennradfahrer führte übers Mountainbiken zum Straßenradsport. Auch der amtierende Straßenweltmeister Peter Sagan aus der Slowakei begann seine Radkarriere auf dicken Reifen. 

Mountainbikerin im Herzen

Ein definitiver Umstieg kommt für Laura Stigger allerdings im Moment nicht infrage. „Sie ist und bleibt eine Mountainbikerin“, sagt etwa ihr Medienbetreuer Peter Leitner über sie. Und auch sie selbst schätzt das, was ihr die breitere Bereifung ermöglicht: „Ich liebe es, in der Natur zu sein, über alle möglichen Hindernisse zu fahren, wie Wurzeln und Steine.“ Außerdem mag sie es, wenn sie sich ab und zu so richtig quälen kann. Dann ist es egal, ob sie auf dem Rennrad oder dem Mountainbike sitzt. 

Das Wichtigste für Laura Stigger ist es nun, gesund und verletzungsfrei zu bleiben. Denn für die Zukunft hat sie sich weitere hohe Ziele gesteckt, etwa die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Tokio 2020. Zudem kann sie es sich vorstellen, nach Abschluss der Schule ein Studium zu beginnen und als Heeressportlerin weiterhin ihren Sport auszuüben. Dabei lautet Lauras Motto: „Spaß daran haben, was man macht, und ehrgeizig sein, damit man das, was man sich in den Kopf gesetzt hat, erreichen kann.“ Vieles hat die Athletin in ihren jungen Jahren bereits erreicht – und was bei der Heim-WM für sie rausschaut, wird sich in Kürze zeigen. Da will Laura jedenfalls noch einmal richtig Gas geben. 

Die Tiroler Mountainbikerin Laura Stigger will bei der Rad-WM Gas geben.

Expa/Innsbruck-Tirol Rad WM 2018 GmbH (3)

Laura Stigger erblickte am 25. September 2000 in Innsbruck das Licht der Welt. Mit sieben Jahren kam die Haimingerin durch die Nachbarskinder, die auch vereinsmäßig fuhren, zum Radsport. Damals begeisterte sie, wie sehr diese Spaß am Radfahren hatten, und wollte es selbst ausprobieren. Bald darauf fuhr sie ihr erstes Rennen. Seither ist sie in der Mountainbike-Disziplin Cross-Country zu Hause und regelmäßig auf dem Podest. 2017 gewann sie die Junioren-Weltmeisterschaft, die Junioren-Europameisterschaft, den Juniors Weltcup und weitere Saisonrennen. Und auch 2018 war sie sehr erfolgreich und kürte sich erneut zur Junioren-Weltmeisterin und -Europameisterin. Außerdem qualifizierte sich Laura für die UCI Straßenrad-WM in Innsbruck Tirol. Ihr gilt es am 27. September beim Straßenrennen der Juniorinnen die Daumen zu drücken.  

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