Fünf-Sterne-Stadion Hochfilzen

Biathlon Hochfilzen

Fünf-Sterne-Stadion Hochfilzen

Wo die Weltspitze um Medaillen jagt.

Tirol ist bereit für die Biathlon-Saison.

 Bild: Manfred Jarisch

Der Countdown zur Biathlon-Weltcup-Doppelveranstaltung in Hochfilzen läuft. Das hochmoderne Stadion wurde 2017 im Rahmen der WM auf Hochglanz gebracht. Franz Berger, der „Chef“ des Hauses, hat führte Sport.Tirol damals durch die modernisierte Anlage.

Hinweis: Dieser Beitrag wurde im Rahmen der IBU Biathlon WM 2017 verfasst.

Die Vorbereitungen zur Biathlon-Weltcup-Doppelveranstaltung in Hochfilzen ist reibungslos abgelaufen. Mit ausschlaggebend dafür war nebst einem routinierten Team unter der Leitung von Mister Biathlon Franz Berger die Tatsache, dass sich das Sportleistungszentrum in der Pillerseegemeinde seit den Weltmeisterschaften  2017 sozusagen in Hochform präsentiert.

Eine topmoderne Anlage, die höchsten Anforderungen und zwar in jeder Beziehung – für Sportler, Medien, Zuschauer - gerecht zu werden vermag. Was auch dadurch untermauert wird, dass die IBU (Biathlon-Weltverband) neben dem ursprünglich für 11. – 13. Dezember geplanten Weltcup auch die für Annecy-Le-Grand in Frankreich (17.-20. Dezember) vorgesehenen Bewerbe im schmucken WM-Biathlonstadion in Hochfilzen ausrichtet. 

Das Stadion in Hochfilzen wurde 2017 im Rahmen der WM auf Hochglanz gebracht.

Perfekte Bedingungen für den Spitzensport.

Die Pillerseetal-Gemeinde hat 2012 den Zuschlag für die Biathlon-WM 2017 erhalten. Zu diesem Anlass ließ man ein neues Sportleistungszentrum entstehen, das beste Trainings- und Wettkampfbedingungen für Langläufer, Biathleten und andere Sportler bietet sowie Platz für tausende Fans.

„Mister Biathlon“

Franz Berger ist Chef des Organisationskomitees (OK). Er wird in manchen Kreisen „Mister Biathlon“ genannt und gilt für viele als der Vater des Biathlonsports in Österreich. Seit 1974 ist der 63-jährige Vizeleutnant beim Bundesheer, seit 1979 widmet er sein Leben als Präsident des Heeressportvereins Hochfilzen dem Kombinationssport. Seither ist dieses Areal sein Arbeitsplatz. 

Bestehendes und Neues

Unter anderem investierte man in eine sichere Anreise, erzählt der OK-Chef. „Wir wollten die Verkehrssituation bei Großevents verbessern und ließen daher einen zweiten Weg für Zuschauer bauen. Dieser führt hinterm Bahnhof über die Magnesitstraße zum Stadion. Bisher teilte man sich als Fußgänger den Weg mit den Fahrzeugen, aber bei tausenden Fans war einfach zu viel los.“

Hinzu kommen die Erweiterung des Hauptgebäudes mit dem Zielhaus und der VIP-Tribüne, die Errichtung einer neuen Indoor-Schießanlage sowie das neue Service- und Teamgebäude – das sogenannte Waldlager, welches auch dem Bundesheer dient. Das Tirol Haus, das es schon immer gab, wird während der WM vom großen VIP-Zelt überdacht. 

Präzision perfektionieren

Im Hauptgebäude, das Berger besonders stolz präsentiert, sind nun Büros für das OK-Team und internationale Funktionäre sowie während der Wettkämpfe auch die Zeitnehmung untergebracht. Es grenzt unmittelbar an den Zieleinlauf an und bietet direkten Blick auf den Schießstand und die Strafrunde. Nicht ohne Grund plante man hier die VIP-Tribüne für 800 Ehrengäste ein. Im zweiten Stock des Baus befinden sich 13 Kabinen für Reporter, die die Rennen von Tirol in die Welt hinaustragen. 

Gleich nebenan wurde das zweite Herzstück errichtet: Die überdachte Schießhalle mit vier Kleinkaliberschießbahnen, die während Großereignissen zum Medienzentrum umfunktioniert wird. Hier zeigt der ehemalige Biathlet Ludwig Gredler, der nun als Assistenztrainer der Männergruppe im ÖSV tätig ist, was trainingstechnisch alles möglich ist. „Die Infrastruktur in Hochfilzen war immer schon sehr gut, doch jetzt ist sie ausgezeichnet“, sagt der Tiroler. „In diesem Punkt können wir bestimmt mit den führenden Biathlonnationen mithalten.“

Ludwig Gredler

„Die Infrastruktur in Hochfilzen war immer schon sehr gut, doch jetzt ist sie ausgezeichnet. In diesem Punkt können wir bestimmt mit den führenden Biathlonnationen mithalten.“

 David Komatz aus dem Nationalkader mit Assistenztrainer Ludwig Gredler

Beispielhaft dafür ist die Möglichkeit, in dieser Halle die Präzision beim Schießen zu perfektionieren. „Hier können die Athleten bei Null-Bedingungen, also geschützt vor Wind und Wetter, das Schießen üben und an Schwachstellen feilen. Das Trefferbild wird über einen Monitor angezeigt“, erklärt Gredler. Die Anlage ist zudem direkt über die Skirollerstrecke erreichbar, sodass ein Techniktraining auch unter Belastung möglich ist.

Rennsituation simulieren

In einem Raum gleich nebenan befindet sich ein weiteres Hightech-Gerät, das Sportlerherzen höher schlagen lässt: ein vier Meter langes und drei Meter breites Laufband. Darauf können sich die Athleten auf die WM-Strecke ebenso vorbereiten wie auf die Olympiastrecke in Pyeongchang, erklärt Gredler. „Wir können unterschiedliche Streckenprofile einprogrammieren und über einen Monitor den Verlauf der Strecke einblenden. Auf Skirollern fahren die Sportler Anstiege, Flachstücke und Abfahrten nach.“ Das Riesenlaufband dient durch die Visualisierung nicht nur zur physischen, sondern auch zur mentalen Vorbereitung. Bei Bedarf werden auch Leistungstests durchgeführt.

Tiefe Temperaturen 

Auch einen Blick in die neue Kältekammer gewährt Berger. Im Moment ist sie außer Betrieb und es würde Stunden dauern, sie abzukühlen. Immer wieder aber wird hier Munition getestet. „Neben der Ausdauer und Technik spielt im Biathlonsport auch das Material eine Schlüsselrolle. Bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad gehen Biathleten im internationalen Wettkampf an den Start. Die Kälte verlangt nicht nur den Sportlerkörpern alles ab“, erklärt der OK-Chef. „Auch die Gewehre und die Munition reagieren auf die Minusgrade. Greift man zur falschen Munition, kann die Treffsicherheit darunter leiden.“ Eine genaue Abstimmung ist daher für das Rennen um Gold, Silber und Bronze unverzichtbar. 

Von der Kältekammer gelangt man über einen unterirdischen Gang ins Service- und Teamgebäude – hätte man keinen Guide dabei, wäre man schnell verloren. Hier befinden sich unter anderem 30 Wachskabinen, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. So gibt es etwa ein ausgeklügeltes Abluftsystem, das die giftigen Dämpfe, die beim Wachsen entstehen, absaugt. Der Servicebereich ersetzt die zahlreichen Container, die bisher bei Großveranstaltungen angemietet wurden. „Jetzt haben wir Fünf-Sterne-Wachskabinen“, lacht Berger. 

Letzte Station sind schließlich die 30 Unterkünfte, die Athleten bei mehrtägigen Trainingskursen und internationalen Teams bei Großevents zur Verfügung stehen. „Generell war es uns wichtig, eine nachhaltige Lösung zu finden, damit die Infrastruktur auch noch nach der WM verwendet wird“, sagt Berger, bevor er sich verabschiedet. „Das ist uns mit der Errichtung der Trainingsmöglichkeiten gelungen.“ 

Biathlon WM 2017 in Zahlen:
Zuschauer-Kapazität: Tribüne (10.500 Plätze), Strecke (10.000), VIP-Tribüne/VIP-Zelt (1.000)
Zuschauer: 150.000 Besucher
WM-Facts: 260 Athleten aus 40 Nationen sowie 300 Offizielle/Betreuer.
Medien: Ca. 350 akkreditierte Medienvertreter.
• 25 TV-Stationen berichteten Live aus Hochfilzen.
Investitionen: 21 Millionen Euro (5 Mio. Land, 6 Mio Sportministerium und 10 Verteidigungsministerium)

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