Tennis in Tirol

Tennis Geschichte

Tennis in Tirol

Ein Blick in Tirols Tennisvergangenheit.

Text: Rosanna Battisti 
Titelfoto: Hofphotograph, Innsbruck

Innsbruck ist Austragungsort des Davis Cups 2021! Nicht nur die optimale Höhenlage von 575 Höhenmetern gab der Hauptstadt der Alpen den Zuschlag. Denn Innsbruck-Tirol hat Sportveranstaltungs-Expertise und eine erzählenswerte Tennis Geschichte.

Innsbruck als Austragungsort

Ausgewählt wurde Innsbruck als Austragungsort unter anderem aufgrund der optimalen Höhenlage von knapp 575 Metern Seehöhe: Weil der Ball je nach Höhenlage ein anderes Absprungverhalten aufweist, wurde ein Turnierort mit ähnlicher Höhenlage wie Madrid gewählt. In der spanischen Hauptstadt finden im Anschluss an das Innsbrucker Turnier die Halbfinali und das Davis Cup-Endspiel statt.  

Zudem kann Innsbruck mit der Olympiaworld eine ideale Infrastruktur für den Davis Cup vorweisen. Ursprünglich als Eisstadion für die Olympischen Winterspiele 1964 gebaut, ist die Olympiahalle heute eine moderne Sport- und Mehrzweckhalle. Hier haben je nach Veranstaltung bis zu 12.000 Besucher:innen Platz.  

Die Olympiahalle Innsbruck bietet den perfekten Rahmen für Sportevents. (c) GEPA

Tennis in Tirol: Rückblick

Tirol hat eine lange Tennis-Geschichte. Um die Jahrhundertwende (1900) wurde bereits in noblen Kurorten wie Meran Tennis gespielt – Gäste aus dem Ausland hatten den Sport in diesen Orten eingeführt. Der Trend erreichte auch Innsbruck: Unter anderem in hohen Militärkreisen war Tennis ein beliebter, sportlicher Zeitvertreib. Deshalb gab es um die Jahrhundertwende den ersten Tennisplatz in Innsbruck vor dem Casino der Kaiserjäger am Bergisel.

1904 gründete der IEV - der Innsbrucker Eislaufverein - eine Tennissektion in Innsbruck. Damit wollte man vor allem auch die eisfreie Zeit überbrücken. Im gleichen Jahr wurden in der Innsbrucker Falkstraße vier Tennisplätze errichtet und der IEV war die erste Heimstätte für Tennisbegeisterte in der Tiroler Landeshauptstadt. 

Ebenfalls um die Jahrhundertwende entstanden bei Hotels oder Pensionen im ganzen Land an die 50 Tennisplätze, die in erster Linie den Hausgästen zur Verfügung standen. Auch Fremdenverkehrs- und Verschönerungsvereine errichteten gut ein Dutzend Tennisplätze.

Im Mai 1951 wurde schließlich der Tiroler Tennisverband gegründet: Hier waren besonders die Tiroler Traditionsvereine Tennisklub IEV, TSV Hall, TC Kitzbühel, TC Wörgl, TC Mayrhofen und TC Kufstein involviert. Sie einte seit 1950 der Wunsch nach einer gemeinsamen Liga, nach Wettkämpfen zwischen den damals registrierten Vereinen.  

Die darauffolgenden Jahrzehnte entwickelte sich der Tennissport in Tirol vom erst elitären zum Volkssport und in praktisch allen Tiroler Gemeinden wurden Tennisplätze errichtet. 2021 darf sich der Tiroler Tennisverband über einen neuen Mitgliederrekord von über 21.000 registrierten Mitgliedern freuen.

Erster internationaler Alpenländerpokal in Kitzbühel.

Turniergeschichte in Tirol: Kitzbühel

Eines der ersten Tennisturniere in Tirol fand bereits 1904 in Kitzbühel statt. 41 Jahre später, im Jahr 1945, war die Gamsstadt dann Austragungsort des „Alpenländer Pokal“, dem ersten internationalen Turnier des Landes.

Seit diesen Anfängen sind 77 Jahre vergangen – und in der Zwischenzeit hat beinahe jeder, der im Herrentennis Rang und Namen hat, schon einmal im Kitzbüheler Tennisstadion gastiert: Aus dem Alpenländer Pokal wurde im Jahr 1971 der Head Cup Kitzbühel mit einem Preisgeld von 25.000 US-Dollar. Der Head Cup (in Folge auch Philips Head Cup genannt) etablierte sich als Fixveranstaltung im „Grand Prix“-Zirkus.

Seit 1990, als Profispieler und Veranstalter die ATP gründeten und die ATP-Tour ab 1991 den „Grand Prix“ ersetzte, war Kitzbühel mit eigener Lizenz dabei. Ab dieser Zeit stieg der Tiroler Ort in den Tennis-Olymp auf: Beim Turnier im Jahr 2002 (mittlerweile als „Generali Open“ bezeichnet) betrug das Preisgeld eine Million US-Dollar und das Turnier wurde zum zweiten Mal nach 1997 von den ATP-Profis zum bestorganisierten Turnier in der International Series Gold gewählt.

Bis 2008 wurde in Kitzbühel das ATP-Turnier in dieser Kategorie ausgetragen, dann folgte eine Neuorientierung und die einmalige Ausrichtung des Challenger-Turniers „Austrian Open“. 2011 kehrte die ATP World Tour wieder zurück nach Kitzbühel: Seitdem dürfen sich bis zahlreiche Besucher im Kitzbüheler Tennisstadion und tausende Fernsehzuseher wieder über Spitzen-Matches im Schatten des Wilden Kaisers freuen. 

Dominik Thiem lässt zu seinem Sieg in Kitzbühel 2019 die Korken knallen. (c) GEPA

Unvergessen bleiben die großen Tennismomente: Der Auftritt der Wimbledonsieger Boris Becker und Pete Sampras in Kitzbühel sowie die großen österreichischen Siege von Thomas Muster 1993 und Dominic Thiem 2019.  

Thomas Muster mit dem Siegerpokal 1993 in Kitzbühel. (c) Generali Open Kitzbühel 

Einladungsturnier Tennis Trophy in St. Anton am Arlberg

Nicht nur in Kitzbühel, auch in St. Anton am Arlberg, waren bereits große Namen der Tennisszene zu Gast: 21 Mal fand in dem berühmten Skiort ab 1988 ein Einladungsturnier statt – Superstars wie Roger Federer oder Novak Djokovic haben hier im Laufe der Turniergeschichte ebenso aufgeschlagen wie die österreichischen Tennisasse Thomas Muster, Alex Antonitsch, Jürgen Melzer, Stefan Koubek oder Barbara Schett. Zwei dieser Spieler, die aktuelle Nummer 1 der Tennis-Weltrangliste, Novak Djokovic und Stefan Koubek als Kapitän des österreichischen Davis Cup-Teams, werden sich beim Davis Cup in Innsbruck -Tirol 2021 wieder begegnen.

Stefan Koubek beim Davis Cup in St. Anton. (c) TVB St. Anton am Arlberg

Der Davis Cup in Tirol

Insgesamt fünf Mal gastierte der Davis Cup bereits in Tirol: Einmal in Mayrhofen, einmal in Kitzbühel, zwei Mal in St. Anton am Arlberg. Und auch in Innsbruck war Nationenwettbewerb im Herrentennis schon zu Gast. Im Jahr 2007 trafen in der Tiroler Landeshauptstadt Österreich und Brasilien aufeinander, das Match endet 4:1 für Österreich.

2021 findet nun die erst 2019 neu geschaffene Davis Cup-Endrunde und ein Viertelfinalspiel statt. Diesmal treffen in Innsbruck die Gruppe C (Frankreich, Großbritannien, Tschechische Republik) und Gruppe F (Serbien, Österreich, Deutschland) aufeinander. Für österreichische Tennisfans werden hier Erinnerungen an den Davis Cup 1994 in Unterpremstätten wach: Thomas Muster und der Deutsche Michael Stich lieferten sich damals einen Schlagabtausch, der über 5:24 Stunden dauerte. Thomas Muster triumphierte hier schlussendlich nach fünf Sätzen mit 12:10, trotzdem gingen die Gäste aus Deutschland am Schluss siegreich vom Platz.

Tirol als Sportland

Mit seiner großen Expertise und der langen Tradition in Bezug auf Sportereignisse darf sich Tirol also zu Recht als „Sportland“ bezeichnen. Das große Angebot an Sportmöglichkeiten – ob es nun Tennis, Mountainbiken, Klettern, Wandern oder natürlich Skifahren sind, schätzen Menschen aus der ganzen Welt.

Dass Skifahren und Tennis eine gute Kombination sind, zeigen übrigens auch die Superstars der Szene: Novak Djokovic gilt als begeisterter Skifahrer und der deutsche Davis Cup-Kaderspieler Dominik Koepfer war bis zum Alter von 15 Jahren hauptsächlich auf das Skifahren fokussiert. Auch der italienische Tennisspieler Jannik Sinner war erfolgreich auf Skiern unterwegs, wurde 2008 Italienmeister im Riesenslalom sowie 2012 Vize-Italienmeister.  

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