Stets ruhelos

Ski WM Cortina d’Ampezzo

Stets ruhelos

"Tausendsassa" Christian Steinbach über seinen unbändigen Drang immer wieder etwas Neues für den Spitzensport zu erfinden.

Interview: Fred Steinacher

Christian Steinbach ist ein ,,Erfinder auf allen Ebenen“, scherzhaft wird er oft schon als Tirols Daniel Düsentrieb betitelt. Speziell der Spitzensport verdankt dem Kitzbühler Tüftler herausragende Innovationen.
Sport.tirol hat diesen beeindruckenden Mann getroffen.

65 Jahre lang hat es gedauert, ehe nach den Olympischen Winterspielen 1956 wieder einmal ein sportliches Großereignis in der Region Venetien/Provinz Belluno stattfindet. An jenem Schauplatz, an dem einst Tiroler, angeführt von Toni Sailer (Anderl Molterer, Walter Schuster oder Regina Schöpf) Skigeschichte geschrieben und erfolgreich nach Gold, Silber, Bronze im Schnee geschürft hatten. Genau da wollen die sieben Tiroler Medaillenhoffnungen Stefanie Brunner, Franziska Gritsch, Chiara Mair und Stephanie Venier sowie Manuel Feller, Fabio Gstrein und Michael Matt fortsetzen.

Mit Schützenhilfe aus der Heimat sozusagen. Denn etwas mehr als sechs Jahrzehnte nach Sailer's Gold-Rausch sorgt ein Tiroler mit seinen Geräten dafür, dass die Skistars vom ersten bis zum letzten Richtungstor perfekte Pisten vorfinden. Sein Name? Christian Steinbach. 

Der Innovator Christian Steinbach auf der Rennpiste in Cortina.

Ein sportlicher Tausendsassa, ein ,,Erfinder auf allen Ebenen“, scherzhaft oft schon als Tirols Daniel Düsentrieb betitelt; Weltmeister im Drachenfliegen, das weltweit leichteste Mountainbike stammt aus seiner Zauber-Werkstatt, die Pistenpräparierung hat er mit seiner Erfindung des Maschineninjektions-Sprühbalken revolutioniert. Innovationen, die dem Spitzensport aber natürlich auch dem Sportfreak von der Straße zu Gute kommen.

Und weil sich vor allem das ,,Präparier-System Steinbach“ quasi über die Jahrzehnte hinweg auf (fast) schon allen Pisten dieser Welt hervorragend bewährt hat, ist der rastlose Tüftler überall dort zu finden, wo Rennstrecken den letzten Schliff erhalten müssen. Bei zahlreichen Olympischen Winterspielen (Nagano, Turin, Vancouver, Pjeongchang und Sotchi) sowie bei alpinen Weltmeisterschaften (Vail, Garmisch, Schladming, Are) war er bereits mit seinem Injektionssprühbalken im Einsatz. Im Augenblick gilt die volle Konzentration den sportlichen WM-Anlagen in Cortina.

Die WM-Rennstrecke in Cortina. (c) GEPA

Seit zwei Woche arbeitet der Kitzbüheler mit seinem Team an den Strecken und schwärmt davon, wie professionell da im Vorfeld gearbeitet worden ist.

,,Wir können jetzt einen weiteren, kleinen Beitrag leisten, indem wir mit unseren Messgeräten die Parameter wie Schneedichte, Schneefeuchte, Schneegewicht, Luftfeuchte und Lufttemperatur auf jedem Pistenabschnitt vermessen um die notwendige Wassermenge einzubringen.“ Das heißt? ,,Mit dem Injektionssprühbalken wird ausschließlich reines Wasser mit hohem Druck in den Schnee gespritzt. Durch den Kapillareffekt und die Verdunstungskälte härtet der Schnee von unten nach oben aus und gewährleistet so eine gleichmäßig harte Piste.“

Obwohl die Arbeit mit dem Injektionssprühbalken einfach wirkt, steckt viel Wissen und Erfahrung dahinter. „Es gibt drei Parameter, die eingestellt werden müssen: Die Düsengröße, der Druck und die Wassermenge“, erklärt Steinbach. Das alles geschieht in Abhängigkeit von Messungen, die alle 200 Meter auf der jeweiligen Piste durchgeführt werden. So spielen die Schnee- und Luftfeuchtigkeit, die Schnee- und Lufttemperatur und das Schneegewicht eine entscheidende Rolle.

,,Mit dem Injektionssprühbalken wird ausschließlich reines Wasser mit hohem Druck in den Schnee gespritzt. Durch den Kapillareffekt und die Verdunstungskälte härtet der Schnee von unten nach oben aus und gewährleistet so eine gleichmäßig harte Piste.“
Christian Steinbach

WM Piste Präparierung mit dem Balkensystem in Cortina.

Stets ruhelos

Wer also ist der Mann, dessen Frisur ein wenig an Albert Einstein erinnert und den ein Autor im Vorwort zu seinem Steinbach-Porträt wie folgt skizzierte: ,,Er erfindet die Welt immer wieder neu und düst von einer innovativen Idee zur nächsten. Stets auf der Entdeckungsreise nach dem Neuen, dem Besonderen, überwindet er Grenzen, steigt in luftige Höhen, verbessert weiße Pisten und grüne Plätze auf dem ganzen Erdball. Zwischendurch macht er in seiner Heimat blau und genießt die bunte Vielfalt der Natur.“ Großartig formuliert, Christian könnte man nicht besser beschreiben.

Oder doch, ergänzend vielleicht: jugendlicher Siebziger, drei Kinder, fünffacher Opa, dennoch stets ruhelos auf der Suche nach der Antwort auf die von ihm selbst gestellte Frage: ,,Was steckt dahinter, oder geht da noch etwas?“

Der Innovation auf der Spur

Seine Geschichte über die letzten 50 Jahre liest sich wie ein einziges, großes Abenteuer. Angefangen von den Erlebnissen als Cheftrainer des libanesischen Damen-Skiteams bei den Spielen in Sapporo und Lake Placid bis hin zu den Erfolgen mit dem Injektionssprühbalken, mit dem er Wasser unter die Schneedecke spritzt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse setzt er nun auch am Green um und revolutionierte die Golfplatzpflege. Es folgten die Spezialisierung des Ski-Tunings mit spezieller Kanten-Schleiftechnik (1. 3D-Kante), eine Entwicklung von Abdeckmaterial für Depots um Schnee über den Sommer zu konservieren oder zur Erhaltung der Gletscher, die Erfindung des Schuh im Schuh, die Weiterentwicklung des innovativen Skischuhes (3D-Druck). Und, und, und… 

Christian hat internationale Patente wie z.B. die Ski Bindungsplatte und aktiver Dämpfung des Skis  

Auch das Ski Tuning gehört zu Christians Spezialbereich.

Die Ideen werden nicht ausgehen im Kitzbüheler Familienbetrieb, der mit seiner Edelschmiede für Spitzen-und Breitensport in Oberndorf angesiedelt ist. Gegründet von Christian vor 30 Jahren, wo die ursprünglich kreierte Philosophie speziell am Bike-Sektor wie ein roter Faden nach wie vor erkennbar ist und da lautet: die leichtesten Räder am Markt zu bauen. Oberste Devise, kundenspezifische und durchdachte Leichtbau-Räder als Einzelanfertigung, individuell abgestimmt auf den Menschen, anzufertigen.

Frei nach Daniel Düsentrieb's Motto – ,,Dem Ingenieur ist nichts zu schwör!“

 

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MADE BY CHRISTIAN STEINBACH:

Das Lebenswerk von Christian Steinbach auf einem Blick.

Christian Steinbach misst die Schneetemperatur.

Golf-Multi-Injektions-Maschine

Der Schuh im Schuh.

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