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Trailbau – eine Kunst für sich

Crankworx Innsbruck 30.9. - 4.10.2020 

Trailbau – eine Kunst für sich

Sport.Tirol zu Besuch im Bikepark Innsbruck

Text: Kathrin Fenkiw, Bild: Johannes Mair / Alpsolut

Die Vorbereitungen für die 4. Auflage von Crankworx, dem weltweit größten Gravity Mountainbike Festival, laufen im Bikepark Innsbruck in Mutters und Götzens bereits auf Hochtouren.

Riesengroße Haufen aus Erde und Schotter, dazwischen Bagger, Holzstapel und Absperrungen – so sah es 2016 an der Talstation der Muttereralmbahn südlich von Innsbruck aus. Mit Musik im Hintergrund und guter Laune arbeiteten sich die Trailbauer, die für die Anlage von Crankworx Innsbruck zuständig waren, Stück für Stück voran und haben damit mit der Premiere 2017 den Grundstein für den Crankworx Stopp in Innsbruck gelegt.

Heuer haben die Trailbauer bis Mitte September Zeit, um genau jene Anlage wieder fit zu machen, auf der sich in Kürze die besten Mountainbike-Athleten der Welt messen werden. Die Strecken müssen einerseits spektakuläre Sprünge und Tricks ermöglichen, gleichzeitig aber auch die nötige Sicherheit bieten. Deshalb sind hier 2016 erfahrene Trailbau-Profis am Werk gewesen, die das Experten-Wissen nach Tirol brachten, das die Austragung eines solchen Spitzensportevents erfordert. 

Routenbau im Bikepark Innsbruck: Know-how aus Neusseland wurde 2017 bei der Premiere nach Tirol geholt.

Leidenschaft als Beruf 

2016 wurde für die Errichtung des Bike-Areals, das die hohen Anforderungen von Crankworx erfüllen muss, der Trailbau-Experte Tom Hey mit seinem Unternehmen Elevate aus Queenstown in Neuseeland beauftragt. Der gebürtige Brite verfügt über jahrelange Erfahrung im Trailbau, die er rund um den Globus gesammelt hat, vor allem im Bike-Mekka Whistler in British Columbia. Dort war er von 2005 bis 2012 tätig. „In Whistler habe ich mit Profis gearbeitet und alles gelernt, was man wissen muss“, erzählt er. Und da es für das Bauen von Trails keine spezielle Ausbildung gibt, ist Erfahrung das Um und Auf: „Ich habe schon im Alter von 15 Jahren damit begonnen, meine ersten Hindernisse zu bauen, weil mir die Gegend in meiner Heimat England zum Biken zu langweilig war. Wenn man lange genug dabei ist, entwickelt man einfach ein Gefühl und ein Auge für perfekte Trails.“  

Tom Hey arbeitet seit 2015 für die Crankworx World Tour. Bisher war er für das Design und die Errichtung der Routen im neuseeländischen Rotorua, einem der vier Austragungsorte der Tour, zuständig und 2016 auch erstmals für jene in Tirol. Die große Herausforderung in seinem Job liegt darin, die richtige Balance zwischen Action und Sicherheit zu finden. Denn sind die Strecken zu risikoreich, kann es später für die Fahrer schnell gefährlich werden. 

 Tom Hey plant nicht nur die Strecken, sondern baut sie auch mit.

Streckendesigner Tom Hey

Was gebaut wird

Für die Bewerbe in den fünf Disziplinen bei Crankworx Innsbruck werden fünf Strecken benötigt. Eine davon gibt es bereits im Bikepark Innsbruck, der Rest ist  im Entstehen. So wird das Downhill-Rennen auf dem bestehenden Trail in Götzens ausgetragen, der über zwei Kilometer lang ist und von der Mittelstation der Nockspitzbahn bis zur Talstation in Götzens führt. Für Crankworx werden auf der Strecke noch einige Highlights gesetzt und lediglich am Endstück ein neuer Verlauf eingebaut. Neu errichtet wird die sogenannte Dirt Area, also die Anlage für die Disziplinen Slopestyle, Dual Speed & Style und Pump Track, die sich an der Talstation der Muttereralmbahn befindet.

Gemeinsam mit dem Whip-Off-Bereich am Panoramasee an der Bergstation beträgt die Fläche des gesamten Crankworx-Areals 6.000 Quadratmeter. 

Der Trailbau Schritt für Schritt

Für die Errichtung der Crankworx-Trails wurde 2016 zunächst das gesamte Areal ausgemessen, um zu sehen, wie lang die Strecken werden können und wie viele Hindernisse und Sprünge möglich sind. „Sobald ich eine Vorstellung der Trails habe, erstellen wir einen ungefähren Plan. Dabei arbeiten wir sowohl mit händischen Skizzen als auch mit Computerprogrammen. Das machen wir allerdings nur zur ungefähren Orientierung. Das genaue Bild des fertigen Trails haben wir im Kopf“, erklärt der Wegebauer Tom Hey. Mit der Planung der Anlage für Crankworx Innsbruck hat die neuseeländische Trailbaufirma im November 2016 begonnen. 

Der Bau neuer Trails unterteilt sich prinzipiell in zwei Phasen: Besteht einmal eine grobe Vorstellung der Routen, kann der sogenannte „rough build“, also der grobe Bau, starten. Dafür werden zunächst die Stellen am Gelände markiert, wo die geplanten Hindernisse entstehen sollen. Dort positionieren die Trailbauer in einem nächsten Schritt die Holzrampen sowie die Erdhaufen für die Hindernisse. Sobald alles an Ort und Stelle ist und die Form der Trails stimmt, erfolgt der finale Feinschliff. 

„Wir haben hier ein perfektes Areal für Gravity Mountainbiking. Einerseits gibt es eine große Menge an gut geeigneter Erde, die wir als Baumaterial nutzen können. Außerdem ist es sehr einfach, auf einer so großen und freien Fläche zu bauen.“ Tom Hey

Während Tom Hey das Areal in Innsbruck zum größten Teil allein designt und geplant hat, unterstützt ihn bei der Umsetzung ein ganzes Team, das aus jeweils drei Trailbauern aus Neuseeland und Tirol sowie dem Bikepark-Manager Christopher Kniejski und dem Team des Bikepark Innsbruck besteht. Seit 2020 kümmert sich ein rein lokales Tiroler Trailbau-Team um die Umsetzung des Parks.

Die Bauarbeiten enden aber nicht mit dem Start der Wettbewerbe – auch während des Events wird es ein Team von vier bis sechs Personen geben, das sich um die Instandhaltung der Trails kümmert. Das Areal wird zum Beispiel bei starkem Regen mit Planen abgedeckt oder bei Hitze bewässert, um extreme Staubbildung zu verhindern. Ebenso müssen nach den Trainingseinheiten und einzelnen Durchgängen der Wettbewerbe Löcher und Unebenheiten im Boden händisch ausgeglichen werden. 

Ein Geben und Nehmen

Dass Innsbruck 2017 zum vierten Crankworx-Stopp ausgewählt wurde, hat Tom Hey und sein Team sehr gefreut, denn sie sahen bereits vor 3 Jahren in Tirol einen idealen Ort für den Mountainbike-Spitzensport. „Wir haben hier ein perfektes Areal für Gravity Mountainbiking. Einerseits gibt es eine große Menge an gut geeigneter Erde, die wir als Baumaterial nutzen können. Außerdem ist es sehr einfach, auf einer so großen und freien Fläche zu bauen. In Whistler zum Beispiel erschweren uns die vielen Steine die Arbeit und in Rotorua gibt es überall Bäume, um die wir uns herumarbeiten müssen. Innsbruck ist hingegen fast wie eine leere Leinwand“, schwärmte der Trailbau-Profi.  

Auf der anderen Seite konnte auch Tirol sein Know-how rund um die Austragung von Radsportevents unter Beweis stellen und gleichzeitig weiter ausbauen. „Während Crankworx wird die ganze Welt nach Tirol schauen. Deshalb geben wir natürlich unser Bestes, um alles richtig zu machen. Die gesamte Infrastruktur in nur sechs Wochen in den Berg zu klopfen, ist eine große Herausforderung für uns. Deshalb sind wir hier gemeinsam mit Profis am Werk“, meinte der Bikepark-Manager Christopher Kniejski. Dass sich all die Mühen auszahlt haben, steht für außer Frage: „Das Event ist eine einzigartige Chance für Tirol, sich in der Szene als Gravity-Mountainbike-Mekka zu positionieren.“  

Christopher Kniejskj, Bikepark-Manager

Für Hobby- und Profisportler

Die gebauten Strecken bleiben nach den Wettkämpfen bestehen und stehen in vereinfachter Form auch dem Rest der Bike-Community – vom Freizeitsportler bis zum Profi –zur Verfügung. Sollte das Event auch im kommenden Jahr wieder in Innsbruck ausgetragen werden, wird die Anlage wieder auf das nötige Profi-Level gebracht. Eine Vertragsverlängerung für die kommenden Jahre wäre sowohl für Tirol als auch für den Muttereralmpark und Christopher Kniejski als Park-Manager von großer Bedeutung: „Wir hoffen natürlich stark auf eine Verlängerung, damit die Anlage langfristig erhalten bleiben kann und Innsbruck weiterhin zu einem fixen Stopp der Crankworx World Tour wird.“

2020 ist erstmalig eine Innsbrucker Crew inklusive Dirtjumper Peter Kaiser für das Park Shaping zuständig!

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