Ein Leben für den kleinen, weißen Ball

Golf

Ein Leben für den kleinen, weißen Ball

Vom Wintertraining, Methoden gegen Muskelkater und unfairen Preisgeldern - im Gespräch mit Golferin Christine Wolf.

Interview: Fred Steinacher, Bild: GEPA

Christine Wolf pflegt seit dem 10 Lebensjahr die Passion für den Golfsport. Viel Disziplin und Freude am Sport lässt sie auf Turniere Rund um die Welt reisen. Wie sich Christine im Winter auf die Saison 2021 vorbereiten wird, wie die großen Ziele für die Zukunft heißen, welchen Stellenwert Olympia besitzt und was aus ihrer Sicht notwendig wäre, um die Bedeutung des Damen-Golfsports in der Öffentlichkeit zu erhöhen – all das verrät Österreichs Nummer 1 in einem sehr ausführlichen Interview.      

Endlich wieder zu Hause in Tirol oder – nach der Saison ist vor der Saison. Erst knapp vor Weihnachten war die 31-jährige von den US-Open nach Tirol zurückgekehrt und bereitet sich nun bei winterlichen Temperaturen auf die kommende Saison vor. 

Christine, wann steht im Terminkalender Trainingsstart? 

Noch vor den Feiertagen habe ich mit Konditionstraining begonnen und nach Weihnachten stand schon spezielles Golftraining auf dem Programm.

Wie darf man sich das vorstellen? 

Von den Stunden her hatte ich den Schwerpunkt zunächst ganz gezielt auf Kraft/Konditionstraining gelegt, doch ab Mitte Jänner war der Fokus dann voll auf Golftraining ausgerichtet, nachdem das erste Turnier voraussichtlich schon Mitte Februar stattfindet.   

Fitness-Studios sind geschlossen, wo passiert das Kraft/Konditionstraining?  

Ich gehe gern laufen oder auch Skitouren, zum Krafttraining mache ich Pilates. Zudem sind Koordinationsübungen ganz wichtig, diese mache ich auch sehr intensiv während der gesamten Saison hinweg, weil Beweglichkeit im Schwung sehr wichtig ist. 

Was und wo trainierst du Golf spezifisch?

Ich habe mir ein Netz gekauft und von meinem Club (Olympiagolf Igls) eine Matte zur Verfügung gestellt bekommen, damit ich zu Hause Indoor trainieren kann. Das war in den letzten Jahren etwas einfacher, da hatte ich einige Einheiten mit meinem Trainer in Reit im Winkl in der Halle absolviert, oder bin nach Italien gefahren.  

Skifahren und Akkus aufladen. Nirgendwo kann Christine das besser als in ihrer Tiroler Heimat.

Eine schöne Skitour am Hausberg Patscherkofel fühlt sich gar nicht wie Training an.

Gipfel erreicht.

Viele Turniere, Training, Reisestress, kann man sich da überhaupt fit halten? 

Ja, das ist möglich, wenn die Basis stimmt. Diese hole ich mir zu Haus in Tirol, in den Bergen, wie gesagt auch mit Skitouren – eine perfekte Symbiose zwischen Kraft tanken und entspannen. Aber insgesamt ist das Fit-bleiben schon ein großes Thema. Wenn ich unterwegs bin, dann nutze ich meistens die Fitnessräume in den Hotels, wo ich vor allem laufe, dehne und  entsprechende Übungen absolviere. Mein Trainingsplan ist dabei so gestaltet, dass ich am nächsten Tag voller Energie in die Golfrunde starten kann ohne Muskelkater zu haben. 

Wie sieht es mit Regeneration aus?  

Hier setze ich auf die neue Technologie von EMS (Easy Motion Skin) mittels Elektro Muskel Stimulation. Dieses System mit dem Relax-Modus hilft mir selbst in kurzen Ruhephasen das Maximum an Regeneration herauszuholen. Das Gerät ist während meiner Reisen immer mit an Bord.

Wie hältst du es mit der Ernährung? 

Ich weiß ganz genau, was ich essen muss, was mir gut tut. Genau danach ist mein Ernährungs-und Speiseplan ausgerichtet. Diesen einzuhalten ist zu Hause natürlich leichter als unterwegs.

Netz und Matte ermöglicht ein Golftraining zu Hause.

Regeneration mittels Elektro Muskel Stimulation (EMS).

Wann hast du eigentlich mit dem Golfsport begonnen, wann bist du Profi geworden? 

Ich habe mit 10 Jahren begonnen und bin nach meinem Studium in den USA mit 23 Jahren Profi geworden.

Dein erster Turniersieg gelang dir wo?
 

Mein erster Turniersieg als Pro war in Kreta auf der LET Access Series in 2012, aber der größte Sieg bisher war auf jeden Fall jener 2019 in Indien.  

Christine, die Covid-19-Pandemie hat natürlich auch die Sportszene durcheinandergewirbelt - wie bist du persönlich mit den veränderten Bedingungen zurecht gekommen?
 

Es war wie eine Notbremsung von 100 auf 0. Ich bin gerade aus Australien zurückgekommen und dann hieß es Lockdown. Ich bin und war  es gewohnt, so ziemlich jeden Tag unterwegs zu sein, bin über das Jahr gesehen normalerweise nur rund drei Monate daheim. Es war also auf jeden Fall eine ungewöhnliche Situation, aber nachdem mein Anfang in die Saison nicht so gut war, habe ich es als Chance gesehen, mich neu zu fokussieren, meine Zeit daheim zu genießen und das beste aus der Situation zu machen. Ich fand die Situation mit dem Neustart Mitte August schwieriger als die Zwangspause im März. Du versuchst bei den Turnieren in Höchstform zu sein und trainierst auf ein Datum, und dann wird es immer wieder verschoben.

Christine hat bereits mit 10 Jahren die Leidenschaft zum Golfsport entdeckt.

Wie lukrativ ist die European Ladies Tour eigentlich - kann man davon leben? 

Wenn das Jahr so gut läuft wie 2019, dann ist es schon lukrativ, aber ich muss auch sagen, dass es ohne die Hilfe meiner Sponsoren die letzten Jahre auf jeden Fall schwieriger gewesen wäre. Daher bin ich unendlich dankbar für ihre kontinuierliche Unterstützung.

Die Diskrepanz bei den Preisgeldern zwischen Damen und Herren ist ja beträchtlich, ist da irgendwann ,,Besserung“ in Sicht?

Ich denke, dass es leider noch einige Jahre dauern wird, bis sich da etwas tut. In Europa alleine spielen wir um 10% der Preisgelder der Herren - haben aber den selben Aufwand, dieselben Kosten etc.

Was fällt dir spontan zu Olympia ein, bzw. wo würdest du als Teilnehmerin der Spiele 2016 in Rio de Janeiro den Stellenwert der Olympischen Spiele platzieren?

Nachdem ich aus einer sportbegeisterten Familie komme, und die Spiele immer einen hohen Stellenwert hatten, platziere ich sie schon sehr weit vorne. Wir haben zwar im Golf auch die Majors, aber dennoch ist es eine große Ehre, wenn man sein Land bei den Spielen repräsentieren darf. 
Die Atmosphäre von Olympischen Spielen ist mit keinem anderen Sportevent der Welt zu vergleichen. Die Spiele in Tokio sind ganz klar ein großes Ziel.

GRÖSSTE ERFOLGE:

2020 – Czech Open, Platz 2
2019 – Hero Womens, Indian Open, Platz 1
2018 – Hero Womens, Indian Open, Platz 2
2016  - Teilnahme Olympische Spiele Rio de Janeiro
2015 - Bing Lee Fujitsu NSW Women's Open, Platz 2   
2012 – Kreta, Ladies Open, Platz 1

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