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Ich wollte die Sensation schaffen

FIS Skiweltcup Lienz am 28. und 29. Dezember

Ich wollte die Sensation schaffen

1969 fanden in Lienz erstmals Weltcuprennen statt.

Text: Eva Schwienbacher, Header-Bild: GEPA

Seit 50 Jahren trägt Osttirol Skiweltcuprennen aus, seit 22 Jahren den Damenslalom und -riesentorlauf. Marlies Schild und Bernhard Gstrein haben in Lienz Skigeschichte geschrieben. Die Ex-Skistars erzählen, welche Bedeutung der Austragungsort für sie hat. Was es zur Jubiläumsausgabe Besonderes gibt, verrät OK-Chef Werner Frömel.

Marlies Schild: Die Slalom-Queen

Sie sind vor der Schwedin Anja Pärson mit vier Siegen bisher die erfolgreichste Läuferin in Lienz. Was verbinden Sie mit den Rennen in Osttirol?
Marlies Schild: 
Rennen in Österreich waren für mich immer etwas Spezielles. In Lienz war und ist die Stimmung besonders gut. Die Veranstalter lassen sich immer etwas einfallen. Ich mochte auch die Strecke in Lienz sehr. Es waren meistens schwierige Rennen, was mir aber sehr entgegengekommen ist. Für mich als Saalfeldnerin fühlten sich die Rennen außerdem wie Heimrennen an. 

Welcher von Ihren vier Siegen ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? 
Das war eindeutig mein Comeback-Sieg im Jahr 2009, als ich nach einer schweren Verletzung wieder am Start stand. Es war der vierte Wettkampf der Saison, den ich mit einem Vorsprung von über 1,8 Sekunden gewonnen habe. Es war ein sehr schwieriges Rennen. Ich war extrem nervös. Niemand durfte mich an diesem Tag ansprechen. Die Piste war hart und anspruchsvoll – das lag mir aber grundsätzlich. Ich wusste, wenn es mir gelang, mein Potenzial voll auszuschöpfen, könnte ich vor meinem Heimpublikum ganz oben am Podium stehen. Das war mein Traum, der sich schließlich erfüllte. Nach dem ersten Durchgang war das Gefühl wieder da, das es braucht, um ein Rennen zu gewinnen. 

Was war an jenem 29. Dezember 2009 erfolgsentscheidend? 
Ich habe wahrscheinlich den Druck von den Zuschauern gebraucht und wollte vor dem Heimpublikum die Sensation schaffen. Im ersten Durchgang gewann ich wieder Spaß am Rennfahren. Deshalb konnte ich mit Selbstvertrauen und einem guten Gefühl in den zweiten Durchgang starten.

Marlies Raich @ GEPA (2)

Wer sind Ihrer Meinung nach die Favoritinnen für die diesjährigen Rennen?
Im Slalom ist Mikaela Shiffrin ganz klar Top-Favoritin, gefolgt von Petra Vlhová. Im Riesenslalom ist gerade nach den ersten Rennen der Kreis der Favoritinnen größer. Die Sölden-Siegerin Alice Robinson aus Neuseeland punktet mit ihrer Unbekümmertheit. Die Italienerinnen sind in ihrer Leistung auch sehr konstant. Shiffrin wird natürlich auch in dieser Disziplin eine Rolle spielen. Und auch Viktoria Rebensburg schätze ich sehr stark ein. Man kann sich also auf ein spannendes Rennen freuen.

Seit Ihrem Rücktritt im September 2014 aus dem Skisport hat sich in Ihrem Leben einiges verändert. Sie sind nun dreifache Mutter. Wie verfolgen Sie im Winter die Rennsaison? 
Ich schaue mir jedes Rennen an. Da meine Schwester (Bernadette Schild, Anm.) im Moment aber verletzungsbedingt nicht mitfährt, fällt die Anspannung dabei etwas weg. Zudem schreibe ich auch eine Kolumne über das Geschehen im Skisport, wodurch ich natürlich immer auf dem Laufenden bin. Außerdem fahre ich nach wie vor gerne selbst Ski, wenn es die Zeit erlaubt.  

Zur Person:
Marlies Schild (verheiratete Raich) aus Saalfelden ist mit 35 Slalomsiegen in dieser Disziplin eine der erfolgreichsten Läuferinnen der Weltcupgeschichte. 2005, 2009, 2011 und 2013 gewann die Wahltirolerin die Slalomrennen in Osttirol. Zwei Siege stechen dabei hervor: Nur ein Jahr nach ihrer schweren Verletzung im Jahr 2008 fuhr sie in Lienz beim Slalom mit dem Rekordvorsprung von 1,83 Sekunden auf Platz eins. Hervorzuheben ist auch ihr Sieg vor sechs Jahren, als sie in Lienz ihren 35. Slalomsieg feierte. Erst 2018 wurde dieser Rekord von der Amerikanerin Mikaela Shiffrin gebrochen. Sie ist mit Ex-Skistar Benjamin Raich verheiratet und hat drei Kinder.

Bernhard Gstrein: Der Sensationssieger

Viele verbinden die Weltcuprennen in Osttirol mit Ihrem Sieg gegen Alberto Tomba 1988, der doch eine große Sensation war. Was verbinden Sie mit Lienz? Bernhard Gstrein: Ich habe schöne Erinnerungen an Lienz. Zum einen wegen des Siegs gegen Tomba, zum anderen war ich immer wieder dort, um zu trainieren bzw. Rennen zu fahren. Kurz vor dem Weltcuprennen im Jahr 1988 fand in Lienz ein FIS-Rennen statt, das ich gewonnen habe. Daher ging ich mit einem guten Gefühl ins Weltcuprennen. Außerdem habe ich auch einen persönlichen Bezug zu Lienz, da mein Vater viele Skilehrer aus Osttirol in seiner Skischule beschäftigte. 

Wie haben Sie den Sieg gegen den damaligen Slalomstar Tomba erlebt? 
Bei der Startnummernauslosung am Tag vor dem Rennen habe ich die Nummer eins gezogen. Das gab mir ein gutes Gefühl. Ich kann mich erinnern, dass ich meinen Vater anrief, um ihm zu sagen: „Papa, morgen kannst du den Fernseher aufdrehen.“ Als ich im ersten Durchgang ohne Fehler Schnellster wurde, wusste ich, dass ich es schaffen konnte. Denn bei vorangehenden Rennen war ich zwar schnell, allerdings passierten mir immer wieder Fehler, wie Einfädler. Beim zweiten Durchgang hörte ich die Fans toben und wusste, dass Alberto schnell war. Da gab es nur noch eins für mich: Vollgas geben.

Bernhard Gstrein@ ÖSV (3)

Seit Ihrer Zeit als aktiver Sportler sind über 20 Jahre vergangen. Was sind aus Ihrer Sicht die größten Veränderungen im Skisport? Das kann ich nur von außen beurteilen. Mit Sicherheit hat sich beim Material viel getan. Außerdem wurde die Betreuung viel individueller, viele Rennläufer haben persönliche Trainer. Es gab sicher eine Professionalisierung des Sports. 

Wer sind Ihre Favoritinnen für die Rennen in Lienz am 28. und 29. Dezember? Mikaela Shiffrin und Petra Vhlová werden mit Sicherheit im Slalom um Platz eins kämpfen. Im Riesentorlauf sind die Italienerinnen stark und auch da wird Mikaela Shiffrin eine Rolle spielen.

Zur Person:
Der Tiroler Bernhard Gstrein war von 1984 bis 1996 Skirennläufer und vor allem im Slalom, aber auch im Riesentorlauf und in der Kombination erfolgreich. In seiner zwölfjährigen Weltcupkarriere erreichte Gstrein 42 Top-10-Resultate (35 Mal im Slalom und sieben Mal im Riesenslalom). 1988 gewann er das Slalomrennen in Lienz. Bei den Olympischen Winterspielen 1988 in Calgary holte er Silber in der Kombination und 1984 wurde er österreichischer Meister im Slalom und in der Kombination. Heute führt er die Salomon Station, ein Sport- und Event-Center, in Sölden.

Werner Frömel: Der Organisator

Seit 1988 organisieren Sie die Weltcuprennen in Lienz. Was waren Ihre persönlichen Highlights in den vergangenen Jahren?
Werner Frömel:
Das Jahr 1988 war in der 50-jährigen Weltcupgeschichte ein absolutes Highlight. Damals sprangen wir für Bad Wiessee ein, wo das Slalomrennen aufgrund von Schneemangel nicht ausgetragen werden konnte. Dem Tiroler Bernhard Gstrein gelang es damals vor einem tobenden Publikum – darunter waren zahlreiche Italiener –, einen bis dahin ungeschlagenen Alberto Tomba zu besiegen. Lienz war immer gut für Rekorde: Marlies Schild hat hier ihren 35. Weltcupsieg gefeiert, Anna Veith gewann in Lienz ihr allererstes Weltcuprennen – damals noch als Anna Fenninger – und die aktuelle Top-Favoritin Mikaela Shiffrin fuhr in Lienz mit Rang drei überhaupt das erste Mal aufs Podest in einem Slalomrennen.   

Was erwartet die Zuschauer in diesem Jahr anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Weltcups in Lienz?
Wir haben uns natürlich einiges einfallen lassen – sowohl für das Skistadion als auch den Lienzer Hauptplatz. Die Startnummernauslosung und Siegerehrungen haben wir unter das Motto „50 Jahre Lienz“ gestellt. Im Skistadion werden wir alle Sieger seit 1969 visuell präsentieren. Die Startnummernauslosung, die in Lienz bekanntermaßen immer sehr speziell ist, steht im Zeichen des Golfsports. Das heißt, die Läuferinnen müssen für ihre Startnummern Golf spielen. Bei jedem Weltcup haben wir versucht, nicht nur das Reglement einzuhalten, sondern den Läuferinnen und Zuschauern etwas Neues zu bieten. Wir sind der Meinung, dass Weltcuprennen auch ein gesellschaftliches Event sind.

Was wünschen Sie sich für die Rennen am 28. und 29. Dezember? Ich wünsche mir natürlich einen österreichischen Erfolg. Ob sich das bewahrheitet, werden wir sehen. Und da die Rennen an einem Wochenende stattfinden, hoffe ich auf eine Steigerung der Zuschauerzahlen. 

Werner Frömel @ Skiclub Lienz  

Werfen wir einen Blick in die Zukunft. Was sind die Pläne für Lienz für die kommenden Jahre? Wir sind auf alle Fälle gewillt, auch in Zukunft den Skiweltcup in Lienz auszutragen. Es geht darum, ein Gesamtbudget von einer Million Euro aufzubringen. Bisher haben die Stadtgemeinde Lienz und der Tourismusverband Osttirol die Veranstaltung mit einem Budget von 200.000 Euro mitgetragen. Von diesen beiden Institutionen sowie vom Österreichischen Skiverband gibt es positive Signale. Ich bin daher zuversichtlich, dass wir zu einem positiven Abschluss kommen und die Rennen bis 2025 in Lienz stattfinden. 

Zur Person: 
Werner Frömel ist Präsident des Skiclub Lienz, Funktionär im Tourismusverband Osttirol und im Aufsichtsrat der Lienzer Bergbahnen AG. Seit 1996, mit der Austragung der Snowboard-WM, steht er dem Organisationskomitee Lienz vor.

50 Jahre Lienz
1969 wurden in Lienz am Hochstein und am Zettersfeld die ersten Skiweltcuprennen von Damen und Herren ausgetragen. 1996 veranstaltete Lienz die allerersten Snowboard-Weltmeisterschaften der FIS. 1997 fanden erstmals Damenweltcuprennen statt. Seither veranstaltet Lienz alle zwei Jahre – immer abwechselnd mit dem Semmering – Slalom und Riesentorlauf für die Damen. Lienz feiert heuer am 28. und 29. Dezember die zwölfte Austragung innerhalb der letzten 22 Jahre.  

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