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Favoriten scheiterten, Myhrer siegte

Favoriten scheiterten, Myhrer siegte

Matt von Platz zwölf zu Bronze

Ein Tiroler rettete Österreichs Slalomehre - Michael Matt fuhr mit einem unglaublichen zweiten Lauf noch auf das Podest des Slaloms und holte mit Bronze die zwölfte österreichische Medaille bei den Spielen von Pyeongchang.

Der 24-jährige Tiroler verbesserte sich mit Bestzeit von Platz zwölf auf Rang drei, gewann damit vier Jahre nach dem Olympiasieg seines Bruders Mario Bronze. Gold ging an den Schweden Andre Myhrer, Silber an den Schweizer  Ramon Zenhäusern. 

Myhrer hatte die Gunst des Augenblicks bzw. das Scheitern der Favoriten ausgenutzt  und sich zum Olympiasieger gekrönt. Der Norweger Henrik Kristoffersen, nach dem ersten Durchgang Erster, schied auf dem Weg zu Gold im zweiten Lauf aus. Marcel Hirscher war bereits im ersten Lauf gescheitert.

„Ein Wahnsinn“, sagte Matt, der bis zum Schluss nicht daran glauben wollte, dass sich ein Podestplatz noch ausgeht. „Ich habe es erst realisiert, als Henrik unterhalb vom Tor war und zurückgestiegen ist“, sagte Matt, „ich habe gar nicht hingeschaut, das hat mir Glück gebracht.“  Matt fügte hinter Myhrer und Zenhäusern der Familiensammlung mit Bronze nicht nur eine weitere Medaille hinzu, sondern komplettierte auch einen Satz an olympischem Edelmetall. Nach Slalom-Gold von Mario 2014 in Sotschi und der Silbernen im Skicross von Andreas Matt vor acht Jahren in Vancouver schlug nun der jüngste der Matt-Brüder zu.

Marco Schwarz, nach dem ersten Durchgang als Achter noch bester Österreicher, verpatzte seinen zweiten Lauf und fiel auf Platz elf zurück. Auch für Manuel Feller war sein erster olympischer Slalom zum Vergessen. Der Tiroler, vor einem Jahr in St. Moritz Vizeweltmeister hinter Hirscher, konnte sich nach Rang 16 im ersten Durchgang nur marginal steigern und landete am Ende auf dem für ihn enttäuschenden 15. Platz.

Myhrer, der 2010 in Vancouver bereits Dritter im Slalom geworden war, krönte sich hingegen als zweiter Schwede bei den Männern zum Olympiasieger im alpinen Skilauf. 1980 in Lake Placid hatte sich der legendäre Ingemar Stenmark Gold im Slalom und Riesentorlauf gesichert. Mit Myhrers Triumph gingen erstmals auch beide Slalom-Goldenen an Schweden. Bei den Damen hatte sich Frida Hansdotter in Pyeongchang die Krone aufgesetzt.

„Es ist unglaublich, und ich kann es kaum fassen“, sagte der 35-Jährige, der sich vor den Augen des schwedischen Königs Carl XVI. Gustaf als Olympiasieger feiern lassen durfte. Trotz Nervosität am Start erwischte Myhrer vor allem im unteren Teil die optimale Linie und verwies Zenhäusern noch in die Schranken. „Ich wollte Spaß haben, locker sein und den Moment genießen“, sagte Myhrer, „es ist so cool.“

Wie ein Sieger freute sich Zenhäusern, der nach Silber und Bronze von Beat Feuz in Super-G und Abfahrt für die dritte Medaille der Schweizer Herren in Pyeongchang sorgte. „Es ist unglaublich, es ist wie ein Traum. Ich habe es noch gar nicht realisiert. Ich habe nicht groß gedacht über eine Medaille. Als es eng geworden ist, musste ich die Wand anschauen“, sagte der 25-Jährige, dessen bisher größter Erfolg der  Sieg beim City-Event in Stockholm war.

Zu den großen Geschlagenen neben Hirscher zählte hingegen Kristoffersen, der das Malheur des Salzburgers im ersten Durchgang nicht nutzen konnte. Der 23-Jährige, vor vier Jahren in Sotschi noch Dritter, nahm seinen Ausfall aber sportlich gelassen. „Wenn man gewinnen will, muss man Vollgas fahren, und ich war bei der ersten Haarnadel zu spät. Beim nächsten Schwung war ein Schlag, und ich war mit der Hüfte im Schnee. So ist der Slalom, es geht schnell“, sagte der Norweger.

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