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Final-Thriller an Russland

Final-Thriller an Russland

Eine Minute fehlte den Deutschen

Die „Sbornaja“ ist erstmals seit 1992 wieder Olympiasieger im Eishockey. 

Das Team der Olympischen Athleten aus Russland (OAR) hatte sich am Sonntag im Endspiel der Winterspiele von Pyeongchang in einem wahren Thriller gegen den Sensationsfinalisten aus Deutschland knapp mit 4:3 (1:0 0:1 2:2/1:0) in der Verlängerung durchgesetzt und holte damit am letzten Tag der Spiele die zweite Goldmedaille für das OAR-Team. Kirill Kaprizow wurde letztlich zum Spielverderber für die Deutschen, denen nur eine knappe Minute zur Sensation fehlte. Bronze hinter Deutschland ging an Kanada.

Kirill Kaprizow sorgte in der zehnten Minute der Verlängerung im Powerplay mit einem satten Schlagschuss für die Entscheidung zugunsten des Favoriten, der sich erstmals seit dem Ende der Sowjetunion den Olympiasieg sicherte. 1992 hatte die „Sbornaja“ als Auswahl der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) - ebenfalls unter olympischer Flagge - den Titel gewonnen.

Deutschland, das davor sensationell Weltmeister Schweden und noch überraschender Titelverteidiger Kanada ausgeschaltet hatte, holte in Südkorea die erste olympische Medaille seit Bronze 1976 in Innsbruck. Für die wegen des Sotschi-Dopingskandals dezimierten Russen war es in Pyeongchang das erst zweite Gold nach Eiskunstläuferin Alina Sagitowa.

Im Finale hatten sich die Russen und die sensationell ins Endspiel vorgestoßenen Deutschen ein Duell auf Augenhöhe geliefert. Angestachelt von den jüngsten Erfolgen über Schweden und speziell Kanada begannen die Deutschen mit viel Selbstvertrauen und versteckten sich vor den Russen nicht.Drei Minuten vor Schluss sah es dann sogar nach der Riesensensation aus. Jonas Müller brachte den Außenseiter erstmals in der Partie in Führung. Der erste Olympiasieg war zum Greifen nahe. Eine russische Strafe rund zwei Minuten vor Schluss schien das Schicksal der „Sbornaja“ zu besiegeln. Doch Russlands Teamchef Oleg Znarok riskierte alles, nahm Goalie Koschetschkin für einen zusätzlichen Feldspieler vom Eis - und wurde dafür belohnt. Gusew rettete die OAR-Truppe mit seinem zweiten Treffer 56 Sekunden vor dem Ende noch in die Verlängerung.

In der Overtime rettete Goalie aus den Birken den Deutschen bei einer Großchance von Superstar Ilja Kowaltschuk zwar noch einmal die Haut, eine Strafe gegen Patrick Reimer zur Mitte der Verlängerung wurde der Mannschaft von Teamchef Marco Sturm aber zum Verhängnis. Im folgenden Powerplay fand Kaprizow die Lücke zwischen Torhüter und Torstange und schoss die „Sbornaja“ ins Glück.

Bei der Siegerehrung nach der dramatischen Partie ließen sich die russischen Spieler auch vom offiziellen Verbot ihrer Hymne in Pyeongchang nicht beirren. Kowaltschuk und Co. stimmten während der Olympischen Hymne die russische an und sangen diese lautstark mit. „Wenn Du für Dein Land spielst und diese Medaille gewinnst, ist es ein wichtiger Moment, besonders zu dieser Zeit“, sagte Kapitän Pawel Dazjuk.

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