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Ledecka lieferte Riesen-Sensation

Ledecka lieferte Riesen-Sensation

Silber für Veith nach Hundertstel-Drama

Was war das für ein verrücktes Rennen!  Beim Super-G der Damen bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang stand Anna Veith im Zielraum, wurde bereits als Olympiasiegerin gefeiert, als mit der Nummer 26 die Tschechin Ester Ledecka ins Rennen ging.

Und mit einer für unglaublich gehaltenen Fahrt zu Gold raste. Die 22-jährige Snowboard-Weltmeisterin fing die Salzburgerin im Alpincenter Jeongseon noch um 0,01 Sekunden ab. Bronze ging an die Liechtensteinerin Tina Weirather (+ 0,11).

Dabei wähnte sich Veith schon zum zweiten Mal nach 2014 als Olympiasiegerin. Die 28-jährige lag nach einem Fehler im oberen Teil bei der zweiten Zwischenzeit um 0,50 Sekunden hinter Weirather. Mit einer sensationellen Aufholjagd drehte Veith den Rückstand, ihr wurde unter anderen von Lindsey Vonn, die sich mit Rang sechs (+ 0,38) begnügen musste, schon zum Sieg gratuliert, ehe Ledecka für eine der größten Überraschungen in der alpinen Geschichte sorgte.

Veith war im ersten Moment schockiert über die Wende, freute sich danach aber auch über Silber. „Kurzzeitig war es schon eine sehr große Überraschung. Es war eine super Leistung, sie hat es sich verdient. Natürlich wäre es mir lieber, wenn ich ins Ziel komme und weiß, es ist Silber. Aber ich bin extrem glücklich, was ich erreicht habe. Eine Silbermedaille zu machen, ist auch etwas extrem Großes. Für mich passt das genauso“, erklärte Veith. Ledecka hatte schon seit längerem damit beeindruckt, im Snowboard- und im Ski-Weltcup an der Spitze mitzufahren. Weitaus erfolgreicher war sie bisher aber auf einem Brett gewesen, da gilt sie nächsten Samstag beim Parallel-Riesentorlauf als Favoritin. Ihre beste Platzierung in einem Weltcup-Super-G war zweimal Rang 19 in Garmisch-Partenkirchen im Jänner 2017 und in Lake Louise im Dezember 2016.

Die Tschechin, die in einer Abfahrt schon einmal Siebente war, war von ihrem Triumph völlig überrascht. „Es ist es unfassbar. Als ich im Ziel war, habe ich gedacht, es muss ein Fehler sein - vielleicht ändern sie die Zeit noch oder ich habe ein Tor ausgelassen. Ich habe davon geträumt, in beiden Sportarten antreten zu dürfen. Das war für diese Saison mein größter Traum. Jetzt kommt als nächstes am 22. die Snowboard-Quali für den Parallelbewerb“, sagte die Pragerin.

In dem von ÖSV-Coach Meinhard Tatschl anspruchsvoll gesetzten Kurs zeigte Ledecka ihre hervorragende Technik und lieferte sich mit Veith einen Hundertstelkrimi. Bei der zweiten Zwischenzeit lag die Tschechin 0,18 Sekunden voran. Der Vorsprung schmolz. Als Ledecka den Zielsprung nicht optimal erwischte, durfte Veith hoffen, doch am Ende entschied eine Hundertstelsekunde den Krimi um Gold. „Wir haben schon gesehen, dass sie schnell fahren kann. Sie ist ein extrem großes Talent“, lobte Veith.

Durch ihre Sensationsfahrt stieß Ledecka auch Lara Gut vom Podest. Die Schweizerin musste sich 0,01 Sekunden hinter Weirather mit „Blech“ begnügen. „Das tut weh, das tut ganz einfach weh. Das ist der Wahnsinn, was sie gemacht hat“, war Gut den Tränen nahe. Weirather war indes erleichtert, eine Medaille geholt zu haben. „Jetzt bin ich einfach überglücklich. Es bedeutet mir alles, weil ich hatte in Sotschi das schlimmste Erlebnis meiner Karriere (kein Start wegen Verletzung, Anm.)“, erklärte die 28-Jährige.

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