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Titelverteidiger in Lauerstellung

Olympia

Titelverteidiger in Lauerstellung

Die Zeit des Wartens ist vorbei – ab sofort steht der Kampf um Gold, Silber, Bronze bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Mittelpunkt aller Diskussionen. Den österreichischen Athleten – 105 an der Zahl, davon 31 aus Tirol – wird einiges zugetraut, Experten rechnen mit 15 Medaillen. Die Spannung steigt jedenfalls und erste Trainingsläufe vermitteln, dass die ÖOC-Athleten diesen Erwartungen auch durchaus gerecht werden könnten.

Matthias Mayer zumindest hat sich schon hervorragend  auf die Olympiaabfahrt der Herren am Sonntag eingestellt. Der Titelverteidiger kam im ersten Training in Jeongseon auf Rang vier. Schnellster war der Kanadier Manuel Osborne-Paradis, der allerdings wie zahlreiche andere Fahrer einen Torfehler beging. Bei rund 20 Grad unter null war es für alle ein erstes Abtasten der Strecke. Zweiter hinter Osborne-Paradis wurde der Norweger Kjetil Jansrud (+ 0,31), Rang drei erreichte der Schweizer Mauro Caviezel (+ 0,45). Zweitbester Österreicher hinter Mayer, der 0,75 Sekunden Rückstand hatte, wurde Max Franz als Sechster (+ 0,94).Vincent Kriechmayr belegte Rang 22 (1,88), Hannes Reichelt Platz 28 (2,08). Marcel Hirscher, der an der Kombination am Dienstag teilnehmen wird, wurde 46. (3,93), Marco Schwarz kam auf Rang 51 (4,35).

„Man muss vom Start bis ins Ziel extrem konzentriert bleiben“, schilderte Sotschi-Olympiasieger Mayer seine ersten Eindrücke. „Es war etwas langsamer, als ich erwartet hatte. Es sind viele Kurven drinnen, es ist sehr technisch. Die Sprünge sind schön gebaut, es ist eine super Strecke. Für das erste Mal war das auf jeden Fall ganz okay, ich wollte eine Besichtigungsfahrt machen, die ist mir gut gelungen. Aber da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.“

Kindl im dritten Anlauf?

Rodler Wolfgang Kindl bestreitet in Südkorea bereits seine dritten Olympischen Spiele, nun soll es erstmals auch mit einer Medaille klappen. Der zweifache Weltmeister aus Tirol ist Mitfavorit im Einsitzer. Für ihn und den Österreichischen Rodelverband (ÖRV) geht es zudem um die Fortsetzung einer tollen Serie.

Seit 1992 ist der ÖRV ein Medaillengarant für Österreich. Auch bei den achten Spielen hintereinander soll diese Serie, die aus allen Sportarten nur noch von den Alpinen (seit 1948 immer eine Medaille für das ÖOC) überboten wird, halten. „Die ersten Spiele waren zum Eingewöhnen, bei den zweiten habe ich gewusst, um was es geht. Jetzt haben sich die Vorzeichen schon ein bisserl geändert“, sagte Kindl.

Und er weiß, wovon er spricht. Seit seinem neunten Platz 2014 in Sotschi hat sich der mittlerweile 29-jährige Tiroler stetig verbessert: 2015 in Sigulda und 2016 in Königssee holte er jeweils WM-Bronze und im Vorjahr, auf seiner Heimatbahn in Innsbruck-Igls, gewann Kindl sogar zweimal WM-Gold (Sprint und Einsitzer). „Wir haben einen extrem wichtigen Schritt im Materialsektor nach vorne gemacht“, sagte der Zweite des Gesamtweltcups und lobte die „super Arbeit“ von Technikchef Tobias Schiegl. „Es ist so wie in der Formel 1, da entwickelt es sich immer weiter, und so ist es im Eiskanal auch.“Und darum redet er auch gar nicht lange darum herum: „Mein Ziel ist sicher, eine Medaille zu gewinnen, alles andere würde man mir nicht glauben. Und wir haben ja mit der Team-Staffel noch eine zweite Chance.“ Österreichs Staffel stand mit einem zweiten und drei dritten Plätzen im abgelaufenen Weltcup gleich viermal auf dem Podest.

Aufwind für ÖSV-Adler

Während Österreichs große Medaillenhoffnung Stefan Kraft sich im ersten Training auf der kleinen Schanze in Alpensia noch nicht so gut zurechtfand, zeigten Michael Hayböck und Manuel Fettner eine dtarke Leistung. Aufwind also für die zuletzt arg gebeutelten ÖSV-Adler. Den besten  Eindruck allerdings hinterließ am Tag vor der Qualifikation für den Samstag-Bewerb Titelverteidiger Kamil Stoch.

Der Pole verzichtete nach den Rängen zwei, eins und drei wie sein ebenfalls immer im Spitzenfeld gelandeter Teamkollege Dawid Kubacki auf den zweiten Übungsblock am Abend. In diesem überraschte der mäßig gestartete Hayböck. Der Oberösterreicher gewann einen Durchgang und landete danach an der zweiten Stelle. Den letzten Sprung ließ dann auch er aus. Im zweiten Trainingsteil waren auch die davor nicht angetretenen Norweger Johann Andre Forfang und Robert Johansson durchwegs vorne dabei.

Die Tageshöchstweite erzielte der Deutsche Andreas Wellinger mit 110,5 Metern im dritten von sechs Durchgängen. Topfavorit Stoch kam bei seinem weitesten Satz auf 108,5, Hayböck auf 108 Meter. Clemens Aigner, der als fünfter Mann in der Qualifikation zuschauen muss, gelang bei seinem besten Versuch ein 15. Rang. Neben Kraft, Fettner und Hayböck nominierte Cheftrainer Heinz Kuttin „nach langer Diskussion“ nämlich Schlierenzauer als vierten Starter.

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