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4.112 Radler trotzten dem Wetter

4.112 Radler trotzten dem Wetter

Vorarlberger Triumph beim Ötztaler

Laila Orenos schafft 5. Sieg

Bild: Ötztal Tourismus/Ricardo Gstrein

Der 38. Ötztaler Rad-Marathon - das war eine großartige Overtüre für den radsportintensiven September in Tirol. Mit einem großen Sieger. Denn der dominierende Marathonfahrer der Saison, Mathias Nothegger, setzte mit diesem Sieg seinem insgesamt tollen Jahr noch die Krone auf. Bei den Damen schaffte die Schweizerin Laila Orenos den fünften Triumph in Folge! Für die größte Überraschung im Ötztal sorgte aber der Armamputierte ehemalige ÖSV-Kombinierer Patrick Hagenaars, der Dritter wurde und sich einen Traum erfüllte.
4.112 Teilnehmer aus 36 Nationen hatten diesen Klassiker für Hobbyradsportler in Angriff genommen, dabei den alles anders als einladenden Witterungsbedingungen getrotzt. Über vier hohe Pässe mit 5.500 Höhenmetern und 238 Kilometern Gesamtlänge waren von den Radsportlern aus allen Teilen der Welt zu bewältigen. Eine Monsteraufgabe. Nach Dauerregen am Samstag war es Sonntag früh beim Start in Sölden feucht kühl bei sieben Grad Celsius. Bis zum Kühtai wurden die Teilnehmer vom Regen begleitet, Richtung Jaufenpass wurden die Straßen endlich trocken.

Gleich nach dem Start in Sölden hatten die Spitzenfahrer aufs Tempo gedrückt und über das Kühtai vermochten sich sieben Spitzenfahrer abzusetzen, wobei nach Innsbruck über den Brenner Pass die Rennsituation ständig variierte. Einzig der italienische Vorjahressieger Stefano Cecchini, sein Landsmann Samuele Porro und der Vorarlberger Mathias Nothegger befanden sich immer in der Spitze. Beim Aufstieg zum Jaufenpass schob sich Patrick Hagenaars aus Brixen im Thale sukzessive nach vor. In Schönau am Fuße des Timmelsjochs lagen Nothegger, Cecchini und Porro in Führung, dahinter Haagenars mit einer Minute Rückstand. Die übrigen Fahrer hatten bis dahin schon mehr als zehn Minuten Rückstand.
 
Bei der Auffahrt zum  Timmelsjoch setzte schließlich Mathias Nothegger alles auf eine Karte, seiner Attacke vermochte niemand zu folgen, und an der Spitze des Timmelsjochs betrug sein Vorsprung auf Samuele Porro bereits über vier Minuten! Schließlich fuhr der Vorarlberger mit einer Zeit von 7:04,02 Stunden einem ungefährdeten Premierensieg entgegen. „Ich hatte einen Traum und den habe ich mir erfüllt. Am Jaufenpass habe ich richtig gelitten, mehr als 270 Watt waren nicht mehr drin. Cecchini hätte ich stärker eingeschätzt. Ich bin überwältigt von diesem Sieg“, jubelte der 39-jährige Bregenzer, der seinen siebenten Saisonsieg feierte. Und sechs Jahre nach dem letzten rot-weiß-roten Sieger Stefan Kirchmair klappte es wieder mit einem österreichischen Triumph. Mit knappen fünf Minuten Rückstand wurde Porro Zweiter: „Ich habe wegen der Kälte sehr gelitten. Leider fiel mir dann am Timmelsjoch die Kette runter. Aber Mathias war der stärkste Fahrer!“
 
Für die Sensation des Tages hatte der ehemalige ÖSV-Athlet in der Nordischen Kombination Patrick Hagenaars gesorgt. Bei seiner fünften Teilnahme kämpfte er sich erstmals auf das Podium. „Rang drei ist der Wahnsinn. Ich bin überwältigt. Normalerweise bin ich ein Schönwetterfahrer, aber es lief einfach perfekt. Das Podium ist ein Traum für mich“, freute sich Haagenars, der seit 2003 nach einem Unfall mit einer Armprothese unterwegs ist. Hinter Hagenaars belegte der Deutsche Andreas Lenz den vierten Platz, der Schweizer Thomas Koep wurde Fünfter. Vorjahressieger Stefano Cecchini brach am Timmelsjoch ein und rettete vor dem Tiroler Daniel Rubisoier gerade noch den achten Platz ins Ziel.
 
Bei den Damen war wieder einmal die Schweizerin Laila Orenos das Maß aller Dinge. Über den Jaufenpass hatte sie sich mit der Tirolerin Nadja Prieling ein spannendes Kopf-an-Kopf-Duell geliefert, doch vor der Labestation am Fuße des 28,7 Kilometer langen Timmelsjochs brach Prieling ein und musste auch Anna Kiesenhofer passieren lassen. Orenos schaffte mit einer Zeit von 8:05,30 Stunden den historischen fünften Sieg in Folge. Die Freude im Ziel war riesengroß: „Es war richtig hart. Der ständige Regen hat das Rennen noch schwerer gemacht. Dieser fünfte Sieg bedeutet mir extrem viel. Ich habe etwas geschafft, was bisher noch niemand vor mir erreicht hat.“ Zweite wurde die junge Niederösterreicherin Kiesenhofer vor der Tirolerin Nadja Prieling aus Reith bei Kitzbühel.
 
Auch die Promidichte war beim 38. Ötztaler Radmarathon wieder beachtlich. Einer der Ersten im Ziel war Ex-Skispringer Andreas Goldberger. Seine Bestzeit mit 8:50 Stunden war wegen der widrigen Bedingungen nicht  zu knacken, dafür „war es zu kalt und durch den Regen waren die Abfahrten sehr gefährlich.“ Im Ziel, nach 9:22 Stunden Fahrzeit, staunte auch Goldi nicht schlecht über den Auftritt und den dritten Platz seines ehemaligen ÖSV-Kollegen Patrick Haagenars: „Diese Leistung ist unglaublich - und das mit nur einer Hand! Ich konnte bei der letzten Abfahrt nach Sölden nicht einmal mit zwei Händen ordentlich bremsen und er fährt mit Prothese aufs Podium.“ Übrigens, mit Team-Olympiasieger Martin Koch war ein zweiter Skispringer am Start. Bei seiner Premiere lieferte der Kärntner eine Zeit von 9:37 Stunden ab. „Das war ein Erlebnis“, sagte Koch im Ziel.
 
Im nächsten Jahr findet die 39. Auflage des Ötztaler Radmarathons am Sonntag, den 1. September 2019, statt. Die Registrierung läuft wie in den letzten Jahren ab 1. Februar 2019 ein Monat lang.

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