Die Höhepunkte im Rückblick

Die Höhepunkte im Rückblick

20. bis 22. 12. 2019

Bild: gepa

ÖSV-Adler mit viel Selbstvertrauen zur Tournee

Österreichs Skispringer dürfen mit viel Selbstvertrauen zur Vierschanzentournee anreisen. Bei der Generalprobe für diese am Samstag 28. Dezember beginnende traditionelle Veranstaltung in Oberstdorf, Garmisch, Innsbruck und Bischofshofen lieferten die Schützlinge von Cheftrainer Andreas Felder in Engelberg eine tolle Vorstellung ab und an der  sehr optimistischen Einstellung vermochte nicht einmal der Sturz von Stefan Kraft etwas zu ändern. Fazit? Ryoyo Kobayashi, der Sieger des zweiten Springens von Engelberg mit 8,9 Punkte Vorsprung auf den Slowenen Prevc,  scheint zwar gerade rechtzeitig vor dem Auftaktspringen in Oberstdorf seine Form wieder gefunden, doch als Team überzeugten die ÖSV-Adler allemal.  Denn knapp hinter dem Slowenen sprang der Österreicher Jan Hörl (siehe Bild) als Dritter zum ersten Mal im Weltcup auf das Podest. Ein Satz auf 136,5 Meter im Finaldurchgang hatte dem Salzburger den Weg zur Topplatzierung geebnet.

Er sprach nach seiner ,,Stockerl“-Premiere von einem „super Gefühl“, und einem großen Gefühl der Freude. „Dass ich hier zum ersten Mal unter die ersten drei gesprungen bin, ist unbeschreiblich“, meinte der Youngster. Vor allem, weil ich zeigen konnte, was ich draufhabe.“

Stefan Kraft, der noch am Samstag im ersten Springen Zweiter geworden war, vergab diesmal als Vierter nach dem ersten Durchgang eine bessere Platzierung mit einem glimpflich verlaufenen Sturz (leichte Prellungen) im Auslauf des zweiten Durchgangs und wurde 18. „Es passt alles. Gott sei Dank war ich gut aufgewärmt und habe gute Knochen“, so der 26-jährige Salzburger. Der Österreicher musste jedoch die Führung im Gesamtweltcup wieder an Tagessieger Kobayashi abgeben und ist 71 Zähler hinter dem Japaner Zweiter.

Für Kraft sprangen die anderen ÖSV-Adler in einem von Regen und wechselnden Windbedingungen geprägten Bewerb mit guten Ergebnissen ein. Daniel Huber als Fünfter und Philipp Aschenwald als Sechster verdeutlichten erneut die mannschaftliche Geschlossenheit im Team. Und mit Gregor Schlierenzauer, der als 30. des ersten Durchgangs gerade noch den Einzug in das Finale geschafft hatte, kam als 15. ein weiterer Österreicher in die Top 15. Michael Hayböck (34.) ist indes weiter auf der Suche nach der Form.

Cheftrainer Andreas Felder sparte nicht mit Lob für seine ,,jungen Wilden“. ,,Sie sind extrem frech gesprungen, hatten aber auch ein wenig Glück mit den Verhältnissen; aber ihre Leistung freut mich extrem.“ Anderseits denkt Felder nicht, dass der Sturz seines Topspringers Auswirkungen auf die anstehende Tournee haben wird. „Der Stefan wird das wegstecken.  Ich bin überzeugt, dass er abschalten kann. “

Henrik siegte mit Wut im Bauch, Schwarz Sechster

Jetzt hat es also auch Henrik Kristoffersen geschafft! Mit dem hart erkämpften Sieg in Alta Badia krönte er sich  zum  Nachfolger von Marcel Hirscher. Der Norweger war auf verkürzter Strecke nach Platz sechs im ersten Lauf mit einem wahren Kraftakt noch zu seinem 20. Weltcup-Erfolg an die Spitze des Klassments gestürmt.  Platz zwei ging mit 0,31 Sek. Rückstand sensationell an den Franzosen Cyprien Sarrazin, der mit Laufbestzeit in der Entscheidung von Platz 22 noch den Sprung auf das Stockerl schaffte. Dritter wurde der Slowene Zan Kranjec (+ 0,39 Sek.). Der zur Halbzeit Führend  Leif Kristian Nestvold-Haugen (N) war im zweiten Durchgang auf den elften Platz zurückgefallen. Besonders erfreulich - mit Marco Schwarz (+ 0,88 Sek.) schaffte es als Sechster (Bild) im dritten Saison-RTL auch ein Österreicher ins Spitzenfeld.

Der Klassiker auf der Gran Risa war so spannend wie selten, was auch an den schwierigen Pistenverhältnissen lag. Der spätere Sieger hatte nach Platz sechs im ersten Durchgang noch über den Zustand der Strecke geschimpft und sogar davon gesprochen, dass sie gefährlich sei. Danach klang das alles ganz anders. ,,Es war ein guter Lauf, vielleicht der schwierigste Riesentorlauf in meinem Leben", sagte Kristoffersen, der hier als erster Norweger überhaupt einen RTL  gewinnen konnte. Und mit dem Sieg im Rücken sah er auch die äußeren Umstände des ersten Laufes nicht mehr ganz so kritisch.

Schwarz wiederum durfte sich in seinem zweiten Riesentorlauf nach seinem Kreuzbandriss als Sechster über das bisher beste Ergebnis in dieser Disziplin seiner Karriere freuen. Der Kärntner hatte bereits im ersten Durchgang bei dichtem Schneefall mit Rang vier ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben.  „Es war richtig schwierig, schlagig von oben bis unten. Von dem her bin ich sehr zufrieden mit dem sechsten Platz“, sagte Schwarz, „wenn mir das vorher wer gesagt hätte, hätte ich es sofort genommen. Gewisse Passagen muss ich mir noch bisschen mehr zutrauen, dann pfeift es wieder. Das Knie hat auch gut gehalten.“

Wie ein Sieger fühlte sich auch der zweitplatzierte Sarrazin. „Ich mag diese Strecke, aber dieses Ergebnis habe ich nicht erwartet. Es tut sehr gut, dass man nach zwei schwierigen Jahren wieder zurück ist. Das macht mich sehr froh“, sagte der 21-jährige Überraschungsmann. Für Sarrazin erwies sich Alta Badia erneut als guter Boden. Vor drei Jahren hatte der Franzose beim Parallel-RTL seinen ersten Weltcup-Sieg gefeiert. Die Chance zur Wiederholung gibt es schon am Montag. 

Haie mit einer bitteren Heimpleite

So etwas nennt man im Eishockey-Sport einen klassischen ,,Ausrutscher“. 59,33 Sekunden lang waren die Innsbrucker Haie gegen Graz die bessere Mannschaft mit mehr Schüssen, mehr Chancen um dann doch noch zu verlieren. Daniel Oberkofler war 23 Sekunden vor dem Ende der Schütze des entscheidenden Treffers für die Steirer, nachdem die Gastgeber vor gut gefüllten Rängen 25 Sekunden zuvor den vielbejubelten Ausgleich zum 2:2 erzielt hatten. Anstatt dieses Ergebnis zu sichern und damit einen Punkt zu retten, liefen die Gastgeber einmal mehr in einen Konter; wie schon beim 1:2, als ein schwerer Abwehrfehler den Grazer die Führung ermöglicht hatte.

Nachdem die Haie einige Möglichkeiten nicht genutzt hatten, überschlugen sich in der letzten Minute die Ereignisse. Erst traf Thörnberg zum 2:2 und dann – wie beschrieben – nur wenige Sekunden später Oberkofler zum bitteren Endstand.

Dabei wäre genau an diesem Abend der so wichtige dritte Sieg in Serie (nach dem Triumph über den KAC und dem Erfolg in Fehervar) durchaus möglich gewesen, drei Zähler unter dem Weihnachtsbaum hätten das Fest für die Fans und die Spieler selbst bestimmt lustiger gestaltet. Von Weihnachtsfrieden kann im eishockey aber ohnehin keine Rede sein – schon am 26. Dezember, steht das nächste Heimspiel auf dem Programm, da empfangen die Haie Dornbirn.

   

Die Ergebnisse: HC Innsbruck – Graz 2:3, Zojmo – Dornbirn 5:2, Wien – Salzburg 2:3, KAC – Fehervar 1:2, Linz – Villach 5:7. 

Riiber – das Imperium schlug zurück

Die Freude der Konkurrenz dauerte gerade einmal 24 Stunden – dann hatte Jarl Magnus Riiber die Hierarchie in der Nordischen Kombination wieder zurecht gerückt. Standesgemäß sozusagen. Die norwegischen Kombinierer feierten im zweiten Bewerb in der steirischen Ramsau einen Doppelerfolg. Jarl Magnus Riiber sprang und lief im siebenten Saisonrennen vor Landsmann Jörgen Graabak zu seinem sechsten Sieg. Der deutsche Vortagessieger Vinzenz Geiger musste sich diesmal mit Rang drei zufrieden geben. Als erneut bester Österreicher kombinierte sich der Tiroler Lukas Greiderer auf den fünften Platz; verbesserte sich also im Vergleich zum Auftakt um einen Rang. 

Für ÖSV-Ski-Crosser gab es nichts zu gewinnen

Mit einem Tag Verspätung gab es für die Ski-Crosser in Innichen doch noch ein Rennen. Beim Sieg des Schweizers Joos Berry und seiner Landsfrau Fanny Smith blieben dem ÖSV-Skicross-Team im letzten Weltcuprennen in diesem Kalenderjahr Podestplätze verwehrt. Für das beste Resultat aus rot-weiß-roter Sicht sorgte der Oberösterreicher Daniel Traxler, der als Dritter seines Viertelfinal-Heats Gesamt-Neunter wurde. Der Tiroler Christoph Wahrstötter erreichte ebenfalls die Runde der letzten 16 und belegte in der Endabrechnung Platz 15. Bei den Damen landete die Steirerin Katrin Ofner als Dritte ihres Viertelfinal-Heats auf dem zehnten Gesamtrang.        

HYPO-Volleyballer sorgten für neuen Rekord

Dieses Match wird für die Geschichtsbücher der Deutschen Volleyball-Liga wohl ein besonderes Kapitel abgeben. Denn beim 3:1-(25:21, 24:26, 50:48, 25:22)-Sieg der Hypo Tirol Alpenvolleys über Lüneburg hatten sich die beiden Tabellen-Nachbarn (drei gegen vier) vor allem im dritten Abschnitt einen unglaublichen, ja historischen  Schlagabtausch geliefert. Erst der 50. Punkt machte dabei den Satzgewinn für die Tiroler perfekt. Danach hatte sich die Chrtiansky-Truppe das Spiel nicht mehr aus der Hand nehmen lassen. Nun geht es in die wohlverdiente Weihnachtspause – die Meisterschaft wird erst am 15. Jänner beim TV Rottenburg fortgesetzt.

Als hätten es die Moderatoren geahnt, die in der Pause vor dem dritten Durchgang den Vereinssong der AlpenVolleys abspielten: „Wir schreiben Geschichte“. Und es war tatsächlich Geschichte was die beiden Mannschaften im dritten Satz ablieferten. Ungläubig starten die Fans auf die Anzeigetafel! Bundesligarekord seit Bestehen der neuen Regel, dass nicht nur bei eigenem Aufschlag gepunktet werden darf. Mit 50:48 sicherten sich die AlpenVolleys angeführt vom starken Kapitän Daniel Koncal, der für Danilo Gelinski kam, den dritten Satz. Der Vierte war dann nur noch Formsache, mit 25:22 und somit mit 3:1 in Sätzen gewinnen die AlpenVolleys das letzte Spiel in diesem Jahr und bleiben damit auf Platz drei. Durch die Niederlage des VfB Friedrichshafen bei den powervolleys Düren rücken die AlpenVolleys bis auf zwei Zähler an das Spitzenduo heran.

Zwei Marathon-Männer im HYPO-Dress - Pedro Frances und Niklas Kronthaler. Copyright: gepa

Immer wieder Johannes Thingnes Bö

Der Mann ist einfach nicht zu stoppen - Johannes Thingnes Bö hat nach der Verfolgung auch den ersten Massenstart der Saison im französischen Le Grand Bornand  gewonnen. Für den Norweger, der einmal in die Strafrunde musste, war es bereits der fünfte Saisonsieg. Bei Dauerregen und schwierigen Loipenbedingungen komplettierten der Franzose Emilien Jacquelin (+42.1 sec.) und der Norweger Tarjei Bö (+51.8 sec) das Podest, die allesamt ebenfalls einen Fehlschuss verzeichneten.        

Für die ÖSV-Herren verlief wenigstens das letzte Rennen vor der Weihnachtspause einigermaßen zufriedenstellend. Simon Eder landete mit einer Strafrunde auf Rang acht (+2:00.6 min.) und sorgte damit für das beste rot-weiß-rote Saisonergebnis. Mit dem Tiroler Felix Leitner, der zwei Scheiben verfehlte und Zwölfter wurde, schaffte es ein weiterer Österreicher in die Top-15. Julian Eberhard beendete den Massenstart nach sieben Strafrunden auf Rang 22.     

Das sagten  sie nach dem Rennen:        

Simon Eder: „Schön, dass es sich ausgezahlt hat nach Frankreich zu reisen. Das hatte ich ja erst Anfang der Woche entschieden. Mit einem Top-Ten-Ergebnis geht man natürlich etwas leichter in die Weihnachtsferien."             

Felix Leitner: „Im Grunde war es ein gutes Rennen und ich bin zufrieden. Auch wenn ich mit einem Fehler begonnen habe, war die Schießleistung in Ordnung. Ich hatte einen super Ski und konnte das Tempo der Läufer vor mir immer gut mitgehen.“  

Was bei den Herren Bö, ist bei den Damen Tiril Eckhoff. Die Norwegerin feierte im Massenstart – vor Dorothea Wierer und Linn Persson (Schwen) -  ihren vierten Sieg in Folge. Und auch Lisa Hauser – wie Simon Eder - schloss das Jahr 2019 mit einem Top-Ten-Platz ab. Österreichs einzige Vertreterin im 30-köpfigen Starterfeld klassierte sich beim ersten Massenstart der Saison mit zwei Fehlern auf Rang neun (+1:46.9 min.).     

Lisa Hauser: ,, Ein Top-Ten-Platz vor Weihnachten; damit kann ich etwas lockerer  in die Pause gehen. Jetzt heißt es in Ruhe trainieren und am Formaufbau arbeiten, damit ich im Jänner wieder fit bin."        

Luca Hämmerle schwer gestürzt

Vor heimischen Publikum im Montafon hatte Alessandro Hämmerle als Sieger noch gejubelt, beim  Snowboard-Cross-Weltcup in Cervinia landete der Vorarlberger diesmal auf Rang sieben. Hämmerle war  im Halbfinale ausgeschieden, hatte sich aber den Sieg im kleinen Finale vor seinem Landsmann Jakob Dusek geholt. Bei den Damen war Österreichs Vertreterin Katharina Neussner wegen Magen-Darm-Problemen nicht angetreten. Die Siege gingen mit Olympiasiegerin Michela Moioli und erstmals Lorenzo Sommariva an Lokalmatadore aus Italien. Die nächsten Rennen folgen erst am 25. Jänner in Big White in Kanada.

Der Bewerb in Cervinia war von einem schweren Sturz von Luca Hämmerle, Bruder von Alessandro,  überschattet worden. Der Vorarlberger war im Viertelfinale bei der Zieldurchfahrt zu Sturz gekommen und hatte noch an der Strecke medizinisch versorgt werden. Wie sich nach eingehenden Untersuchungen im Krankenhaus von Aosta herausgestellt hatte, erlitt der 23-Jährige bei dem Sturz eine Gehirnerschütterung.

Deutsches Duo stoppte den ,,Unschlagbaren“

Nichts ist es also geworden mit dem ersten Podestplatz für Österreichs Kombinierer. Da konnte auch der Heimvorteil in der Ramsau nicht helfen. Eine andere Serie ging dafür in der Steiermark zu Ende und zwar jene des bis zu diesem Wochenende für unschlagbar gehaltenen  Jarl Magnus Riiber. Der Norweger, der die ersten fünf Saisonbewerbe für sich entschieden hatte, musste sich dem Deutschen Vinzenz Geiger bei schwierigen Verhältnissen um 1,6 Sekunden geschlagen geben. Dritter wurde Geigers Landsmann Fabian Rießle (+5,8 Sek.). Bester Österreicher war Lukas Greiderer (+13,7 Sek.) als Sechster. Weltcup-Punkte gab es noch für Thomas Jöbstl (10./50,4), Lukas Klapfer (11./52,8), Franz-Josef Rehrl (19./1:40,3), Philipp Orter (21./1:56,8), Johannes Lamparter (26./2:24,0) und Bernhard Gruber (27./2:25,1).

Erst kurz vor dem Start des Langlaufs hatte es leicht zu schneien begonnen. Mit Fortlauf des Rennens wurde der Schneefall immer heftiger und die Bedingungen für die Läufer damit immer schwieriger. Sieger Geiger, der nach dem Springen an zehnter Stelle lag, startete mit Rießle (Neunter nach dem Springen) eine Aufholjagd auf den von Platz zwei in die Loipe gestarteten Riiber. Die beiden Deutschen pushten sich gegenseitig und hatten Riiber etwa nach sieben Kilometern eingeholt.

„Ich habe mich sehr gut gefühlt. Der Fabian und ich konnten sehr gut zusammenarbeiten. Zum Schluss habe ich einfach probiert, Vollgas zu laufen. Es hat geklappt“, sagte Geiger nach dem Rennen. Zu den schwierigen Verhältnissen: ,,Beim Zieleinlauf ist das Schneetreiben so dicht gewesen, dass ich nichts mehr gesehen habe.“

Der beste Österreicher Greiderer war unmittelbar nach dem Rennen zu erschöpft, um ein Interview zu geben. Sein ÖSV-Teamkollege Jöbstl beschrieb den Bewerb mehrmals als „brutal“. „Es war kein Rennen, sondern mehr eine Schlacht.“

„Ein Wahnsinn, solche Rennen haben wir nur selten“, bestätigte auch Greiderer, der sich gegenüber dem Springen um einen Platz verbesserte, nachdem er sich erholt hatte. „Ich habe mich etwas weiter vorne gesehen, aber nach einem sechsten Platz brauche ich nicht zu meckern“, sagte der 26-Jährige Tiroler, dem die zunächst völlig nassen Hände eingefroren waren.

Kraft - oder wenn ein Trikot Flügel verleiht

Die Vierschanzentournee kann kommen, Österreichs Adler sind bereit. Vor allem Stefan Kraft. Der Salzburger hatte im vorletzten Bewerb vor der Tournee seinen zweiten Saisonsieg nur knapp verpasst, hatte sich in Engelberg dem Polen Kamil Stoch um 1,7 Punkte geschlagen geben müssen. Das reichte aber auf alle Fälle für die vorübergehende Führung Weltcup vor dem Japaner Ryoyo Kobayashi.

„Das beflügelt natürlich schon, dieses gelbe Trikot“, meinte Stefan Kraft im Anschluss an das spannende Springen. „Das war ein genialer Tag auf der Schanze.“ Schon in der Qualifikation sei ihm mit 138,5 Metern eine „richtige Rakete“ gelungen. „Ich komme von Wochenende zu Wochenende immer besser in Schwung. Im Moment funktionieren die Sprünge sehr gut.“

Stoch, schon zur Halbzeit nach Tageshöchstweite von 138,0 Metern in Führung, hielt in der Entscheidung auf der Gross-Titlis-Schanze Kraft (134,5 bzw. 137,5 m) mit einem Sprung auf 136,0 Metern doch noch auf Distanz. Der Pole durfte sich damit über seinen ersten Erfolg in dieser Saison freuen. Für den 32-Jährigen, der zuletzt im vergangenen Februar in Lahti gewonnen hatte, war es der insgesamt 34. Sieg seiner Karriere.

Mit Daniel Huber auf Rang sieben schaffte es in Engelberg ein zweiter Österreicher in die Top Ten. Auch er war glücklich mit dem Abschneiden im ersten von zwei Bewerben in der Schweiz. „Ich bin sehr froh, dass mir der Wettergott mit der ausgefallenen Quali den zusätzlichen Ruhetag geschenkt hat. Ich war in den letzten Tagen ziemlich verkühlt und war mir nicht sicher, ob ich hierher nach Engelberg kommen soll. Aber dann war ich fit genug, und mit dem siebenten Platz bin ich sehr zufrieden“, sagte der Salzburger.

Philipp Aschenwald als 14., Michael Hayböck auf Platz 18 und Jan Hörl als 20. holten ebenfalls Weltcup-Punkte. Gregor Schlierenzauer hatte als 37. die Entscheidung verpasst.

Cheftrainer Andreas Felder:  ,,Ein großes Lob an Stefan. Er und Kamil Stoch haben sich in dieser Konkurrenz vom Rest des Feldes abgesetzt. Mannschaftlich bin ich sehr zufrieden. Der Weg Richtung Tournee stimmt."

Kriechmayrs Geduld hat sich gelohnt

Zwei, drei, eins! So könnte man die Erfolgsformel für Vincent Kriechmayr beschreiben. Denn nach Rang zwei in der Abfahrt von Beaver Creek und Platz drei im Super-G von Lake Louise hat es für den Oberösterreicher in Gröden mit dem ersten Saisonsieg geklappt. Der 28-jährige triumphierte im von widrigen Witterungsverhältnissen beeinträchtigten Super-G und holte sich mit einem Vorsprung von 0,05 Sekunden seinen fünften Weltcup-Erfolg. Amtlich war der Sieg allerdings erst nach weit über drei Stunden, da das Rennen wegen Nebels am Rande des Abbruchs stand.

Kriechmayr war nach den zwei Unterbrechungen (einmal  47 Minuten und dann über eineinhalb Stunden) ziemlich erschöpft. „Sie wollten das Rennen durchdrücken, weil die Prognose für die Abfahrt schlecht ist. Aber natürlich bin ich froh, gewonnen zu haben,  auch wenn es nicht angenehm war, so lange im Zielraum zu warten. Wie auch immer, die Gedul hat sich gelohnt“, strahlte der Sieger.

Die Jury hatte das Rennen nach 48 von 64 Läufern und einbrechender Dunkelheit um 15.30 Uhr beendet – 3:40 Stunden nach dem Start. Auf Rang zwei landete schließlich der Norweger Kjetil Jansrud. Der zweifache Super-G-Sieger auf der Saslong lag bei der letzten Zwischenzeit noch klar voran, verlor im unteren Teil aber fast vier Zehntelsekunden auf Kriechmayr. Rang drei ging an den Deutschen Thomas Dreßen (+0,22). Der 26-Jährige, der nach seiner schweren Knieverletzung seine Comebacksaison bestreitet, holte nach seinem Abfahrtssieg in Lake Louise das nächste Topergebnis.

Zweitbester Österreicher wurde Hannes Reichelt. Der von einem Magen-Darm-Virus geschwächte Salzburger belegte hinter dem Schweizer Mauro Caviezel (0,35) und dem Südtiroler Dominik Paris (0,36) den sechsten Platz (0,38).

Biathlon – Fehlschussorgien bremsen ÖSV-Athleten

Zumindest in den Verfolgungsrennen war Frankreich für Österreichs Biathleten keine Reise wert. Während der Norweger Johannes Thingnes Bö in Le Grand-Bornand seinen 41. Weltcup-Erfolg (vor dem Franzosen Quentin Fillon Maillet und seinem Landsmann Vetle Sjastad Christiansen) feierte, hatten die ÖSV-Athleten mit dem Ausgang des Verfolgungs-Rennens nichts zu tun.  Bei den Damen holte sich die Norwegerin Tiril Eckhoff den dritten Sieg in Folge.

Die Österreicher waren wieder einmal an ihren schwachen Leistungen am Schießstand gescheitert. Julian Eberhard fiel nach fünf Strafrunden vom zehnten auf den 16. Platz (2:32,7) zurück. Simon Eder hielt seinen Rang vom Sprint und wurde 26. (3/3:06,4). Felix Leitner kam als 45. (3/4:19,2) ins Ziel, Dominik Landertinger als 52. (2/5:24,6). Eberhard hatte sich zwar einmal mehr in der Loipe stark präsentiert, verspielte seine Chancen aber schon mit zwei Fehlern im ersten Liegend-Anschlag.

In der Damen-Verfolgung feierte Tiril Eckhoff ihren dritten Sieg in Serie. Die Norwegerin gewann mit zwei Strafrunden überlegen vor ihrer Landsfrau Ingrid Landmark Tandrevold und der Schweizerin Lena Häcki, die ebenfalls zwei Scheiben verfehlt hatten. Wie bei den Herren,. Lief es auch für Österreichs Damen nicht nach Wunsch. Lisa Hauser fiel mit vier Schießfehlern als beste Österreicherin vom 13. Sprintrang an die 30. Stelle zurück., Katharina Innerhofer (34.) und Christina Rieder (44.) waren ebenso chancenlos.

Iwabuchi holt BigAir-Weltcup

Während Anna Gasser ein Training am Kreischberg dem Finale im BigAir-Weltcup vorgezogen hatte, holte  die Japanerin Reira Iwabuchi ihren zweiten Weltcupsieg. Iwabuchi gewann aber nicht nur die Konkurrenz in Atlanta -  im ,,Sun Trust Park“, dem 40.000 Zuschauer fassenden Heimstadion der Atlanta Braves (Major League Baseball) - sondern damit auch die Gesamtwertung im BigAir.  Gasser, die bei ihren beiden Antritten Podestplätze geschafft hatte, landete an der fünften Stelle.

Bei den Herren setzte sich der US-Amerikaner Chris Corning vor dem Kanadier Nicolas Laframboise und dem Japaner Ryoma Kimata durch. Mit 3.200 Punkten gewann Corning auch souverän die Gesamtwertung.

Nützte Gassers (rechts im Bild) Abwesenheit zum Doppelschlag – die Japanerin Reira Iwabuchi (Mitte).  Copyright: gepa

Weltcup im Wetterchaos – es schneite Absagen

Wer sich auf die spektakulären Sprünge über die Kamelbuckel auf der Saslong oder die ,,wilden Ritte“  auf ,,Ciaslat“ gefreut hatte, wurde am Samstag genauso enttäuscht wie jene Skifans, die via TV das Duell der ÖSV-Mädels mit der Abfahrts-Konkurrenz aus der Schweiz oder Italien in Val d’Isere sehen wollten. Denn einmal mehr hatte ein Wetterchaos da wie dort dazu geführt, dass die beiden traditionellen Skirennen abgesagt werden mussten. Neuschnee und Wind in den oberen Abschnitten, Regen im Zielbereich, Nebel – Absagen waren die einzig logische, weil richtige Konsequenz gewesen.

Und weil aller schlechten Dinge an diesem Wochende scheinbar drei waren, hatten auch die verantwortlichen des Ski-Cross-Weltcups im Südtiroler Innichen die Rennen wegen zu viel Neuschnee absagen müssen. Dort kam wenigstens das Qualifikationsergebnis vom Freitag in die Wertung, die Sieger waren damit der Kanadier Kevin Drury sowie die Französin Marielle Berger Sabbatel. Beste Österreicher? Katrin Ofner bzw. Sandro Siebenhofer jeweils auf Rang zehn.

„Es ist ein richtiges Sauwetter. Sogar schlechter als vorhergesagt. Ein normales Rennen wäre absolut nicht möglich gewesen. Vier, fünf Tage so ein miserables  Wetter haben wir noch nie gehabt. Aber das ist die Natur, das müssen wir akzeptieren“, erklärte FIS-Renndirektor Markus Waldner die Absage von Gröden. Ähnlich  die Erklärung aus Val d’Isere: ,,Die Absage ist absolut gerechtfertigt. Alles andere hätte mich ein bisschen verwundert“, sagte  ORF-Expertin Alexandra Meissnitzer. „Man hatte schon in der Früh gesehen, dass es an manchen Stellen bei dem einen oder anderen Schwung von der Piste her problematisch werden könnte. Es gibt keinen kompakten Untergrund. Das wäre vom Sicherheitsaspekt – vor allem für die höheren Nummern – nicht in Ordnung gewesen.“

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