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Mehr als Sport

Tour of the Alps 16. – 20. April 

Mehr als Sport

Die Highlights der Tour of the Alps und wie ein Sportereignis Kulturen verbinden kann.

Text: Eva Schwienbacher, Aufmacherbild: Manfred Jarisch

Der Startschuss für die Tour of the Alps ist gefallen. sport.tirol wirft einen Blick auf die Highlights der Tour, ihre Entstehung und ihre Bedeutung für die Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino.  

„Das Spezielle an der Tour of the Alps ist, dass alle fünf Etappen sehr anspruchsvoll sind –nicht wegen ihrer Länge, sondern wegen der technischen Herausforderungen der einzelnen Rennen“, beschreibt Giacomo Santini, Präsident der G. S. Alto Garda, Veranstalter der Tour of the Alps. „Es sind kurze und nervöse Etappen, das heißt mit anspruchsvollen Anstiegen. Das zeichnet ein modernes Etappenrennen aus.“

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr geht die Tour of the Alps nun zum zweiten Mal über die Bühne. Während sie 2017 von Norden nach Süden führte, startet die Rundfahrt heuer in Arco am Gardasee. Sie bringt das Starterfeld durch Südtirol und Osttirol und endet in Innsbruck, der Host City der Straßenrad-WM 2018. 

Insgesamt sind 20 Mannschaften am Start, davon neun World Teams. Radgrößen wie der vierfache Tour-de-France-Gewinner Chris Froome, der Franzose Thibaut Pinot oder der Italiener Fabio Aru komplettieren das ohnehin schon sagenhafte Starterfeld. Auch aufstrebende Athleten zweier Continental Teams, darunter das Tirol Cycling Team, sind neben den bekannten Radprofis dabei. 

Franz Theurl, Obmann des TVB Osttirol, Giacomo Santini, Präsident der G. S. Alto Garda und Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung © EXPA

Vom Giro zur Tour

Die Tour of the Alps steht unter der Schirmherrschaft der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino. Sie ist das Nachfolgerennen des Giro del Trentino, des beliebten Radklassikers, der bis 2016 insgesamt 40 Mal stattfand. Die Idee, den Giro del Trentino in ein Regionen verbindendes Sportevent umzugestalten, entstand auch aufgrund der guten Erfahrungen, die die Veranstalter in Osttirol machten. 

Denn während der Giro del Trentnio zu Beginn ausschließlich im Trentino stattfand, führte er in den letzten Jahren auch nach Osttirol. „Wir haben unvergessliche Momente in Lienz erlebt“, beschreibt Santini. „So entstand der Wunsch, das Rennen auszuweiten. Außerdem brauchte es nach 40 Jahren eine Veränderung, damit die Rennen spannend bleiben und die sportliche und soziale Botschaft des Sportereignisses weiter verbreitet wird.“  

Verbindender Charakter

Giacomo Santini war von 1994 bis 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments und beschäftigte sich in dieser Zeit intensiv mit dem Interreg-Programm der EU, einem Programm zur Förderung grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Dabei sei er sich des verbindenden Charakters des Giro del Trentino bewusst geworden. „Der Sport ist eine Sprache, die sich am einfachsten unter allen Menschen verbreiten lässt – samt der Werte, die er vertritt.“ Daher zögerte Santini nicht lange, als sich die Chance ergab, den Giro del Trentino zu einem gemeinsamen Projekt der Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino zu machen. „Die drei Regionen der Euregio unter dem Namen Tour of the Alps zu vereinen, bringt viele wichtige politische und historische Aspekte in das Rennen.“ 

 „Der Sport ist eine Sprache, die sich am einfachsten unter allen Menschen verbreiten lässt – samt der Werte, die er vertritt.“ Giacomo Santini

Auch die einzelnen Regionen als wichtige Tourismusregionen in den Alpen profitieren von dem Sportereignis, sagt Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung: „Die Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino hat die stärkste Position im Alpentourismus. Unsere Länder verbindet eine gemeinsame Lebenskultur und Geschichte sowie eine hohe Qualität des Angebots. Daher macht es Sinn, unsere Kräfte bei Projekten wie der Tour of the Alps zu bündeln, um gemeinsam einen deutlich wirkungsvolleren Auftritt als Tourismusregionen auf der internationalen Bühne zu erzielen. Außerdem festigen wir damit unsere Position als Raddestinationen.“ 

Matthias Fink, Vertreter des Landes Tirol in der Europaregion, bezeichnet die Tour of the Alps als Leuchtturmprojekt, das Vorbild für weitere Projekte sein kann und zur Bekanntheit der Euregio beiträgt: „Der Sport bietet eine ideale Grundlage, auch die Bevölkerung für die Europaregion zu begeistern und in dieses Zukunftsprojekt einzubinden“, sagt Fink. „Die Tour of the Alps bietet zudem die Chance, über die intensive Zusammenarbeit der Landestourismusgesellschaften Wegbereiter für weitere Euregio-Kooperationen im Bereich Sport und Tourismus zu sein. Durch die internationale Berichterstattung wird die Euregio weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.“

Anspruchsvolle Strecken

Ein Blick auf die Streckenprofile zeigt, dass es der zweite Renntag (Dienstag, 17. April) besonders in sich hat: Das Rennen startet in Lavarone im Trentino und endet auf der Alpe di Pampeago im Fleimstal – der Anstieg hat sich bereits beim Giro d’Italia und beim Giro del Trentino einen Namen gemacht. „Die Gesamtwertung wird hier bestimmt noch einmal durcheinandergewürfelt, aber gewiss nicht die definitive sein. Die letzten beiden Etappen in Tirol bringen sicher Überraschungen“, lautet die Einschätzung von Santini. „Speziell auf der finalen Etappe, die auf Teilen der WM-Strecke nach Innsbruck führt, kann es ganz plötzliche Ausreißer geben."

Der Fahrertross beim Überqueren der Innbrücke – 2017 endete die erste Etappe der Tour of the Alps auf der Hungerburg in Innsbruck. © Innsbruck Tourismus - Tom Bause

Insgesamt erwarten die Fahrer 714,3 Kilometer, 13.100 Höhenmeter und zehn Bergwertungen. Letztendlich hängt die Härte der Rennen jedoch ganz von den Teilnehmern ab, sagt Santini. „Es gibt ein bekanntes Sprichwort im Radsport, das besagt, dass es die Fahrer sind, die das Rennen machen.“ So kann eine vermeintlich leichte Etappe dank kampflustiger Athleten noch in einem heißen Kopf-an-Kopf-Rennen enden.

Qual der Wahl

Die Festlegung der Rennen durch die Regionen war allerdings kein leichtes Unterfangen. „Wir hatten die Qual der Wahl“, so Santini. Die Organisatoren mussten darauf achten, dass die Rennen nicht zu hart wurden. Deshalb wurde zunächst eine gleichmäßige Route durch alle drei Regionen geplant. Wichtig war dabei, allzu lange Transfers zwischen dem Ziel- und dem nächsten Startort zu vermeiden. In einem zweiten Schritt ging es darum, Anstiege und neue, interessante Passagen einzubauen, um dem Rennen die gewisse Würze zu verleihen. Schließlich sollten auch die landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten der Regionen sichtbar werden – was in Anbetracht der Highlights, an denen die Rennen jetzt vorbeiführen, definitiv gelungen ist.

Vorgeschmack auf die WM

Der große Erfolg des Giro del Trentino und jetzt der Tour of the Alps liegt aber nicht nur am einzigartigen Streckenverlauf, sondern auch am Zeitpunkt des Etappenrennens nur wenige Wochen vor dem legendären Giro d’Italia. „Die Besten aus dem Radsport sind dabei, um sich zum einen den Sieg zu holen und zum anderen auf die zweitwichtigste Länderrundfahrt vorzubereiten.“ 

Viele Top-Athleten nutzen außerdem die Gelegenheit, sich einen Eindruck davon zu machen, was sie bei der WM im Herbst erwartet. Denn die finale Etappe (Freitag, 20. April) führt von Rattenberg über Mariastein und Alpbach nach Innsbruck und enthält wichtige Passagen der Rad-WM-Strecke. Auch Innsbruck-Tirol als Austragungsregion kommt das internationale Rennen zugute, so Josef Margreiter: „Für viele Mitwirkende ist die Tour of the Alps ein ‚Fitnessprogramm‘ für die Abwicklung der WM und eine erste Möglichkeit, die Radsportbegeisterung in der heimischen Bevölkerung zu fördern.“ Auch das Logo der Tour orientiert sich an jenem der Rad-WM. „Dadurch können sich die beiden Veranstaltungen gegenseitig mit kommunikativer Kraft aufladen und eine nachhaltige Werbewirkung wird gesichert“, so Margreiter.  

Im Zeichen der UCI-Straßenrad-WM 2018: In Rattenberg, dem Startort für das Einzelzeitfahren der Herren Elite bei der Rad-WM im Herbst, geht die finale Etappe der Tour of the Alps 2018 los.

In Erinnerung an Scarponi

Im Gedenken an den Italiener Michele Scarponi, der 2017 wenige Tage nach seinem Sieg bei der ersten Etappe der Tour of the Alps tödlich verunglückte, wird es außerdem eine neue Auszeichnung geben: den Preis „Team Up“. Die Tour will damit Vereine auszeichnen, die in den jeweiligen Startorten ehrenamtlich tätig sind und sich in puncto Großzügigkeit und Solidarität verdient gemacht haben.

Nur wenige Tage nach Ende der Tour of the Alps 2017 und seinem Etappensieg in Innsbruck, verunglückte Michele Scarponi vom Team Astana bei einem Verkehrsunfall in seiner Heimatgemeinde tödlich. Der für Scarponi ins Leben gerufene Preis "Team Up" wird bei der diesjährigen Tour an den Italiener erinnern. 

Die Europaregion wurde 2011 als ein Europäischer Verbund territorialer Zusammenarbeit vom Bundesland Tirol und den autonomen Provinzen Bozen und Trient gegründet. Die drei Regionen sind nicht nur durch die Geschichte, sondern auch durch die einzigartige Lage im Herzen der Alpen verbunden. 


Über die Staatsgrenzen hinaus stellen sich die drei Regionen gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft und arbeiten grenzüberschreitend an Themen wie Mobilität, Kultur, Forschung oder Jugend, um neue Chancen und einen spürbaren Mehrwert für die Bevölkerung der Europaregion zu schaffen. Die zweite Ausgabe der „Tour of the Alps“ wird zum Botschafter für die nachhaltige Mobilität und die Gesundheitsvorsorge in den drei Regionen.


Informationen zur Strecke finden sie hier.

© Manfred Jarisch, Tour of the Alps 2017

© 2017 Tirol Werbung