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Prinoth: Die Pistenprofis

TirolBerg

Prinoth: Die Pistenprofis

Jede Piste ist anders

Text: Eva-Maria Hotter, Bild: Manfred Jarisch

Wenn sich während der FIS Alpinen Ski-WM in St. Moritz im TirolBerg Spitzensportler und Unternehmer treffen, ist auch der Pistenfahrzeughersteller Prinoth am Start. Der TirolBerg-Partner zählt seit Jahrzehnten zu den internationalen Experten im Bereich Pistenpräparierung. 

Langsam öffnet sich ratternd ein Garagentor. Es ist vier Uhr morgens. In einem flachen Gebäude neben der Talstation Resterhöhe in Kitzbühel brennt bereits Licht. Eine orange Warnlampe neben dem Tor beginnt zu blinken. Das Pistengerät vom Typ Leitwolf setzt sich in Bewegung. Prinoth, der Pistenfahrzeughersteller mit Standorten in Nord- und Südtirol, zählt bereits seit über 50 Jahren international zu den Experten für Pistenpräparierung. Die jahrelange Erfahrung und das Know-how sammelt das Unternehmen in der täglichen Arbeit, aber auch bei Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen oder Weltcup-Rennen, zum Beispiel bei der WM in Vail/Beaver Creek, den Olympischen Winterspielen in Sotschi oder den Youth Olympic Games in Lillehammer — und zuletzt beim FIS-Rennen auf der Resterhöhe in Kitzbühel am 3. und am 4. Dezember 2016. 

Arbeitsplatz mit Ausblick

In der Morgendämmerung präpariert der Leitwolf die Pisten auf der Resterhöhe in Kitzbühel.

International im Einsatz

„Nur wenn es schneit, müssen Fahrer touristische Pisten bereits in der Früh präparieren“, erzählt einer, der es wissen muss: Demofahrer Andreas Silbernagl. „Rennpisten hingegen müssen rund um die Uhr präpariert werden.“ Seit nahezu 20 Jahren fährt er bereits Pistengeräte und zählt zu den erfahrensten Experten. „Ich bin neben einem großen Skigebiet aufgewachsen. Mich hat schon immer fasziniert, dass man beim Präparieren gegen die verschiedensten Witterungen ankämpfen muss. Je schlechter das Wetter, umso mehr Konzentration ist nötig“, erzählt der 38-Jährige. 

Andreas Silbernagl ist gemeinsam mit einem von ihm betreuten Fahrerpool weltweit im Einsatz. Denn für Rennen in anderen Ländern werden bei Bedarf Fahrer für Vorabschulungen oder für die Wettkämpfe selbst entsandt, um die Pisten mit den dort vorhandenen Fahrzeugen zu präparieren. Nicht immer ist er dabei mit neuesten und größten Pistenfahrzeugtyp Leitwolf unterwegs, doch die Steuerung unterscheidet sich für den geübten Profi nur geringfügig: „Im Grunde sind es immer zwei Ketten, ein Schild und eine Fräse“, schmunzelt er. Der kälteste Arbeitsort seiner Laufbahn war bei minus 36 Grad im chinesischen Harbin. „Bis minus 20 Grad ist es kein Problem. Alles, was darunterliegt, wird für Mensch und Maschine mühsam.“

Neben europäischen Skigebieten hat Silbernagl bereits in China, Amerika, Kanada, Kasachstan und Russland Pisten präpariert. Meist startet das Präparieren zwei bis drei Wochen vor dem Rennen, doch es gibt je nach Skigebiet und Anlass Ausnahmen: So reiste er beispielsweise zwei Jahre vor den letzten Olympischen Winterspielen nach Sotschi, um die Fahrer dort auszubilden. „Ich bin dann auch während der Olympischen Winterspiele 2014 vor Ort gewesen“, berichtet Silbernagel. „Das war das Eindrucksvollste, was ich je gesehen habe.“ Zum einen gab es dort extreme Schneefälle, zum anderen enorme Temperaturschwankungen zwischen minus zehn und plus 14 Grad Celsius, was für die optimale Piste eine große Herausforderung darstellt.

Piste ist nicht gleich Piste 

"Jede Piste ist anders. Als Hobbyskifahrer merkt man diesen Unterschied kaum, aber die Pisten für Freizeitsportler sind verhältnismäßig weich.“ Der Unterschied besteht hauptsächlich darin, dass bei Rennstrecken mit Wasser gearbeitet wird, damit die Piste härter wird. 

Prinoth, der Pistenfahrzeughersteller mit Standorten in Nord- und Südtirol, zählt seit bereits über 50 Jahren international zu den Experten für Pistenpräparierung. 

Je nach Absprache mit der Rennleitung wird die Piste sogar mit dem Fahrzeugschild aufgerissen und mit Bewässerungsschläuchen gleichmäßig vereist. „Das kann man sich ungefähr wie einen umgepflügten Kartoffelacker vorstellen.“ Zur Feinabstimmung gibt es noch die Injektionsmethode, bei der von oben — ähnlich einer Spritze — Wasser auf der Schneeoberfläche verteilt wird. Jedoch kommen nicht immer alle Varianten zur Anwendung. Das hängt laut Silbernagl immer von den Technischen Direktoren ab, die in Zusammenarbeit mit dem Beschneiungs- und Präparierteam ihre Entscheidungen treffen.

In der Fahrerkabine gibt es links einen zweigeteilten Lenkhebel für die Geschwindigkeit, um die beiden Ketten getrennt voneinander steuern zu können. „Beim Präparieren von Pisten für den Freizeitsport sind zehn bis 15 Stundenkilometer realistisch und für Rennpisten ohnehin nur zwei bis fünf, weil diese mehr bearbeitet werden müssen.“ Parallel bedient der Fahrer mit der rechten Hand einen Joystick, der das Schild vor dem Pistengerät steuert. „Damit lässt sich der Schnee auf der Piste gleichmäßig verteilen, denn die Schneedecke ist nicht überall gleich dick.“

Hightech auf zwei Ketten 

Ein kleiner bunter Monitor rechts neben den Füßen unterstützt dabei. Er zeigt dem Fahrer die genaue Schneehöhe und das Geländeprofil an. So lässt sich in der Fahrerkabine erkennen, wie tief der Schnee unter dem Pistengerät ist. „Rot ist noch nicht optimal, an diesen Stellen muss ich noch nachbessern“, erklärt Andreas Silbernagl. 

Denn die Pisten werden immer bergauf und rückwärts gefräst. Dabei läuft die Fräse hinter der Fahrerkabine gegen die Fahrtrichtung. „Das Rückwärtsfräsen war früher eine große Belastung für die Maschinen, heute ist das dank unserer Power-Fräse kein Problem mehr.“ Damit die bis zu 14 Tonnen schweren Pistengräte auch im Steilhang nicht den Halt verlieren, ist die Winde am Dach der Fahrerkabine eine wichtige Voraussetzung. An sogenannten Ankerpunkten am Berggipfel haken die Fahrer das Fahrzeug mit einem Stahlseil ein, um so auch steile Hänge problemlos und stabil bearbeiten zu können.

Andreas Silbernagl

„Mich hat schon immer fasziniert, dass man beim Präparieren gegen die verschiedensten Witterungen ankämpfen muss. Je schlechter das Wetter, umso mehr Konzentration ist nötig.“ Silbernagl

Die Hauptarbeit ist laut dem 38-jährigen Fahrer immer die Anfangsphase, in der eine harte Grundschicht hergestellt wird. „In der mittleren Phase bekommt die Rennpiste ein Profil für mehr Action und Bewegung.“ Am Ende sind dann noch Ausbesserungsarbeiten zu machen oder wenn es schneit, gilt es, den Neuschnee von der Piste wegzuräumen. „Das mag für Hobbysportler verwunderlich sein, aber gibt es einmal eine solide Grundpräparierung der Rennpiste, ist Neuschnee eigentlich unerwünscht“, so Silbernagl.

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