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Taxen, Bison und Besen

Nordic Weekend in Seefeld

Taxen, Bison und Besen

sport.tirol schaut Fahrern des Pistenfahrzeugherstellers Prinoth und Schanzenarbeitern in Seefeld über die Schulter.

Text: Eva Schwienbacher, Bild: Johannes Mair / Alpsolut

Das Nordic Weekend in Seefeld mit der fünften Auflage des Nordic Combined Triple und zwei Langlauf-Weltcupentscheidungen steht vor der Tür. sport.tirol hat sich vorab ein Bild davon gemacht, wie man Schanze und Loipe richtig präpariert und den ehemaligen Kombinierer Mario Stecher nach seiner Expertenmeinung gefragt.

Noch vor Sonnenaufgang sind Pistenfahrzeugfahrer und Schanzenarbeiter in der Casino Arena in Seefeld eifrig am Arbeiten. Es gilt, die Loipen und beiden Sprungschanzen zu präparieren. Es muss schnell gehen. In knapp zwei Stunden treffen Athleten aus verschiedenen Nationen in Seefeld ein, die die Sprunganlage für ihr Training nutzen wollen. Bis dahin muss alles perfekt vorbereitet sein. 

Im Winter finden in der Casino Arena in Seefeld fast täglich Trainings statt sowie eine Reihe bedeutender Sportevents in den nordischen Disziplinen. Einen Höhepunkt im diesjährigen Wettkampfkalender bildet das Nordic Weekend, das vom 26. bis zum 28. Jänner über die Bühne geht. Dabei treten die weltbesten Kombinierer beim Nordic Combined Triple, kurz Triple, und heuer erstmals auch die Langläufer bei zwei Weltcuprennen gegeneinander an. 

Wintersport vom Feinsten: 

Spannende Rennen und eine tief verschneite Winterlandschaft erwarten Zuschauer vom 26. bis 28. Jänner 2018 beim Nordic Weekend in Seefeld. 

Hinter dem Triple, das ein relativ junges Sportereignis ist, steckte die Idee, in der Nordischen Kombination ein ähnlich spektakuläres Event zu veranstalten, wie es die Vierschanzentournee im Skisprung ist. Nach einem Testlauf beim Sommer-Grand-Prix 2013 in Oberstdorf in Bayern feierte das Format, das drei Bewerbe an drei Tagen vorsieht und zum Weltcup zählt, im Winter 2014 in Seefeld Premiere. 

Die Schanzenpräparierung

Heuer lockt das Triple zum fünften Mal Athleten in die Olympiaregion Seefeld, wo im Winter 2019 die FIS Nordische Ski-WM ausgetragen wird. Im Rahmen des im nächsten Jahr stattfindenden Sportgroßevents wurde die Casino Arena um- und ausgebaut. Neu sind zum Beispiel die Beschneiungsanlage, das Funktionsgebäude, das Untertunnelungssystem, Loipenverbindungen oder der Schrägaufzug, der die Athleten auf die Schanze bringt – oder auch die Arbeiter, die die Schanzen trainings- und wettkampftauglich machen. 

230 Personen sind im Dienst, um beim Nordic Weekend für perfekte Bedingungen zu sorgen, darunter wertvolle Partner, die Profis auf ihrem Gebiet sind. „Mit der Schanzenpräparierung beginnen wir normalerweise drei Tage vor dem Bewerb“, erklärt der Schanzenarbeiter Michael Köck, der auch an diesem Trainingstag alle Hände voll zu tun hat. „Zehn bis 15 Arbeiter sorgen dafür, dass die Schanze wettkampftauglich wird.“ Wie das funktioniert, erklärt Köck so: „Zunächst wird maschinell Schnee auf den Schanzenauslauf befördert. Dieser wird dann händisch auf der Anlaufspur verteilt. Mit einer Spurfräse wird der Schnee anschließend geglättet und gewässert, damit er vereist.“ 

Beim Saubermachen: Schanzenarbeiter befreien die Anlaufspur mit einem Laubblasgerät sowie Besen vom Neuschnee.

Ist der Schnee präpariert, machen die Schanzenarbeiter mit Besen und Laubblasgeräten die Spur sauber. Schließlich fixieren sie Tannenzweige bzw. Taxen, wie sie hier auch genannt werden, am Schanzentisch, die zur Orientierung für die Skispringer dienen. „Dank der Taxen wissen die Athleten, wo der Schanzentisch endet und wo sie abspringen müssen. Das ist gerade bei schlechter Sicht sehr wichtig“, erklärt Köck.   

Bison von Prinoth am Werk 

Zu einer Skisprungschanze zählen auch der Aufsprunghügel, auf welchem die Athleten landen, sowie der Auslauf. Aufsprung- und Auslauffläche sind ebenfalls zu präparieren. Dafür hat sich Seefeld das spezielle Pistengerät des Typs Bison des führenden Pistenfahrzeugherstellers Prinoth aus Südtirol angeschafft. Es handelt sich um ein besonders wendiges, kompaktes und starkes Pistengerät, das für die Präparierung anspruchsvoller Anlagen wie Snowparks, Loipen und eben Schanzen entwickelt wurde, und seit Winter 2015/2016 in einer neuen, noch moderneren Ausführung am Markt ist. In nordischen Zentren wie Lillehammer, am Kulm in Tauplitz oder am Bergisel in Innsbruck sind Maschinen von Prinoth im Einsatz.

Florian Eder, Trainer und Vorführfahrer von Prinoth, steigt in die Kabine des Pistengeräts, das in der Haupttrainings- und Wettkampfzeit in Seefeld direkt neben der Kleinschanze geparkt ist. Florian Eder bringt die Maschine in Bewegung und fährt sie zum Schanzentisch der Normalschanze, wo er mit den Präparierungsarbeiten beginnt. „Die Präparierung der Schanze unterscheidet sich von der einer Skipiste. Denn im alpinen Bereich gibt es kaum Hänge, die so steil sind, wie es ein Aufsprunghügel ist“, erklärt Eder. „Besonders wichtig ist es, bei der Grundpräparierung der Aufsprungfläche den Schnee gleichmäßig zu verteilen. Denn der Skispringer muss immer die gleiche Flugkurve im Vergleich zum Boden behalten.“ 

Unterhalb des Schanzentischs ist ein sogenannter Windenankerpunkt angebracht. Hier hakt der Fahrer das Pistenfahrzeug mit einem Windenseil ein. Die Winde ist auf der Ladefläche des Pistenfahrzeugs fixiert und besitzt eine Zugkraft von bis zu 4,5 Tonnen. Ein Gerät ohne Windenvorrichtung würde an diesem Steilhang schnell den Halt verlieren. Gegen die Fahrtrichtung fährt Eder das knapp zehn Tonnen schwere Gerät, das nun an einem Stahlseil fixiert ist, mit rund fünf km/h den Hang hinunter. Unten angekommen, zieht der Fahrer das Pistengerät am Windenseil wieder hoch, um den Aufsprunghügel bergauf zu fräsen. 

Internationales Know-how

Florian Eder zählt zu den erprobtesten Pistengerätefahrern bei Prinoth. Er verfügt über internationale Erfahrung, die er etwa in Whistler Mountain in Kanada gesammelt hat. Eder betreut internationale Veranstaltungen, wie FIS Skicross-Weltcups, und schult angehende Fahrer in Theorie und Praxis. Bereits als Kind war Florian Eder, der neben einem kleinen Skigebiet im bayrischen Bischofswiesen aufwuchs, von Pistenfahrzeugen fasziniert. Außerdem schätzt er Arbeitsort und -zeit. „Du bist am Berg. Draußen ist es kalt und ruhig, in der Kabine ist es schön warm. Du hörst nur den Motor und leise den Radio, sonst nichts“, schwärmt Eder von seinem Beruf. „Vor Wettkämpfen wird die Arbeit natürlich intensiver und stressiger. Aber das macht es auch abwechslungsreich.“

Nach fünf Fahrten ist der Fahrer mit der Präparierung der Normalschanze fertig und macht sich in seinem Pistengerät auf den Weg zur Kleinschanze, um dort den ganzen Prozess zu wiederholen. Derweil beginnen auch schon die ersten Skispringer ihr Training auf der frisch präparierten und unverspurten Anlage. 

Loipenpräparierung in Seefeld mit einem Prinoth-Pistenfahrzeug

Prinoth ist einer der weltweit führenden Hersteller von Pistenfahrzeugen. 

Seit mehr als 50 Jahren steht das Unternehmen mit Hauptsitz in Sterzing für innovative Technologien für die Pistenpräparierung.

Doch nicht nur für die Schanzenpräparierung setzt der WM-Ort auf das Know-how des Pistenprofis aus Südtirol. Auch die Loipen werden abschnittsweise mit einem Prinoth-Pistengerät präpariert – sowohl die Skating- als auch die klassische Loipe. Letzteres ist dank spezieller Spurplatten – dem Nordic Liner – möglich, die hinten an dem Pistenfahrzeug befestigt sind. Der Nordic Liner ermöglicht es, die vier Spurplatten einzeln zuzuschalten und die perfekten Loipenspuren zu ziehen, was vor allem bei Großveranstaltungen, wie dem Nordic Combined Triple, eine wichtige Anforderung ist. 

Die Langlaufloipe wurde ebenfalls bereits in den frühen Morgenstunden präpariert. Mittlerweile scheint die Sonne über Seefeld. Und Athleten, Touristen und Einheimische nutzen das traumhafte Winterwetter und die perfekten Bedingungen, um auf jenen Loipen zu laufen, die Ende Jänner wieder der Weltspitze gehören.  

Drei Fragen an Mario Stecher

Perfekte Möglichkeiten in Seefeld

Einer, der auch in Seefeld zwei Weltcuperfolge für sich verbuchen konnte, ist der ehemalige nordische Kombinierer Mario Stecher. Er gilt als Meister seines Fachs und weiß daher genau, worauf es aus der Sicht eines Sportlers bei Loipe und Schanze ankommt. 

Der ehemalige Kombinierer Mario Stecher in Seefeld

Was macht eine perfekte Loipe aus Athletensicht aus? Mario Stecher: "Es ist wichtig, dass die Loipe eine gleichmäßige Ebene ist. So sollte sie zum Beispiel an den Seiten nicht abfallen. In Seefeld finden wir nahezu perfekte Möglichkeiten zum Langlaufen, die noch dazu sehr abwechslungsreich sind. Das Streckennetz führt die Läufer durch Wälder und vorbei an der traumhaften Bergkulisse. Als Athlet bekommt man das während des Wettkampfs zwar nicht mit, aber für die Zuschauer vor Ort und vor den vielen Fernsehbildschirmen ist das natürlich ein Traum. Heutzutage sind die Loipen höchst professionell gespurt. Allerdings ist es wichtig, sie täglich frisch zu präparieren, um so Tag für Tag in den vollen Genuss des Langlaufens zu kommen." 

Beeinflusst die Loipenpräparierung die Laufleistung des Athleten? "Nein. Die Profis müssen bereits so gut trainiert sein, dass das nichts mehr ausmacht. Was allerdings bemerkbar ist, ist, dass es sich auf einer gut präparierten Strecke leichter läuft. Einen Unterschied macht dann der Schnee, ob es eisig ist oder ob es frisch geschneit hat."  

Und was ist bei der Präparierung der Schanze für die Athleten wichtig? "Die Anlaufspur ist seit geraumer Zeit eine Kunsteisspur, das heißt, die Spur ist gleichmäßiger und die Athleten fahren fast wie auf Schienen die Schanze hinunter. Für alle Athleten herrschen nahezu idente Bedingungen. Das war früher nicht so. Bei Neuschnee wird die Spur mit einem Laubblasgerät vom Schnee befreit. Herausfordernd ist es, wenn es regnet. Da kann es passieren, dass sich am Schanzentisch Wasser sammelt und es den Sportler bremst. Das ist wie Aquaplaning. Auch beim Aufsprunghang kommt es darauf an, dass er gleichmäßig präpariert ist und es keine groben Unebenheiten im Schnee gibt. Schwierig ist die Landung bei Neuschnee, da die Sprungskier für die eisige Anlaufspur geschliffen sind. Da sind die Athleten gefordert."

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