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Legendäre Ausfahrt

Eddy Merckx Classic VIP-Ausfahrt 

Legendäre Ausfahrt

Wenn Gran Fondo Fahrer auf ihre großen Vorbilder treffen

Text:Klaus Erler, Bild: Axel Springer

Kaiserwetter bei der Eddy Merckx Classic VIP-Ausfahrt in Fuschl am See: Mit am Start sind zwei Fahrer des Gran Fondo Teams, die sich hier den Traum eines jeden Radfans erfüllen können – sie treffen die Rad-Legenden Eddy Merckx und Maurizio Fondriest zum Interview.

Eine Bergkulisse wie gemalt, laue 20 Grad, dazu Sonne und kein Wölkchen am Himmel: Der erste Tag des Eddy Merckx Classic Radmarathons 2017 in Fuschl am See findet bei Wetterbedingungen statt, wie sie für ambitionierte Rennradfahrer wohl nicht besser sein können. Und noch etwas lässt die Herzen der Teilnehmer der VIP- und Wings-for-Life-Charity-Ausfahrt an diesem 9. September höherschlagen: Sowohl der erfolgreichste Radrennfahrer aller Zeiten – Eddy Merckx – als auch der Straßenweltmeister 1988, Maurizio Fondriest, sind mit am Start. Bevor sich das Starterfeld von rund 100 Teilnehmern aus zehn Nationen in Bewegung setzt, ergibt sich so die Möglichkeit, Räder und Trikots zu signieren und mit den Radlegenden ein kurzes Gespräch ganz auf Augenhöhe zu führen. 

Spaß statt Rennen

Gegen 10.30 Uhr beginnt dann die 37 Kilometer lange Charity-Ausfahrt, die aus Tradition einen reinen Fun- und keinen Renncharakter besitzt. Von Polizeimotorrädern eskortiert, führt sie in rund 90 Minuten über 500 Höhenmeter vom Fuschlsee in die Strubklamm. Dieses landschaftliche Kleinod ist ruhig und schattenspendend und ein echter Geheimtipp für entspannte Radaktivitäten. Von dort geht es am Rundkurs hoch über dem See zurück ins sonnige Fuschl. Mit dabei auf dieser Genussfahrt ist nicht nur der technische Delegierte der Tiroler Rad-WM, Thomas Rohregger. Auch zwei Fahrer des Gran Fondo Teams – Peter Zini und Peter Staudacher – nutzen die Gelegenheit, in feschen Gran Fondo Teamdressen als Botschafter der UCI Straßenrad-WM 2018 Tirol aufzutreten. Nach einem gemeinsamen Mittagessen haben Peter und Peter schließlich Gelegenheit, Eddy Merckx und Maurizio Fondriest zu spannenden aktuellen Rad-Themen, vor allem aber zu deren großen sportlichen Erfolgen, zu befragen. 

Peter Zini: Welcher Ihrer Radsporttitel bedeutet Ihnen am meisten? 

Eddy Merckx: Für mich war es mein erster Gesamtsieg bei der Tour de France 1969. Ich konnte mir damit nicht nur zum ersten Mal den Traum eines jeden jungen Radfahrers erfüllen. Ich war damals auch der erste belgische Gesamtsieger in diesem weltweit größten Rennen seit dreißig Jahren.
Maurizio Fondriest: Ich gewann 1988 als 23-Jähriger die Straßenrad-WM. Und auch wenn ich danach zweimal Rad-Weltcupsieger wurde und weitere Siege gegen mehr oder weniger das gleiche Verfolgerfeld verbuchen konnte, jeder erinnert sich vor allem an meinen WM-Titel. Das macht ihn zu meinem wichtigsten Titel. 

Peter Zini: In Ihrer aktiven Zeit, wie viele Rennen haben Sie pro Jahr bestritten, wie viele Kilometer sind Sie pro Jahr gefahren, an wie vielen Rennen haben Sie durchschnittlich pro Jahr teilgenommen? 

Eddy Merckx: Ich kann mich an ein Jahr mit 159 Renntagen und rund 35.000 gefahrenen Kilometern erinnern. 
Maurizio Fondriest: Ich absolvierte als Profi zwischen 65 und 100 Renntage pro Jahr. Dabei fuhr ich jährlich durchschnittlich rund 33.000 Kilometer.

 Der erfolgreiche italienische Ex-Radprofi M. Fondriest 

T. Rohregger überreicht den Radlegenden das offizielle WM-Trikot 2018

Peter Staudacher: Welche aktuellen Fahrer haben Ihrer Meinung nach derzeit das größte Potenzial bei den Rennbewerben? 

Eddy Merckx: Bei den Eintagesrennen Peter Sagan ...
Maurizio Fondriest: Dieser Einschätzung schließe ich mich an. Bei den Etappenrennen heißt für mich der Champion Tom Dumoulin, weil er auch bergauf sehr gut ist. 

Peter Zini: Finden Sie die Differenzierung innerhalb des Radrennsports gut oder plädieren Sie für Radrennfahrer, die echte Allrounder sind, wie es ein Eddy Merckx war? 

Eddy Merckx: Mir gefiel es zu meiner Zeit besser, als die Fahrer noch nicht reine Spezialisten waren und gemeinsam die verschiedensten Rennen – also auch Bergetappen – bestritten.
Maurizio Fondriest: Allround-Ausnahmetalente wie Eddy Merckx sind sehr selten, das ist vielleicht einer von 500 Top-Level-Fahrern. Gut oder nicht, das erklärt den Trend zur Spezialisierung. 

Peter Staudacher: Haben Sie je an einem Rennen in Österreich teilgenommen?

Maurizio Fondriest: Meine erste Rad-WM als Profi war die in Villach 1987.
Eddy Merckx: Ich fuhr nie ein österreichisches Straßenrennen, aber dafür ein Bahnrennen im Ferry-Dusika-Stadion in Wien.

Peter Staudacher: Zum Abschluss eine technische Frage. Was halten Sie vom Einsatz von Scheibenbremsen im Radrennsport? 

Eddy Merckx: Ich glaube, dass Scheibenbremsen für Freizeitfahrer und Mountainbiker Sinn machen, bei den Rennen sind sie beim derzeitigen Entwicklungsstand noch zu gefährlich. 
Maurizio Fondriest: Scheibenbremsen werden die Zukunft sein. In zwei, drei Jahren fahren alle damit. Was wir jetzt noch nicht wissen, ist, was bei einem Sturz passiert, wenn alle Fahrer Scheibenbremsen haben. 

Vielen Dank für das Gespräch.

Autogramm vom größten Radfahrer aller Zeiten: Der Belgier Eddy Merckx (72) gewann je fünf Mal die beiden weltweit wichtigsten Rundfahrten, die Tour de France und den Giro d’Italia. Auch deshalb wird er heute als der größte Rennfahrer der Radsportgeschichte angesehen. Ihm gelangen in allen Disziplinen des Radsports überragende Leistungen: Er gewann Klassiker, große Rundfahrten und Sechstagerennen, er dominierte bei Bergetappen, Zeitfahrten und Sprints. Den Spitznamen „der Kannibale“ erhielt er wegen seines Siegeshungers, der heute wohl keiner Stallorder mehr standhalten würde. Eddy Merckx gewann insgesamt 525 Rennen.

Maurizio Fondriest (52) wurde 1987 Radprofi. Bereits ein Jahr später gewann der damals erst 23-Jährige die Straßenweltmeisterschaft. In den Jahren danach siegte er vor allem bei italienischen Eintagesrennen. Er erreichte auch zahlreiche Podiumsplatzierungen bei Rennen des Rad-Weltcups, den er 1991 erstmals gewann. Sein erfolgreichstes Jahr war 1993: 28 seiner 70 Karrieresiege konnte er in diesem Jahr einfahren. Durch seine Konstanz bei den Klassikern gewann er zudem zweimal die Gesamtwertung des Rad-Weltcups. 

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