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Der Fahrtechnikspezialist

Radland Tirol

Der Fahrtechnikspezialist

Text: Eva Schwienbacher

Kondition und Material sind nicht alles. Beim Mountainbiken kommt es auch auf die richtige Technik an. Welche die häufigsten Fehler sind und woran selbst Profis ein Leben lang arbeiten können, erklärt Bikeexperte Kurt Exenberger.

„In Tirol besucht fast jeder einen Skikurs, die wenigsten jedoch nehmen Unterricht, um abseits geteerter Straßen das Fahrradfahren zu lernen“, sagt Kurt Exenberger, staatlich geprüfter Mountainbike-Trainer und Inhaber der Bikeakademy in Kirchberg. Zu unrecht, meint Exenberger, der auch 14 Jahre lang als Skilehrer aktiv war. Denn die Bewegungsabläufe beim Mountainbiken seien mindestens genauso komplex wie beim Skifahren, wenn nicht sogar noch komplexer. 

Die Kunst des Bikens

Was das Radfahren im Gebirge so anspruchsvoll macht, ist zum einen die Vielfalt des Geländes. Schotter, Schlamm, Steine, Wurzeln, Bäche, Baumnadeln – die Untergründe im alpinen Raum könnten kaum unterschiedlicher sein. Will man die geländebedingten Hindernisse mit viel Spaß, aber ohne Risiko passieren, ist fahrtechnisches Können das Um und Auf. Mountainbikes sind zudem sehr technische Sportgeräte, die beherrscht werden wollen. Gerade über schwierige Passagen bergab ist es schnell passiert, dass man die Kontrolle verliert. Ein weiterer Faktor ist, dass man sich meist auf ungesicherten Strecken aufhält. „Stürzt man am Berg, ist nicht sofort die Pistenrettung zur Stelle“, erklärt Exenberger. 

Wenn Exenberger auf seinem Mountainbike unterwegs ist, fallen ihm an anderen Radlern immer wieder dieselben Fehler auf. Besonders häufig mangelt es Bikern an der richtigen Bremstechnik. „Viele verwenden bergab ausschließlich die Hinterradbremse“, sagt der Bikeexperte, „dadurch verliert man bei hohem Tempo leicht die Kontrolle.“

Noch viel essentieller ist die optimale Grundposition, die von fast niemandem perfekt beherrscht wird. „Vom Anfänger bis zum Spitzensportler werden hier die meisten Fehler eingebaut. Hier kann man sich ein Leben lang verbessern“, erklärt Exenberger. 


© Hafzoo

Wie man die Haltung bewahrt

Die Grundposition hilft dabei, möglichst kraftsparend Körper und Fahrrad in Einklang zu bringen. Sie ermöglicht es, blitzschnell auf unerwartete Hindernisse zu reagieren und dabei die Balance zu bewahren. 

Vereinfacht gesagt, funktioniert sie so: Man steht auf den Pedalen, belastet bei waagrechter Kurbelposition beide Pedale gleichmäßig, winkelt die Kniegelenke ganz leicht an, die Hüfte wird zentral und lotrecht über dem Tretlager positioniert. „Die Ellbogen sind in Liegestützhaltung etwas nach außen zu richten und die Schultern sollten tief in Richtung Lenker gehen, damit die Arme viel Bewegungsspielraum haben“, erklärt Exenberger, „Die meisten sitzen – wie beim Skifahren – zu weit hinten. Ins Erlernen der Grundposition lohnt es sich richtig, Zeit zu investieren.

Das gilt umso mehr für Profibiker. Exenberger war neun Jahre lang Fahrtechnik- und Konditionstrainer der international erfolgreichen Mountainbikerin Lisi Osl aus Kirchberg. Er begleitete sie zu Trainingslagern und Wettkämpfen. Dass es bei Wettkämpfen im Mountainbikesport oft halsbrecherische Strecken mit vollem Karacho zu bewältigen gilt, weiß er daher am besten. Im Cross Country zum Beispiel wechseln sich steile Anstiege und anspruchsvolle Abfahrten ab. Hier ist neben der Grundposition mitunter eine solide Sprungtechnik unverzichtbar. Exenberger erklärt: „Die Strecken im Cross Country werden immer schwieriger für die Fahrer, um die Attraktivität der Rennen für die Zuschauer zu steigern.“ Als Fahrer hat man im Rennen die Wahl: Entweder den direkten Weg wählen und den Sprung wagen oder das Hindernis umfahren. Für die zweite Variante gibt es eine Spur, die Insider „Chicken-Line“ nennen, also Spur für Feiglinge. Diese ist zwar sicherer, bedeutet aber auch Speed-Verlust. 


Ein weiterer Vorteil fahrtechnischer Kenntnisse ist ökonomischer Natur. „Wer bei Abfahrten den Oberkörper richtig einsetzt, kann Kraft sparen, die Beine entlasten und Laktat wieder abbauen“, sagt der Technikspezialist. 

Gut Ding geht schnell

Die größte Hürde beim Erlernen der Fahrtechnik liegt laut Exenberger oft im Kopf der Lenker. Denn die meisten Freizeitbiker würden erst dann Fahrtrainings in Anspruch nehmen, wenn sie bereits negative Erfahrungen gemacht haben. „Viele kommen erst nach einem schmerzhaften Sturz. Da hat sie die Angst vor Verletzungen bereits voll im Griff“, erzählt Exenberger. „In diesen Fällen geht es darum, das Selbstvertrauen wieder behutsam aufzubauen.“

Grundsätzlich reicht aber bereits ein Ein-Tages-Kurs zu den wichtigsten Basics, um sicher vom Berg ins Tal zu fahren. Und wer diese beherrscht, kann sich Herausforderungen, wie Sprüngen oder Wheelies stellen.

„Ich bin überzeugt, dass sich das Skiland Tirol schon bald als Mountainbikemekka etablieren kann. Dann werden Mountainbikeschulen genauso selbstverständlich sein, wie Skischulen“, sagt Exenberger.  


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