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Stahl, Brot und Skeleton

Janine Flock

Stahl, Brot und Skeleton

Schnelligkeit, Präzision und Flexibilität

Text: Eva Schwienbacher, Titelbild: Jan Hetfleisch

Skeleton ist in Österreich ein Randsport. Trotzdem oder gerade deswegen fördern zwei erfolgreiche Tiroler Traditionsbetriebe die Athletin Janine Flock. Die Tiroler Skeletonpilotin gibt den Marken ein sympathisches Gesicht und bei Erfolgen eine Bühne.

Kleine Eiskristalle zieren Janine Flocks Helm an der Seite. An der Vorderseite des schwarzen Kopfschutzes prangt ein roter Schriftzug, der sofort ins Auge sticht, wenn sich die 27-Jährige Kopf voraus in den Eiskanal stürzt: Rathgeber Tyrol. Der Name gehört zu einem Tiroler Unternehmen mit Sitz in Innsbruck, das sich seit der Gründung im Jahr 1939 erfolgreich am internationalen Markt etabliert hat. Der Familienbetrieb ist auf Formenbau, Anlagenbau und Automatisierungstechnik spezialisiert. Er beliefert zum Beispiel sämtliche deutschen Premium-Automobilhersteller direkt bzw. deren Zulieferbetriebe und ist langjähriger Geschäftspartner bekannter Tiroler Industriebetriebe. 

Im Rampenlicht

Das Engagement des Metallbearbeitungsspezialisten im Skeletonsport ist auf Flocks jüngeren Bruder zurückzuführen. Letzterer hat als Lehrling bei Rathgeber begonnen und arbeitet dort nun als Konstrukteur. Zur Entstehung der Partnerschaft sagt Rathgeber-Geschäftsführer Kai Konstantin Stoffel: „Wir haben sofort erkannt, dass sich die Erfolgskriterien in Janines Sportart – Schnelligkeit, Präzision und Flexibilität – mit den unseren decken.“ Für eine Kooperation sprachen außerdem Flocks Tiroler Wurzeln, ihre sympathische Art und natürlich auch ihr Erfolg.

„Wir haben sofort erkannt, dass sich die Erfolgskriterien in Janines Sportart – Schnelligkeit, Präzision und Flexibilität – mit den unseren decken.“  Rathgeber-Geschäftsführer Kai Konstantin Stoffel

„Hinter einer Partnerschaft steckt selbstverständlich nicht nur Sympathie. Der Wert eines Sponsorings resultiert aus der Medienpräsenz eines Athleten und diese kommt mit dem Erfolg“, betont Stoffel. Während man sich etwa im Skisport die Präsenz mit unzähligen anderen Sponsoren teilen müsste, erlange man im Skeletonsport höhere Sichtbarkeit. Und in der Tat: In den vergangenen Rennsaisonen hat Janine Flock mit ihren Leistungen immer wieder für Aufmerksamkeit gesorgt. 2015 gewann sie den Gesamtweltcup, 2016 wurde sie zum zweiten Mal Europameisterin und im selben Jahr holte sie als erste Frau bei einer Skeletonweltmeisterschaft eine Medaille für Österreich. Seither ist die Athletin aus Tirol jedem im Skeletonsport ein Begriff.  

Rathgeber-Geschäftsführer Kai Konstantin Stoffel © Jan Hetfleisch

Treue Wegbegleiter

Im Vergleich zu anderen Wintersportarten steckt Skeleton in Österreich noch in den Kinderschuhen. In führenden Nationen, wie Deutschland, den USA und England, wird weit mehr in die Sportart investiert. Besonders auf den untersten Sprossen der Karriereleiter hat man es nicht leicht, erzählt Flock. „Um in Österreich im Skeletonsport erfolgreich zu sein, ist in jedem Fall Eigeninitiative gefragt.“ Gerade als unbekanntes Gesicht gibt es kaum Chancen auf Unterstützung. Außer man hat großes Glück – so wie es bei Janine der Fall war.

Janine Flock nimmt die Kufe, die in der Fräsmaschine eingespannt ist, unter die Lupe. © Jan Hetfleisch

Als Nachwuchssportlerin erhielt Flock im Jahr 2012 ein Angebot der Bäckerei Therese Mölk, eines Produktionsbetriebs der Firma MPREIS in Völs. Zu diesem Zeitpunkt herrschte eine generelle Um- und Aufbruchsstimmung im über 90 Jahre alten Traditionsunternehmen, erzählt Stefanie Graber, Marketingleiterin bei Therese Mölk. „2011 stand unsere Bäckerei unter keinem so guten Stern. Ein Großbrand zerstörte die frühere Bäckerei in Völs. Wir entschieden uns damals, die Köpfe nicht in den Sand zu stecken und einen komplett anderen Weg einzuschlagen.“

„Ich machte mich auf die Suche nach einem Markenbotschafter aus dem Sportbereich. Denn gerade im Spitzensport spielt das Thema gesunde Ernährung, das uns sehr wichtig ist, eine große Rolle.“ Stefanie Graber, Marketingleiterin bei Therese Mölk

Mit der Errichtung der neuen Bäckerei Therese Mölk wurden moderne Technologien mit dem traditionellen Bäckerhandwerk verbunden, um Brot ohne künstliche Zusatzstoffe – wie anno dazumal – zu backen. Diese Entwicklung sollte sich auch in der Kommunikation nach außen widerspiegeln. „Ich machte mich auf die Suche nach einem Markenbotschafter aus dem Sportbereich. Denn gerade im Spitzensport spielt das Thema gesunde Ernährung, das uns sehr wichtig ist, eine große Rolle“, sagt Graber. 

Janine Flock und Therese Mölk-Marketingleiterin Stefanie Graber © Therese Mölk

Mehrere junge Athleten hat die Marketingleiterin damals in Betracht gezogen, darunter auch die Skeletonpilotin Janine Flock. Nach einigen Gesprächen war die Partnerschaft beschlossene Sache. Seither präsentiert Janine Flock das Logo von Therese Mölk am Kragen, am Schlitten und am Rennanzug. „Das Engagement in einer Randsportart hat auch mit unserer sozialen Verantwortung zu tun. Am Anfang wussten wir nicht, ob wir wirklich von der Partnerschaft profitieren würden, gingen das Risiko aber gerne ein. Dass sich Janine so gut entwickelt hat, war einfach Riesenglück.“ 

Technisches Know-how

Die Details zu den Verträgen behalten beide Firmen für sich. Von Rathgeber gibt es neben monetärer auch technische Unterstützung bei der Fräsung der Kufen. Im Vorfeld erfolgt die Biegung der Kufen nach einem hochkomplexen Verfahren, das Janines Freund, der Skeletonfahrer Matthias Guggenberger, entwickelt hat und strenger Geheimhaltung unterliegt. „Wir achten in der Bearbeitung der Kufen darauf, dass nichts nach außen dringt“, erzählt Flock. Denn während das internationale Reglement vorschreibt, welcher Stahl zu verwenden ist, obliegt die Präparierung der Kufen den einzelnen Athleten. Hier gilt es, die letzten Tausendstelsekunden herauszuschlagen.

Rathgeber Tyrol

Die Firma wurde 1939 vom Maschinenbauer Johann Rathgeber gegründet. Seit 2009 führt Kai Konstantin Stoffel das Unternehmen in dritter Generation. Zu den Kernbereichen zählen der Formen- und Anlagenbau sowie die Automatisierungstechnik. www.rathgeber.at

© Jan Hetfleisch

Sobald die Biegung erfolgt ist, kommen die Kufen in die Fräsmaschine der Firma Rathgeber. „Es war ein komplizierter Prozess, bis wir eine Vorrichtung gefunden haben, damit die Kufe perfekt eingespannt ist und sich nicht mehr rührt. Bewegt sie sich nur ein kleines bisschen, kann es sein, dass die gesamte Fräsung nicht funktioniert“, erklärt die Athletin. Die erforderlichen Daten werden gemeinsam erarbeitet. Viele Fachkräfte der Firma Rathgeber sind dabei eingebunden. So ist neben der geschäftlichen Partnerschaft eine freundschaftliche Beziehung entstanden, sagt Rathgeber-Geschäftsführer Stoffel: „Die Mitarbeiter fiebern bei den Rennen mit und sind stolz darauf, wenn Janine mit Kufen aufs Podest fährt, an denen sie mitgearbeitet haben.“

Win-win-Situation

Auch bei Therese Mölk wird der Kontakt zwischen Mitarbeitern und der Sportlerin gepflegt, etwa bei gemeinsamen Ausflügen zum Eiskanal oder der Einbindung von Janine Flock bei diversen Aktionen. „Janine, die inzwischen sehr bekannt ist, weckt natürlich das Interesse der Medien für unsere Aktionen, sodass inzwischen beide Seiten von der Kooperation profitieren“, sagt Graber.  

 Die Verträge mit beiden Sponsoren laufen noch bis zu den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Dort will sich Janine Flock mithilfe ihrer Partner „die schönste aller Medaillen“ holen.  

Stärkung für Spitzensportler: Janine Flock beim Frühstück in einer Baguette-Filiale. © Therese Mölk

Bäckerei Therese Mölk:

Das 1925 von Therese Mölk in Innsbruck gegründete Unternehmen ist ein Produktionsbetrieb der Firma MPREIS. Die Bäckerei verfolgt die Philosophie „Natur, Handwerk, Zeit. Sonst nichts.“ und backt pures Brot ohne zusätzliche Zusatzstoffe. Die Backwaren sind in den über 165 Baguette sowie knapp 300 MPREIS-Filialen in Tirol, Salzburg, Kärnten, Vorarlberg und Südtirol erhältlich. www.therese-moelk.at 

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