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Die Krone im Visier

Crankworx Innsbruck 21. – 25. Juni

Die Krone im Visier

Sport.Tirol hat Matt Walker im Rahmen eines Fotoshootings in Tirol zum Interview getroffen.

„Es gibt nicht viel, was mich stoppen könnte“

Text: Eva Schwienbacher, Bild:  Severin Wegener

Matt Walker, Gewinner von Crankworx Rotorua, gilt als heißer Kandidat für den Titel „King of Crankworx“. Im Interview spricht der Downhiller über sein Leben als Profi, Crankworx in Tirol und seine Motivation dafür, auch nach etlichen Knochenbrüchen wieder aufs Bike zu steigen.

Matt Walker, Tirol ist der neue vierte Stopp von Crankworx. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du das zum ersten Mal gehört hast? Matt Walker: Ich bin erst seit heuer öfter zum Biken in Tirol und kannte die Region vorher nicht gut. Ich bin beeindruckt davon, dass es eine Stadt gibt, die über solche Bike-Möglichkeiten direkt vor der Haustür verfügt. Ich komme aus einer Kleinstadt, die top ist, was das Biken angeht, aber in der ansonsten wenig los ist. Es ist toll, beides an einem Ort vorzufinden, also Stadtleben und Outdoor-Sport. Jeder Crankworx-Stopp hat sein eigenes Flair. Und das Besondere am Stopp in Tirol ist, denke ich, genau diese Kombi.

Matt Walker auf der Innsbrucker Hungerburg ...

und im Bikepark Innsbruck in Götzens und Mutters.

Hattest du bereits Gelegenheit, die Downhill-Strecke in Götzens zu testen? Nur das Anfangsstück. Den Rest muss ich erst befahren. So wie der Boden hier beschaffen ist, rechne ich damit, dass sich der Trail mit jedem Fahrer verändern wird. Nach und nach werden mehr Steine und Wurzeln zum Vorschein kommen. Ich mag diese Art von Trails, die größtenteils naturbelassen sind und durch die Fahrer geformt werden. Der Downhill-Trail hier in Götzens könnte eines der Highlights der Crankworx Tour werden. 

Bei Crankworx Rotorua geht es durch den Regenwald. Hier über Steine und Wurzeln durch Nadelwald. Gibt es weitere Unterschiede, die dir am Terrain auffallen? In Rotorua haben wir vulkanische Böden. Dort gibt es kaum Steine. Die Downhill-Rennen finden im Dreck statt. (lacht) Hier in Tirol ist der Boden ganz anders. Der Wald ist, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, ideal für Trails. Hier gibt es weniger Büsche und Sträucher, was den Wegebau erleichtert. In Rotorua haben wir auch nicht solche Höhenunterschiede wie hier, was für zusätzliche Spannung beim Downhill-Rennen sorgt. 

Du hast Bike-Hotspots rund um den Globus gesehen. Tirol ist gerade dabei, das Bike-Angebot auszubauen. Wie schätzt du das Potenzial der Region ein? Hier gibt es Berge soweit das Auge reicht und deshalb unendlich viele Möglichkeiten. Wie gesagt ist auch der Wald ideal, Trails zu bauen. Ich war auch überrascht darüber, dass das Bike-Angebot erst im Entstehen ist. Die ersten Abfahrten hier haben mich sofort begeistert und ich wollte mehr davon. Man sagte mir dann aber, dass vieles erst in Planung ist. In Neuseeland haben wir das Glück, dass wir fast überall dort, wo wir wollen, Trails bauen können. Genehmigungen für Trails zu erhalten, geht ganz schnell. Hier hat man mir gesagt, dass das anders sei. Aber die Strecken, die es in Tirol gibt, sind sehr gut gemacht. Es wäre cool, wenn es hier zusätzlich  von einem Startpunkt aus mehrere Varianten geben würde, auch mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, also leicht, mittel, schwer – das wäre besser als ein Trail für alle. So kann die Szene wachsen, die Fahrer werden besser und genießen das Biken umso mehr. 

Für dich ist es nun die zweite Saison, dass du als professioneller Fahrer im CUBE Downhill-Team an den Start gehst. Wie schaut dein Leben als Profi aus? Im Winter verbringe ich meine Zeit in Queenstown, um zu trainieren. Dort sind wir eine große Bike-Community, fahren viel gemeinsam und pushen uns gegenseitig. Sobald die Rennsaison beginnt, kehre ich nach Europa zurück und bleibe hier von Ende April bis Ende September, Anfang Oktober. Mein „Basecamp“ ist in Innsbruck. Doch während der Rennsaison bin ich sehr viel unterwegs, sodass ich kaum hier bin. An Tagen, an denen Fotoshootings stattfinden, heißt es früh aufstehen, so gegen 5.30 Uhr, um optimales Licht für die Aufnahmen zu haben. Und dann machen wir den ganzen Tag Bilder. Normalerweise bin ich aber an rennfreien Tagen beim Trainieren. Entweder im Fitnessstudio oder im Freien zum Sprinten oder Mountainbiken. Es ist wichtig, in Form zu bleiben. Und schließlich versuche ich, an so vielen Rennen wie möglich teilzunehmen. 

"Der Downhill-Trail hier in Götzens könnte eines der Highlights der Crankworx Tour werden." Matt Walker

Was waren die größten Veränderungen vom Privatfahrer zum Profi? In der Zeit ohne Team war ich einfach komplett auf mich allein gestellt. Es war sehr schwierig, meinen Job als Elektriker und den Downhill-Sport unter einen Hut zu bringen. Ich arbeitete 50 bis 60 Stunden pro Woche und dachte mir irgendwann: Das ist nicht, was ich machen will. Ich gab dann alles, um als Rider besser zu werden. Schließlich hat mich das neue Downhill-Team von CUBE an Bord geholt. Ich weine meiner Zeit als Privatfahrer in der Tat nicht nach. Jetzt habe ich einen Vollzeit-Coach, der meinen Trainingsplan erstellt und mir vorgibt, was, wann, wo zu tun ist und was ich besser nicht machen soll. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass sich jemand die Zeit nimmt und sich genau überlegt, wie wir Resultate zu erzielen haben. Mein Coach war selbst Profi-Biker und ist ein Freund von mir. Das erleichtert die Zusammenarbeit natürlich. Außerdem musste ich früher für meine komplette Ausrüstung und die Instandhaltung der Räder aufkommen. Ich habe oft darauf verzichtet, bestimmte Trails zu fahren, um mein Bike zu schonen. Mein Fahrrad war meistens in einem wilden Zustand. (lacht) Nun gibt es Mechaniker und Ingenieure, die sich um das Material kümmern. Das ist eine Riesenerleichterung. Ich kann mich jetzt komplett aufs Downhillen fokussieren. 

Fürs Shooting befuhr Walker den Götzner Downhill-Trail.

Hat sich auch der Druck auf dich erhöht? Ja und nein. Natürlich gibt es Erwartungen an mich. Aber ich denke, der Druck, der sich erhöht hat, kommt hauptsächlich von mir selbst und nicht vom Team. Ich möchte mein Bestes geben, mich weiterentwickeln und Resultate einfahren. Generell ist das Klima in unserem Team sehr gut. Es ist kein Drama, wenn ein Rennen mal nicht so gut läuft. Aber natürlich ist es das Ziel, vorn dabei zu sein.

Kannst du als Fahrer generell gut von deinem Sport leben? Ich kann davon leben. Das Leben ist nicht luxuriös, aber ich kann täglich Biken, Rennen fahren und sehe dabei wunderschöne Orte auf der ganzen Welt. Das genieße ich einfach. 

Dein Beruf ist nicht nur Spaß, sondern auch gefährlich, du hast dich zum Beispiel in der vergangenen Saison verletzt. Was treibt dich an, weiterzumachen?  Es ist gar nicht so leicht. Letztes Jahr hatte ich drei OPs. Nach dem Rennen in Rotorua im Jahr 2016 war ich King of Crankworx. Als ich von Neuseeland nach Europa kam, machte ich einen dummen Fehler und brach mir dabei meinen kleinen Finger. Nichts Schlimmes, aber ich konnte sechs Wochen lang nicht biken. Ich trainierte hart, um wieder zurückzukommen. Dann hatte ich wieder einen Unfall und brach mir das Schlüsselbein und das Schulterblatt – wieder zwölf Wochen Pause. Danach war es mental und physisch sehr schwer, wieder anzufangen. Ich hatte noch Probleme mit den Schultern, was mein Training zusätzlich erschwerte. Ich musste mir gut zureden und mich selbst anspornen, um wieder etwas zu riskieren und schnell zu fahren. Das war wirklich hart. Jetzt nach der Rennpause und dem Training im Winter fühle ich mich aber gut und bin motiviert. Ich denke, Verletzungen gehören zu diesem Sport, ob man will oder nicht. Downhillen ist das, was ich liebe. Es ist es wert, ein Risiko einzugehen. Ich hatte unzählige Unfälle, keiner war aber so schwerwiegend, dass ich aufgehört hätte. Es gibt nicht viel, was mich stoppen könnte.

Also hast du nie ans Aufgeben gedacht? Naja, nie wirklich. Vor drei, vier Jahren habe ich mich am Nacken verletzt. Damals stand ich schon unter Schock.

Wie erklärst du deiner Familie, warum du dich auf zwei Rädern den Berg hinunterstürzt? Radfahren liegt in der Familie. Meine Schwester fährt auch Downhill-Rennen. Wir haben beide sehr früh mit BMX begonnen. Meine Mum war auch gern mit dem Mountainbike unterwegs – nicht Downhill, nur Cross Country. So haben meine Schwester und ich auch begonnen. Ich habe schnell gemerkt, dass ich lieber runter- als hochfahre. Meine Eltern stehen hinter mir und unterstützen mich. Solange ich mir keine schlimmen Verletzungen zuziehe, nehmen sie es mit Humor und fragen mich scherzhaft: ‚Was hast du jetzt schon wieder gemacht?’, oder: ‚Möchtest du nicht einen noch höheren Sprung wagen?’ Wann immer es möglich ist, kommen sie zu den Rennen. Meine Mum ist mein größter Fan. (lacht) 

Abschließend noch einmal zurück zu Crankworx: Was heißt es für einen Fahrer, Crankworx zu gewinnen? Es ist gar nicht so leicht, die Bedeutung von Crankworx in Worte zu fassen. Um Crankworx zu gewinnen, reicht es nicht, in einer Disziplin gut zu sein, man muss in allen Disziplinen gut sein. Von Downhill bis Pump Track. Bei Crankworx geht es um die verschiedenen Stile eines Sports. Das heißt, der Sieger muss unterschiedliche Techniken beherrschen und mit verschiedenen Bikes umgehen können. Kannst du das, gewinnst du.

Vielen Dank für das Gespräch

Der Downhiller

Matt Walker (27) aus Kawerau in Neuseeland geht seit 2016 für das neu formierte Downhill-Team CUBE Global Squad an den Start. Davor startete Walker als Privateer und hat unter anderem mit einem elften Platz beim Downhill-Weltcup in Windham auf sich aufmerksam gemacht. Zu seinen Disziplinen zählen: Downhill, Pump Track, Speed & Style, Whip Off und Enduro.

Wordrap mit Matt Walker

Wenn ich in einem offiziellen Formular meinen Beruf eintragen muss, schreibe ich ... 

Das hängt davon ab, wo ich bin. Daheim Elektriker, hier würde ich „Athlet“ schreiben – mit einem breiten Smile im Gesicht, weil ich es geschafft habe.

Morgens stehe ich auf und ... 

... trinke einen Kaffee.

So schaut mein Frühstück aus ... 

Toast mit Ei.

Wenn ich in Tirol bin, will ich unbedingt ... 

... ein Eis essen. Es gibt wirklich gutes Eis hier.


Mein Ritual vor dem Rennen ist ... 

... Musik hören, um zu entspannen.

Das letzte Mal gefürchtet habe ich mich ... 

... heute Morgen beim Shooting. Ich wollte fürs Foto extra schnell fahren. Sehe ich eine Kamera, gebe ich immer Gas. So wird es wenigstens festgehalten, wenn ich stürze. (lacht)


Diesen Crankworx-Bewerb sollten sich die Zuschauer in Innsbruck anschauen:

Slopestyle – da gibt es jede Menge Tricks und Sprünge zu sehen. Das beeindruckt auch Leute, dich nichts mit Mountainbiken zu tun haben.

So feiere ich nach einem Rennen: 

Normalerweise mit einem Riesenabendessen, einem Steak oder manchmal sogar bei McDonald's.

Darum sollte man generell bei Crankworx vorbeischauen: 

Crankworx bietet die perfekte Gelegenheit, die Vielfalt des Sports kennenzulernen. Wie ein „All-inclusive-Package“ beinhaltet es alle Facetten des Gravity-Mountainbikens.  

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