Sie befinden sich hier:
Erfolgsfaktor ÖSV

Heim-WMs

Erfolgsfaktor ÖSV

Was bringt die Austragung von Sportevents einem Land?

Text: Eva-Maria Hotter, Bild: Fritz Beck

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und Generalsekretär Klaus Leistner im Gespräch mit Sport.Tirol über die bevorstehenden Weltmeisterschaften in Hochfilzen und Seefeld.

Herr Schröcksnadel, welche Bedeutung haben Großveranstaltungen wie die Heim-Weltmeisterschaften 2017 im Biathlon bzw. 2019 in der Nordischen Kombination für Tirol?

Peter Schröcksnadel: Solche Großveranstaltungen wirken sich nicht nur auf Tirol aus, sondern auf ganz Österreich, was man an Rennen in Kitzbühel, dem Bergiselspringen, aber auch am Beispiel von Hochfilzen und Seefeld sieht.

Klaus Leistner: Im Grunde verstärken diese Events den Auftritt des Landes bzw. die Winterkompetenz. Wenn man diese vermitteln möchte, muss man sie auch zum Ausdruck bringen.   

"Grundsätzlich muss man festhalten, dass wir Weltmeisterschaften abhalten können, ohne groß Infrastruktur zu bauen." ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel

Der Österreichische Skiverband tritt bei diesen Veranstaltungen nicht nur als Hochleistungsverband auf – wie sieht seine Rolle aus?

Schröcksnadel: Der ÖSV ist um einiges breiter aufgestellt. Grundsätzlich ist das Hauptziel natürlich, den Skisport zu fördern, so steht es auch in unseren Statuten. Wir haben etwa 1.250 Vereine mit rund 150.000 Mitgliedern. Zudem leisten die 3.000 Lehrwarte viel für den Breitensport und damit für die Entwicklung des Skisports. Der Wintertourismus hängt schließlich davon ab, dass man Ski oder Snowboard fährt. Lernt man keine der beiden Sportarten im Laufe seines Lebens, wird man als Gast nicht kommen. Das ist ein wesentlicher Teil. Die Rennen sind eher ein Mittel der Kommunikation – des Ortes, Landes – für uns alle. Zur Vermehrung des Skisports tragen jedoch andere Faktoren mehr bei: Sport in der Schule oder Schul-Skikurse, die leider allzu oft so nicht mehr stattfinden.

Leistner: Dabei gibt es fundierte Untersuchungen, dass sich mangelnde Bewegung negativ auf die Gesundheit auswirkt, insbesondere, dass bei Kindern die Bildschirmzeit vor Smartphone, Computer und TV rasant zunimmt, während die Zeit für Bewegung entsprechend weniger wird.

Schröcksnadel: Generell lautet die Frage eigentlich: Wie gesund werde ich alt? Was viele nicht wissen, Skifahren ist ein sehr gutes Kreislauftraining, weil man so lange fährt, bis man aus der Puste ist. Der Puls steigt und wenn man den Höhenunterschied berücksichtigt, trainiert es auch die Gefäße.

ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel und Generalsekretär Klaus Leistner

Bei den Weltmeisterschaften wird es Vorort wieder den TirolBerg geben – welche Bedeutung kommt ihm zu?

Schröcksnadel: Primär ist der TirolBerg eine Präsentationsplattform der Tirol Werbung. Darüber hinaus kann es natürlich sehr stark dazu beitragen, dass er ein Kommunikationsplatz wird. Zudem kann die Presse Interviews führen, weil sich dort ebenfalls die Sportler nach dem Rennen einfinden. Es gibt also sehr viele Möglichkeiten zur Kommunikation. Das gilt für Heim-WMs zwar etwas weniger, aber natürlich ist auch der Auftritt im Ausland wichtig.

Leistner: Der TirolBerg ist ohne Zweifel eine gute Plattform zum Netzwerken. 

Großevents brauchen auch eine umfassende Infrastruktur – was wurde für die Weltmeisterschaften in Hochfilzen und Seefeld erstellt?

Schröcksnadel: Grundsätzlich muss man festhalten, dass wir Weltmeisterschaften abhalten können, ohne groß Infrastruktur zu bauen. Einzig eine funktionierende Sportstätte ist notwendig. Die Infrastruktur rundherum wollen vielfach Gemeinden und Politiker. Meist ist es ein Vorgriff, Investitionen zu machen, die ohnehin notwendig wären. Ein Beispiel ist etwa der Seefelder Bahnhof – die WM ist nur der Anlass dafür. Aber um der Welt zu zeigen, dass wir in einem schönen Land leben, ist es ein wesentlicher Punkt. Für den Skiverband selbst ist es jedoch von untergeordneter Bedeutung.

Wie wirken sich Weltmeisterschaften im Hinblick auf die Nachwuchssicherung aus?

Schröcksnadel: Vielleicht insofern, als dass junge Athletinnen und Athleten sagen: „Ich will auch dabei sein.“ Olympische Sommer- oder Winterspiele haben hier eine weit größere Bedeutung. Ich glaube nicht, dass wir dadurch vermehrt Nachwuchs bekommen. Wenn eine WM im eigenen Land stattfindet, zum Beispiel 2019 die Nordischen Skiweltmeisterschaften in Seefeld, wird sich der Österreichische Skiverband selbstverständlich besonders anstrengen, in diesen Disziplinen besonders gut abzuschneiden.

Wie hat sich der Verband Ihrer Ansicht nach entwickelt? 

Schröcksnadel: Der Österreichische Skiverband entwickelt sich seit vielen Jahren ohne viele öffentliche Mittel: durch 95 Prozent Eigenmittelaufbringung in allen Sparten – sowohl sportlich als auch organisatorisch. Der ÖSV ist ein vorzeigbarer Verband, weil wir eben nicht von der öffentlichen Hand leben und den Sport selbst gestalten können. Denn ist man von der öffentlichen Hand oder Dritten abhängig, redet meist eine Seite mit. 

Inwiefern Mitsprache?

Schröcksnadel: Das bezieht sich auf alles, wie die Nachwuchsarbeit, Ausrüster, Organisation von Weltcup-, FIS- oder Nachwuchs-Rennen ...

Leistner: ... sowie Sportstruktur und Sportpolitik.

Welche Konsequenzen ergeben sich aus dieser Eigenständigkeit des ÖSV?

Schröcksnadel: Aufgrund dieser Unabhängigkeit haben wir, glaube ich, auch relativ viel Erfolg. Man kann nicht immer alles gewinnen, doch wir pendeln im obersten Bereich. Es wird auch nicht nach jedem Rückschlag gleich die Frage gestellt, ob die Trainer, Präsident, Generalsekretär ausgetauscht werden sollen. Man kann diese Frage bei uns stellen, aber sie nützt nichts. (lacht)  

Weil nur so eine gewisse Langfristigkeit und Planung möglich ist?

Schröcksnadel: Genau, dadurch können wir langfristig planen. Es gibt im Sport immer Durchhänger, zum Beispiel bei einem Generationenwechsel. Die Jungen müssen Zeit haben nachzukommen. Wenn es bereits deswegen ein Köpferollen gibt, ist eine Kontinuität nicht möglich und man wird auf Dauer keinen Erfolg haben.

"Man kann nicht immer alles gewinnen, doch wir pendeln im obersten Bereich." ÖSV-Präsident Peter Schröcknadel

Sie haben vorhin 95 Prozent Eigenmittel in allen Sparten angesprochen, damit sind die unterschiedlichen Sportarten gemeint?

Schröcksnadel: Wir finanzieren vieles über den Alpinen- und Sprungsport quer. Die beiden Sportarten würden sich selbst tragen. Über den Rechteverkauf, unsere Sponsoren und unsere Partner finanzieren wir auch andere Bereiche wie Snowboard, Freestyle und Nordische Kombination mit. Es gibt Sportarten, wie die Nordische Kombination, die stark finanziert werden müssen – aber nicht über öffentliche Mittel. In Skandinavien ist das beispielsweise umgekehrt, dort wird alles über den Langlauf finanziert. Das hängt mit der Begeisterung bzw. Einstellung der Menschen zur jeweiligen Sportart ab.



Nützt es, die Nordischen Skiweltmeisterschaften nach Tirol zu bringen, um daran etwas zu ändern?

Schröcksnadel: Nein, nicht wirklich, es hilft, bei der alpinen Mannschaft und bei den Springern gute Partner zu haben und dort im Mittel gut abzuschneiden. Natürlich sind wir froh, wenn es hie und da für einzelne Projekte Geld vom Staat gibt, aber wir können uns alleine erhalten. Es ist zweifellos sehr gut für die Region, in der die Weltmeisterschaft ausgetragen wird, weil sie touristisch sehr stark mit dem Langlauf verbunden ist. Aber wir konzentrieren uns natürlich darauf, dass wir Erfolg in den nordischen Disziplinen haben. Wir wollen schließlich gewinnen.

Vielen Dank für das Gespräch.

© 2017 Tirol Werbung