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Fünf-Sterne-Stadion Hochfilzen

Biathlon-WM 2017

Fünf-Sterne-Stadion Hochfilzen

Wo die Weltspitze um Medaillen jagen wird.

Tirol ist bereit für die Biathlon-WM.

Text: Eva Schwienbacher, Bild: Manfred Jarisch

Der Countdown zur Biathlon-WM 2017 in Hochfilzen läuft. Die Bauarbeiten am neuen Stadion sind abgeschlossen. Franz Berger, der „Chef“ des Hauses, hat Sport.Tirol durch die Anlage geführt.

Bahnhof Hochfilzen, 7.39 Uhr. An diesem gewöhnlichen Dezembertag präsentiert sich die Haltestelle von ihrer ruhigen Seite. Die meisten Passagiere sind bereits in Fieberbrunn ausgestiegen, ein paar wenige fahren nach Salzburg weiter. Die Bahnhofsunterführung bietet zwei Ausgangsmöglichkeiten: „Biathlon“ steht auf dem Schild geschrieben, das nach rechts zeigt. Die andere Option führt ins Zentrum. Folgt man Ersterem, findet man sich hinter dem Bahnhof wieder, wo es eine Handvoll Handwerksbetriebe gibt und einen imposanten, in den Himmel ragenden roten Schornstein, der weißen Rauch in die Luft bläst. Zwei, drei LKW fahren vorbei. Sonst ist es still. 

Der schnellste Weg zum Stadion für Fußgänger ist laut Google Routenplaner jedoch der andere. Folgt man diesem, gelangt man am Dorfzentrum vorbei zur Schüttachstraße 2, wo sich das Stadion befindet. Entlang der Straße weisen Fahnen auf das bevorstehende Großevent in der 1.150-Seelen-Gemeinde hin: „IBU World Championships Biathlon Hochfilzen 2017“. 

Die Pillerseetal-Gemeinde hat 2012 den Zuschlag für die Biathlon-WM 2017 erhalten. Zu diesem Anlass ließ man in den vergangenen drei Jahren ein neues Sportleistungszentrum entstehen, das beste Trainings- und Wettkampfbedingungen für Langläufer, Biathleten und andere Sportler bietet sowie Platz für tausende Fans. 260 Athleten aus 40 Nationen und 150.000 Zuschauer werden hier in den Kitzbüheler Alpen erwartet. 

„Mister Biathlon“

Auf der Schüttachstraße befördern Busse des Bundesheeres Soldaten zum TÜPL, dem Truppenübungsplatz. Die Biathleten teilen sich das Gelände mit dem Militär. Auf der rechten Seite der Anfahrtsstraße befindet sich das Hauptlager der Truppe, vor dessen Eingang junge Soldaten in Reih und Glied stehen. Links schlängelt sich die WM-Loipe durch das Areal. Hier wird jetzt um acht Uhr fleißig trainiert. „Das sind einige von der Nationalmannschaft. Die Biathleten fangen meistens zeitig mit dem Trainieren an“, erzählt Franz Berger, während er die Tür zum Tirol Haus aufsperrt, einem Gebäude im Blockhüttenstil, das sich hinter dem neuen Hauptgebäude befindet. 

Der 60-jährige Hochfilzener ist Chef des Organisationskomitees (OK). Er wird in manchen Kreisen „Mister Biathlon“ genannt und gilt für viele als der Vater des Biathlonsports in Österreich. Seit 1974 ist Berger Vizeleutnant beim Bundesheer, seit 1979 widmet er sein Leben als Präsident des Heeressportvereins Hochfilzen dem Kombinationssport. Seither ist dieses Areal sein Arbeitsplatz. „Die gröbsten Arbeiten am Stadion sind abgeschlossen. Jetzt ist nur noch die Feinarbeit zu erledigen“, erzählt Berger. 

Bestehendes und Neues

Unter anderem investierte man in eine sichere Anreise, erzählt der OK-Chef. „Wir wollten die Verkehrssituation bei Großevents verbessern und ließen daher einen zweiten Weg für Zuschauer bauen. Dieser führt hinterm Bahnhof über die Magnesitstraße zum Stadion. Bisher teilte man sich als Fußgänger den Weg mit den Fahrzeugen, aber bei tausenden Fans war einfach zu viel los.“

Hinzu kommen die Erweiterung des Hauptgebäudes mit dem Zielhaus und der VIP-Tribüne, die Errichtung einer neuen Indoor-Schießanlage sowie das neue Service- und Teamgebäude – das sogenannte Waldlager, welches auch dem Bundesheer dient. Das Tirol Haus, das es schon immer gab, wird während der WM vom großen VIP-Zelt überdacht.

Mit der Planung des Riesenprojekts hat man im Jahr 2012 begonnen. Im August 2014 erfolgte der Spatenstich. „Der Umbau verlief fast reibungslos. Natürlich tauchten am Areal hie und da kleine Überraschungen auf, wie ein Kabel, von dem niemand wusste, wozu es diente. Dank minutiöser Planung und guter Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Bundesheer blieben Komplikationen jedoch aus“, schildert Berger.

Präzision perfektionieren

Im Hauptgebäude, das Berger besonders stolz präsentiert, sind nun Büros für das OK-Team und internationale Funktionäre sowie während der Wettkämpfe auch die Zeitnehmung untergebracht. „Das alte wurde mit zunehmender Bedeutung des Biathlonsports einfach zu klein. Daher erweiterten wir es mit einem Zubau“, sagt der Hochfilzner. Es grenzt unmittelbar an den Zieleinlauf an und bietet direkten Blick auf den Schießstand und die Strafrunde. Nicht ohne Grund plante man hier die VIP-Tribüne für 800 Ehrengäste ein. Im zweiten Stock des Baus befinden sich 13 Kabinen für Reporter, die die Rennen von Tirol in die Welt hinaustragen. 

Gleich nebenan wurde das zweite Herzstück errichtet: Die überdachte Schießhalle mit vier Kleinkaliberschießbahnen, die während Großereignissen zum Medienzentrum umfunktioniert wird. Hier zeigt der ehemalige Biathlet Ludwig Gredler, der nun als Assistenztrainer der Männergruppe im ÖSV tätig ist, was trainingstechnisch alles möglich ist. „Die Infrastruktur in Hochfilzen war immer schon sehr gut, doch jetzt ist sie ausgezeichnet“, sagt der Tiroler. „In diesem Punkt können wir bestimmt mit den führenden Biathlonnationen mithalten.“

Ludwig Gredler

„Die Infrastruktur in Hochfilzen war immer schon sehr gut, doch jetzt ist sie ausgezeichnet. In diesem Punkt können wir bestimmt mit den führenden Biathlonnationen mithalten.“

 David Komatz aus dem Nationalkader mit Assistenztrainer Ludwig Gredler

Beispielhaft dafür ist die Möglichkeit, in dieser Halle die Präzision beim Schießen zu perfektionieren. „Hier können die Athleten bei Null-Bedingungen, also geschützt vor Wind und Wetter, das Schießen üben und an Schwachstellen feilen. Das Trefferbild wird über einen Monitor angezeigt“, erklärt Gredler. Die Anlage ist zudem direkt über die Skirollerstrecke erreichbar, sodass ein Techniktraining auch unter Belastung möglich ist.

Rennsituation simulieren

In einem Raum gleich nebenan befindet sich ein weiteres Hightech-Gerät, das Sportlerherzen höher schlagen lässt: ein vier Meter langes und drei Meter breites Laufband. Darauf können sich die Athleten auf die WM-Strecke ebenso vorbereiten wie auf die Olympiastrecke in Pyeongchang, erklärt Gredler. „Wir können unterschiedliche Streckenprofile einprogrammieren und über einen Monitor den Verlauf der Strecke einblenden. Auf Skirollern fahren die Sportler Anstiege, Flachstücke und Abfahrten nach.“ Das Riesenlaufband dient durch die Visualisierung nicht nur zur physischen, sondern auch zur mentalen Vorbereitung. Bei Bedarf werden auch Leistungstests durchgeführt.

Tiefe Temperaturen 

Auch einen Blick in die neue Kältekammer gewährt Berger. Im Moment ist sie außer Betrieb und es würde Stunden dauern, sie abzukühlen. Immer wieder aber wird hier Munition getestet. „Neben der Ausdauer und Technik spielt im Biathlonsport auch das Material eine Schlüsselrolle. Bei Temperaturen bis zu minus 20 Grad gehen Biathleten im internationalen Wettkampf an den Start. Die Kälte verlangt nicht nur den Sportlerkörpern alles ab“, erklärt der OK-Chef. „Auch die Gewehre und die Munition reagieren auf die Minusgrade. Greift man zur falschen Munition, kann die Treffsicherheit darunter leiden.“ Eine genaue Abstimmung ist daher für das Rennen um Gold, Silber und Bronze unverzichtbar. 

Von der Kältekammer gelangt man über einen unterirdischen Gang ins Service- und Teamgebäude – hätte man keinen Guide dabei, wäre man schnell verloren. Hier befinden sich unter anderem 30 Wachskabinen, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. So gibt es etwa ein ausgeklügeltes Abluftsystem, das die giftigen Dämpfe, die beim Wachsen entstehen, absaugt. Der Servicebereich ersetzt die zahlreichen Container, die bisher bei Großveranstaltungen angemietet wurden. „Jetzt haben wir Fünf-Sterne-Wachskabinen“, lacht Berger. 

Letzte Station sind schließlich die 30 Unterkünfte, die Athleten bei mehrtägigen Trainingskursen und internationalen Teams bei Großevents zur Verfügung stehen. „Generell war es uns wichtig, eine nachhaltige Lösung zu finden, damit die Infrastruktur auch noch nach der WM verwendet wird“, sagt Berger, bevor er sich verabschiedet. „Das ist uns mit der Errichtung der Trainingsmöglichkeiten gelungen.“ 

Heim-WM

Noch befinden sich in der Schüttachstraße 2 Bagger und Bauarbeiter, doch schon bald werden auch diese verschwinden und die allerletzten Arbeiten abgeschlossen sein. Dann kann der Startschuss für die Rennen um den Weltmeistertitel fallen. „Wir hoffen natürlich auf einen Podestplatz“, sagt Gredler. „Zu den Hoffnungsträgern zählen zum Beispiel die Lokalmatadore Simon Eder und Dominik Landertinger.“ Aus eigener Erfahrung weiß der ehemalige Profisportler aber, dass gerade Heimrennen nicht leicht sind: Der Druck auf die Trainer ist groß und auch der Druck der Trainer auf die Athleten. Hinzu kommt die mediale Aufmerksamkeit. „Wir versuchen, unsere Athleten so gut es uns gelingt abzuschirmen, und geben alles, um ganz vorne dabei zu sein.“ Sicher ist jedenfalls schon vor Beginn der Weltmeisterschaften, dass Tirol in puncto Infrastruktur zur Weltspitze gehört.

Biathlon-WM Hochfilzen 2017:
Zuschauer-Kapazität: Tribüne (10.500 Plätze), Strecke (10.000), VIP-Tribüne/VIP-Zelt (1.000)
Zuschauer-Erwartung: 150.000 Besucher
WM-Facts: 260 Athleten aus 40 Nationen sowie 300 Offizielle/Betreuer werden erwartet.
Medien: Ca. 350 Medienvertreter sind zu akkreditieren.
• 25 TV-Stationen werden live aus Hochfilzen berichten.
Investitionen: 21 Millionen Euro (5 Mio. Land, 6 Mio Sportministerium und 10 Verteidigungsministerium)

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