Sie befinden sich hier:
„Jemand ist immer stärker“

TirolBerg

„Jemand ist immer stärker“

Leitner-Chef Anton Seeber im Gespräch

Text: Eva Schwienbacher, Bild: Fritz Beck

Im Interview spricht Anton Seeber, Geschäftsführer des Seilbahnherstellers Leitner AG, über die Gemeinsamkeiten zwischen Spitzensportlern und Weltmarktführern, Tirol als Wirtschaftsstandort und die Ski WM 2017 in St. Moritz.

Die Skirennfahrer stehen nun nach einer langen Vorbereitungsphase in den Startlöchern für die Rennsaison. Beginnt nun auch für Leitner die stressigste Zeit? Anton Seeber: Bei uns geht es das ganz Jahr über rund. Wir produzieren Seilbahnen, Pisten- und Schneeerzeugungsgeräte, zudem urbane Verkehrssysteme. Es passiert oft, dass wir erst im März einen Auftrag erhalten. Im November muss dann alles funktionieren. Da darf nichts dazwischen kommen.

    Ans Limit gehen, Risiken eingehen, Leistungsdruck – Spitzensportler und Unternehmer sind durch einiges verbunden. Was muss man tun, um zu den Gewinnern zu zählen? Erstens: Du musst, glaube ich, sowohl als Unternehmer als auch Sportler bereit sein, zu kämpfen. Du darfst den Wettkampf nicht scheuen. Das bedeutet natürlich, dass das Leben stressig sein kann. Sich dauernd messen zu müssen, ist nicht unbedingt angenehm. Zweitens: Du musst Niederlagen und Rückschläge einstecken können und die Kraft haben, wieder aufzustehen. Es schaut toll aus, wenn ein Sportler auf dem Podest steht und seinen Pokal in die Luft hält. Doch um oben zu stehen, hat er bestimmt Rückschläge erlitten und Opfer gebracht. Drittens: Du musst bereit sein, neue Wege zu schreiten, Innovation zu betreiben und darfst keine Angst vor Neuem haben. Letztens darfst du auch nie vergessen, dass es verdammt schnell nach unten gehen kann. 

    Wie schützt sich Leitner vor dem Fall? Wir setzen uns unter Druck, immer wieder Neues zu entwickeln. Dabei sind zwei Faktoren entscheidend: zum einen der Kunde. Er ist der Mittelpunkt unseres Geschäfts und unseres Denkens. Er muss unser Partner sein. Am Berg in solch extremen Situationen zu bauen, wie wir es tun, funktioniert nur, wenn man kooperiert. Wir müssen verstehen, was der Kunde will und seine Kritik als Chance sehen. Zum anderen sind es die Mitarbeiter – sie sind ein ganz entscheidender Schlüssel zum Erfolg. Der Einsatz und Wille, den sie immer wieder zeigen, ist bemerkenswert. Sie scheuen keine Mühen und sind immer wieder bereit, neue Wege zu schreiten, selbst wenn sie vor Aufgaben stehen, die zunächst nicht realisierbar erscheinen. Sie arbeiten für das Unternehmen und umgekehrt ist das Unternehmen für die Mitarbeiter da. Jeder hat seine Rolle.

    Welche ist Ihre?
    Ich muss Entscheidungen treffen und dafür geradestehen. Mein Tag beginnt mit einem Problem und endet mit einem Problem. Die Nacht dazwischen ist oft kurz und nicht immer erholsam. Das gehört dazu. Jeder hat seinen Part zu tragen.  

    Anton Seeber

    "Du musst bereit sein, neue Wege zu schreiten, Innovation zu betreiben und darfst keine Angst vor Neuem haben." 

    In Ihrem Fall handelt es sich um ein großes Erbe. Darauf werde ich oft angesprochen. Nehmen wir aber einmal an, mein Vorgänger wäre nicht mein Vater gewesen, man würde mich trotzdem mit dem Vorgänger vergleichen. Der Vorteil, dass es mein Vater war, ist, dass ich viel von ihm lernen konnte. Wir haben dieselben Werte. Es geht jedoch nicht um mich, sondern alleine um den Erfolg des Unternehmens. 

    Was glauben Sie, kann ein Sportler von einem Unternehmer lernen? Als Unternehmer ist es wichtig, durch Diversifikation, die Risiken zu minimieren – für den Fall, dass es einmal nicht so gut läuft. Ich glaube, dass auch ein Sportler an ein Leben nach der Karriere denken und sich ein zweites Standbein schaffen sollte. Eine weitere essenzielle Eigenschaft – nicht nur für Unternehmer und Sportler, sondern auch für alle Anderen – ist die Bescheidenheit. Denn irgendwann kommst du drauf, dass jemand schneller, besser, stärker ist als du und dass noch mehr geht.  

    Vor kurzem haben Sie die Niederlassung von Leitner in Tirol erweitern lassen. Weitere Investitionen sollen folgen. Was hat Leitner geplant? Seit der Eröffnung des Standorts in Telfs im Jahr 2008 haben wir insgesamt 40 Millionen Euro investiert. Nach diesem letzten Ausbau werden wir hier rund 320 Mitarbeiter beschäftigen. Inzwischen produzieren wir hier sämtliche Klemmen für Sesselbahnen, alle Direktantriebe, Liftsessel, Beschneiungsanlagen sowie Bestandteile für die Windkraftanlagen. Darüber hinaus werden hier auch sämtliche Ersatzteile für die Prinoth Pistenfahrzeue gelagert. Künftig kommen weitere Bereiche dazu.  

    Welche Vorteile bietet Tirol? Zum einen haben wir hier eine besonders unkomplizierte und lösungsorientierte Verwaltung vorgefunden. Das ist für uns wichtig, um schnell wieder zum Tagesgeschäft zurückkehren zu können. Der zweite Grund ist: In Tirol – egal ob Süd- oder Nordtirol – liegen unsere Wurzeln. Auch wenn wir global agieren, der Alpenraum wird insbesondere für Seilbahnen, Pistenfahrzeuge und Schneekanonen immer unser Kernmarkt sein. 

    Das "Sesselkompetenzzentrum" in Telfs

    Während der Ski-WM 2017 in Sankt Moritz rückt Leitner Tirol noch ein Stückchen näher und zwar als Premium-Partner des TirolBergs. Was erwarten Sie sich von dieser Kooperation? Der TirolBerg ist für uns eine Gelegenheit, dem Land etwas zurückzugeben. Wir können Tirol präsentieren, und zwar nicht nur als Sport- und Tourismusland, sondern auch als attraktiven Wirtschafts- und Forschungsstandort. Darüber hinaus können wir uns in besonderer Atmosphäre mit Partnern austauschen, die Meinung unserer Kunden einholen und neue Kontakte knüpfen. 

    Werden Sie persönlich die WM mitverfolgen? Und wenn ja, gibt es Favoriten? Wir werden bestimmt mit Freunden und Geschäftspartnern einige Rennen in St. Moritz verfolgen. Ich freue mich mit jedem, der gewinnt. Es ist generell bemerkenswert, was die Sportler leisten.

    Vielen Dank für das Gespräch.

    Der 1973 in Sterzing (Südtirol/Italien) geborene Anton Seeber studierte Wirtschaftswissenschaften an der Bocconi in Mailand. Von 1999 bis 2006 war er beruflich bei Graham Partners, einem Private Equity Fund, in Philadelphia tätig, ehe er mit seiner Familie zurück nach Sterzing zog und Geschäftsführer bzw. Mitglied in Verwaltungs- und Aufsichtsräten der Unternehmensgruppe wurde.

    Im Frühjahr 2016 hat er den Vorsitz der Unternehmensgruppe von seinem Vater Michael Seeber übernommen.

    Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Leitner mit über 3.000 Mitarbeitern 726 Millionen Euro.

    © 2017 Tirol Werbung