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Premiere auf der WM-Strecke

Premiere auf der WM-Strecke

Das Gran Fondo Team und Thomas Rohregger auf den Spuren der Rad-WM 

Text: Eva Schwienbacher, Bild: Franz Oss

Im Rahmen der UCI Straßenrad-WM 2017 in Bergen, Norwegen, wurden die WM-Strecken für das Top-Event im nächsten Jahr in Tirol präsentiert. Bei einer exklusiven Ausfahrt mit Streckenbeauftragten Thomas Rohregger verschafften sich sieben Gran Fondo Fahrer schon vorab einen Eindruck von der spektakulärsten Route der Heim-WM.

Als das Gran Fondo Team sich an diesem Septembermorgen mit Thomas Rohregger, WM-Sportdirektor und Botschafter der Rad-WM, in Kufstein traf, wussten die Fahrer noch nicht, welcher Herausforderung sie sich noch stellen mussten. Denn selbst als WM-Botschafter kannten die Mitglieder des Teams den genauen Verlauf der WM-Strecken nicht, da diese bis zur Präsentation in Bergen streng geheim gehalten wurden. „Es hat immer geheißen, dass es eine Berg-WM werden wird. Daher ahnten wir, dass wir nicht im Inntal bleiben würden“, erzählt Walter Weinseisen aus Wörgl, der seit über 45 Jahren Rennrad fährt und sich im Gran Fondo Team für die Heim-WM engagiert. Die große Überraschung erwartete die Fahrer am Ende der Ausfahrt.

An saftig grünen Wiesen vorbei führt die Hauptstrecke der UCI Straßenrad WM 2018 Innsbruck - Tirol.  Das Gran Fondo Team hat die Strecke getestet.

Den Idolen auf der Spur

Bei frischen sechs Grad fuhren die Fahrer los und ließen Kufstein, die Startregion für vier Rennen, hinter sich. Genau auf jener Strecke, auf der ihre großen Idole in gut einem Jahr beim Straßenrennen um das Regenbogentrikot kämpfen werden, machten sich die Gran Fondo Fahrer auf den Weg Richtung Host City Innsbruck, dem Ziel aller zwölf Rennen. Die Tour führte durch das Inntal – über Breitenbach, Kramsach, Schwaz –, ehe es nach Gnadenwald ging. Über die Dörferlinie Absam, Thaur, Rum, Arzl, Mühlau ging es dann weiter in die Landeshauptstadt. 

„Für mich ist die Route so gewählt, dass man die landschaftlich schönsten Abschnitte des Unterinntals sieht“, schwärmt Weinseisen, der als Unterlandler und begeisterter Radsportler die meisten Ecken der Gegend kennt und die zahlreichen Möglichkeiten zur Ausübung seines Hobbys zu schätzen weiß. „Trotzdem ist es nicht möglich zu sagen, welche Passage die schönste ist.“ 

Peter Zini

Walter Weinseisen (oben)

Die Mausefalle der Rad-WM

In Innsbruck war das Team in einem Gebiet unterwegs, in dem Peter Zini zu Hause ist und bereits etliche Kilometer auf dem Rennrad abgespult hat. Der passionierte Sportler spielte viele Jahre im Eishockey-Nationalteam. Mit Mitte dreißig beendete der 66-Jährige seine Karriere auf dem Eis und suchte sich eine neue Herausforderung. Diese fand er zunächst auf dem Mountainbike und schließlich auf dem Rennrad. Für ihn ist es etwas ganz Besonderes, als Gran Fondo Fahrer Botschafter der WM zu sein. „Ich habe im Eishockey-Nationalteam 13 Jahre lang Österreich vertreten. Nun bin ich stolz darauf, das Radland Tirol zu präsentieren“, erzählt Zini begeistert.

Der Anstieg nach Gnadenwald

Nach der Anfahrt durchs Inntal über Gnadenwald und die Dörferlinie nahmen das Gran Fondo Team und Rohregger den rund 24 Kilometer langen Rundkurs des Straßenrennens in Angriff. Dieser führt von Innsbruck über Aldrans nach Igls und schließlich wieder retour in die Stadt, bevor es über eine Schleife nach Hötting ins Ziel vor dem Tiroler Landestheater geht. Für die Damen gilt es, diesen Rundkurs dreimal zu bewältigen, ehe sich die Schnellste Weltmeisterin nennen darf. Die Herren fahren den Rundkurs sieben Mal: sechs Mal in der „normalen“ Variante und das siebte Mal mit einem sieben Kilometer langen Extra, das es in sich hat. Die Männer müssen zusätzlich noch den Anstieg über die sogenannte „Höttinger Höll", also die steile Gramartstraße auf die Hungerburg, hinaufklettern, bevor es ins Ziel geht.  

„Die Höll ist bestimmt die Schlüsselpassage des Herren-Straßenrennens. Sie wird die Mausefalle der Rad-WM“, sagt Thomas Rohregger, der als Streckenbeauftragter des Internationalen Radsportverbands UCI die Streckenführung plante. Als ehemaliger Radprofi und nach wie vor leidenschaftlicher Sportler kennt er jeden Meter des Landes, was bei dieser Aufgabe natürlich das Um und Auf war. Ihm wurde aufgetragen, eine harte Strecke zu planen. Die Rad-WM 2018 sollte eine werden, die Tirols Berge zeigt, also genau jenes Naturjuwel, das das Land so einzigartig macht. 

WM für Kletterer

Die Bergfahrer, die bei den großen Radrundfahrten das Tempo angeben, sollten auch die Chance bekommen, sich den Weltmeistertitel zu holen, erklärte Rohregger. „Das Ziel des Internationalen Radsportverbands war es, den Gesamtwertungsfahrern, die bei der Tour de France oder beim Giro d’Italia auf dem Podium landen, die Chance zu geben, das WM-Trikot zu erringen, das heißt ein Froome, Quintana oder Chavez.“ Während vergangene WMs, wie Richmond 2015, Doha 2016 und nun Bergen, relativ einfache Streckenprofile hatten, wird Tirol nun die kletterstarken Fahrer favorisieren. 

„Wichtig ist es, sich die Energie richtig einzuteilen, dann ist die Höll machbar. Ich würde Hobbyfahrern jedenfalls dazu raten, sich diesen Teil anzuschauen.“ Walter Weinseisen

Die Höttinger Höll war auch jener Abschnitt, den die Gran-Fondo-Fahrer als Highlight ihrer Ausfahrt bezeichneten. Für Walter Weinseisen war es etwa eine Premiere. „Ich habe schon viel darüber gehört, nicht zuletzt im Rahmen der Spekulationen rund um die WM-Strecken, aber gefahren bin ich die Höll bisher noch nie.“ Er selbst schaffte es, die extrem steile Passage mit 25 Prozent Steigung zu überwinden, ohne abzusteigen. „Wichtig ist es, sich die Energie richtig einzuteilen, dann ist es machbar. Ich würde Hobbyfahrern jedenfalls dazu raten, sich diesen Teil anzuschauen“, empfiehlt Weinseisen.

Rasender Puls

Auch Peter Zini war besonders von diesem Abschnitt beeindruckt, auch wenn er die steile Straße von seiner früheren Tätigkeit als Kraftfahrer für die Stadt Innsbruck bereits gut kannte. Denn oft führte er vor seiner Pensionierung den Winterdienst auf dieser Strecke durch. Auf einem nicht motorisierten Fortbewegungsmittel sei die Hölle jedoch nur von wirklich gut Trainierten zu bewältigen, schilderte er seinen Eindruck. „Auf diesem Abschnitt jagt es einem wirklich den Puls nach oben“, so Zini. Er selbst ist zwar auch am liebsten am Berg unterwegs, doch: „Die Hölle ist wirklich die Hölle.“ Was das Ganze für die Radprofis im Kampf um den Weltmeistertitel in einem Jahr zusätzlich erschwert, ist die Tatsache, dass sie bereits über 4.000 Höhenmeter in den Beinen haben, wenn sie dieses Gran Finale angehen. „Ich freue mich schon sehr darauf, zu sehen, mit welchem Tempo die großen Radstars auf die Hungerburg treten. Hier werden die Attacken passieren. Hier wird es noch mal so richtig spannend“, erzählt Zini.

Für ihn wie für die anderen Gran Fondo Fahrer war es etwas Besonderes, vor allen anderen gemeinsam mit Thomas Rohregger die WM-Strecke kennenzulernen. Und das Rätselraten rund um die Streckenführung hatte damit ein Ende. Offen bleibt bis zum nächsten Jahr, wer sich hier zum Weltmeister kürt.  

Radsport trifft Stadt

Das Gran Fondo Team mit Thomas Rohregger an der Spitze in der Host City Innsbruck

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