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Unterwegs für die Rad-WM

Porträt

Unterwegs für die Rad-WM

Tiroler Hobby-Radsportler engagieren sich für die UCI Straßenrad-WM 2018

Text: Eva Schwienbacher

Das Gran Fondo Team besteht aus unterschiedlichen Fahrern aus ganz Tirol, die eines vereint: ihre Leidenschaft für den Radsport. Als Botschafter für die UCI Straßenrad-WM 2018 in Tirol gehen sie daher bei nationalen und internationalen Amateurrennen an den Start und teilen ihre Begeisterung mit anderen.

Wie die meisten Menschen mit einem Bürojob verbringt Bianca Somavilla die meiste Zeit im Sitzen. Doch nach der Arbeit sucht die 28-Jährige, die im Marketing eines Tiroler Traditionsunternehmens arbeitet, die Abwechslung im Sattel ihres Rennrads und in der Natur Tirols. Die Stubaierin trainiert fast täglich mehrere Stunden und geht am Wochenende regelmäßig bei Amateurrennen an den Start. Rund 10.000 Kilometer und 150.000 Höhenmeter kommen bei ihren Ausfahrten im Jahr zusammen. An über zehn Rennen nimmt sie in dieser Saison teil. „Es erfordert ein gutes Zeitmanagement, um die Arbeit und ein so zeitintensives Hobby unter einen Hut zu bringen. Außerdem muss man konsequent sein“, erzählt Bianca Somavilla. „Doch wenn man für etwas brennt, ist vieles möglich.“

Gran Fondo Fahrerin Bianca Somavilla

Radsport steckt an

Bianca Somavilla ist eine von rund 30 radsportbegeisterten Fahrern des Gran Fondo Teams, das die Tirol Werbung im Rahmen der bevorstehenden UCI Straßenrad WM in Tirol ins Leben gerufen hat. Das Team geht bei verschiedenen Jedermannrennen – den sogenannten Gran Fondos – in dieser und in der nächsten Saison an den Start. Welches Ziel man damit verfolgt, erklärt Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung und Aufsichtsrat der Rad-WM 2018: „Die besten Werber für unser Land sind die Tirolerinnen und Tiroler selbst. Daher haben wir ein Team aus heimischen Hobby-Rennradfahrern geformt, das bei bedeutsamen Jedermannrennen als Botschafter für unsere Rad-WM 2018 in Innsbruck/Tirol auftritt.“ Mit den Teilnahmen an den Gran Fondos erreiche man zudem genau die Zielgruppe der Radsportbegeisterten, die man als Besucher der WM und Fans des Radlands Tirol gewinnen möchte. 

Und dass die Begeisterung für den Straßenradsport ansteckend ist, hat auch Bianca Somavilla am eigenen Leib erfahren. Bereits als Kind ist sie Mountainbike gefahren, später dann auch Single-Trails. Bis sie vor fünf Jahren schließlich von einem Freund, einem leidenschaftlichen Rennradfahrer, gefragt wurde, ob sie nicht Lust hätte, beim Mondsee 5 Seen Radmarathon teilzunehmen. Dort machte sie ihre erste Rennerfahrung auf dem Straßenrad: 2.000 Höhenmeter und 200 Kilometer galt es für sie zu bewältigen. „Mit diesem Rennen wurde meine Leidenschaft endgültig entfacht“, erzählt Somavilla. Denn: „Gemeinsam mit anderen Radlern ein Ziel zu verfolgen, Höhenmeter zu bewältigen und es schließlich zu schaffen, ist ein ganz besonderes Gefühl.“ Um mit noch mehr Menschen dieses Gefühl zu teilen, hat sich Bianca Somavilla dazu entschlossen, für das Gran Fondo Team zu starten. „Ich möchte den Leuten zeigen, dass Tirol ein Radland ist und nicht zuletzt bei anderen Frauen das Interesse für die Sportart wecken.“

Um mit noch mehr Menschen dieses Gefühl zu teilen, hat sich Bianca Somavilla dazu entschlossen, für das Gran Fondo Team zu starten. „Ich möchte den Leuten zeigen, dass Tirol ein Radland ist und nicht zuletzt bei anderen Frauen das Interesse für die Sportart wecken.“

Große Aufmerksamkeit in London

Gemeinsam mit anderen Fahrern ging die Radsportlerin bereits bei verschiedenen Rennen für das Gran Fondo Team an den Start. Ein besonderes Highlight war für sie der Einsatz beim Prudential RideLondon – Surrey 100 Ende Juli. Bei diesem Rennen für alle über 160 Kilometer waren die Teilnehmer auf den Spuren des Straßenrennens der Olympischen Spiele 2012 unterwegs. Genau dort machten vier Tiroler Fahrer vor großem Publikum Stimmung für die Rad-WM auf Tiroler Boden. „Das ganze Wochenende stand im Zeichen des Radsports. 25.000 Teilnehmer gingen an den Start. Wir wurden häufig auf unsere Trikots angesprochen“, erzählt Somavilla. Die Gran-Fondo-Team-Fahrer sind nämlich im offiziellen Rad-WM-Outfit unterwegs, das mit dem Regenbogenmuster an das WM-Trikot erinnert und neben dem offiziellen Logo und dem Icon der WM auch die Host City Innsbruck, die Host Region Tirol und die vier Startorte – Ötztal, Hall/Wattens, Rattenberg und Kufstein – präsentiert.

„Die meisten, die mich in London ansprachen, brachten Innsbruck und Tirol mit dem Wintersport in Verbindung und waren daher begeistert davon, Tirol als Sommer- und Radsportregion kennenlernen zu können“, erzählt Somavilla. Genauso von London begeistert wie die junge Fahrerin war Klaus Steiner, der in der britischen Hauptstadt ebenfalls für das Gran Fondo Team dabei war. „So etwas Großes habe ich noch nie gesehen“, schwärmt Klaus Steiner. Der Servicetechniker aus Breitenbach im Tiroler Unterland ist bereits zig Amateurrennen gefahren und hat dabei einige Rekorde aufgestellt und Erfolge eingefahren, wie den österreichischen Meistertitel 2012 im Paarzeitfahren.

Ehrensache

Zehn Jahre lang betrieb der 40-Jährige den Radsport fast wie ein Profi. Er wurde von einem Trainer begleitet und folgte einem strengen Ernährungsplan. Um sechs Uhr stand Klaus Steiner in dieser Zeit auf, für ein drei- bis vierstündiges Krafttraining, ehe es in die Arbeit ging. Am Abend folgte eine zweite Einheit am Rad. Zwischen zehn und 20 Stunden pro Woche trainierte er. „Es war eine beinharte Zeit“, erinnert sich Klaus Steiner zurück. 

Im Jahr 2014 beendete Klaus Steiner das Rennenfahren, um seiner Familie mehr Zeit widmen zu können. Während er in seiner heißen Rennzeit im Durchschnitt 18.000 Kilometer und 200.000 Höhenmeter am Rad abspulte, sind es heute „nur“ noch 8.000 Kilometer bzw. 100.000 Höhenmeter. „Heute gehe ich Rad fahren, nicht trainieren“, erklärt Klaus Steiner den Unterschied zu früher. Als er heuer gefragt wurde, ob er im Zeichen der Rad-WM in Tirol Rennen fahren möchte, hat er sofort zugesagt: „Es ist eine große Ehre für mich, Botschafter der Rad-WM zu sein. Ich trage das Trikot auch gerne beim Radfahren in der Freizeit. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und bedeutet mir sehr viel.“ Gespannt fiebert Klaus Steiner der Straßenrad-Weltmeisterschaft 2018 vor seiner Haustür entgegen: „All die großen Vorbilder hier in Tirol zu sehen, ist ein einmaliges Erlebnis! Besonders freue ich mich auf das Einzelzeitfahren, das auch meine Stärke war und noch dazu in Rattenberg, also in meiner Heimatregion, ausgetragen wird.“ 

Klaus Steiner

© Gran Fondo Team

Radsport hält jung

Mit dem Sportgroßevent geht für viele Radbegeisterte in Tirol ein Traum in Erfüllung. So auch für Walter Weinseisen, der mit 68 Jahren der älteste Fahrer im Gran Fondo Team ist. „Als Radsportler interessiere ich mich natürlich für den Spitzenradsport. Ich freue mich riesig auf die Heim-WM und es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, mich einzubringen“, sagt Weinseisen. 

Der Pensionist aus Wörgl fährt bereits seit rund 45 Jahren Straßenrad. Anfang der 1970er Jahre fuhr er sein erstes Rennen. Der ehemalige Chemielaborant nutzt nun die Zeit in seinem Ruhestand, um seinem Hobby zu frönen. 14.000 Kilometer und 180.000 Höhenmeter fährt er im Jahresschnitt. „Am liebsten fahre ich Pässe und lange, ausgedehnte Touren. Der Spaß steht für mich dabei immer im Vordergrund.“ Was für ihn die Sportart so interessant macht, ist die Tatsache, dass man sie in der Gruppe genauso gut ausüben kann wie alleine. „Ich bin gerne gemeinsam mit anderen unterwegs, möchte aber auch nicht darauf verzichten, alleine zu fahren“, erzählt Walter Weinseisen. Speziell bei den Rennen mag er es, seine Grenzen auszuloten. Gleichzeitig achtet er aber immer darauf, sie nicht zu überschreiten. 

Dass Walter Weinseisen gut mit anderen mithalten kann bzw. ihnen sogar davonfährt, hat er heuer bereits mehrmals als Gran-Fondo-Fahrer bewiesen: So gewann er das Rennen Eschborn–Frankfurt und die Dolomitenradrundfahrt jeweils in seiner Altersklasse und wurde Dritter bei Nove Colli in Cesenatico. Sein nächstes Rennen ist, wie für Bianca Somavilla, die Haute Route Dolomites vom 2. bis zum 8. September, mit Start in Innsbruck und Ziel in Venedig. 

Walter Weinseisen © Gran Fondo Team

Eine Region, vielseitiges Angebot

Möglichkeiten, sich auf die Rennen vorzubereiten, bietet Tirol zur Genüge, sind sich die drei Gran-Fondo-Team-Fahrer einig: „Es ist die Vielfalt, die Tirol ausmacht. Hier sind kurze Ausfahrten in der Ebene genauso möglich wie ausgedehnte Touren am Berg – für jeden Straßenradfahrer ist etwas dabei.“ 

So vielseitig wie das Land ist auch das Gran Fondo Team: Junge und Junggebliebene, ehemalige Profis und ambitionierte Freizeitsportler – sie alle vereint die Leidenschaft für den Radsport und die Freude, als Botschafter für die bevorstehende Rad-WM in Tirol in die Pedale zu treten.

Das Gran Fondo Team engagiert sich für den Radsport in Tirol und ist im Zeichen der Rad-WM 2018 unterwegs.

© 2017 Tirol Werbung