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Ohne Kompromisse

Jugend- und Junioren-Kletter-WM 

Ohne Kompromisse

Text: Rebecca Müller, Fotos: Johannes Mair

Die Mitglieder des Österreichischen Jugendnationalteams trainieren täglich. Für die anstehende WM bereiten sie sich seit Jahresbeginn noch intensiver vor. Mitunter in einem Trainingslager im Kletterzentrum Innsbruck, wo die WM auch stattfinden wird, und – wegen Olympia – teils auch in Disziplinen, denen sie normalerweise weniger Aufmerksamkeit widmen.

Die Jugend- und Junioren-WM, die vom 30. August bis zum 10. September im Kletterzentrum Innsbruck stattfinden wird, kann mit beeindruckenden Zahlen aufwarten: über 1.000 junge Athleten aus über 60 Nationen, TV-Live-Übertragungen nach Japan, zwölf Veranstaltungstage, erstmals vier Disziplinen, 200 Helfer, 5.000 Klettergriffe und mittendrin junge Talente, die all das ausblenden müssen, weil es für sie um alles und vor allem um den Sport geht.

Aus dem österreichischen Kader dürfen pro Einzeldisziplin jeweils vier Athleten antreten. Zu den Disziplinen Lead oder Vorstieg, Speed und Bouldern ist mit der Aufnahme des Sportkletterns als Olympische Disziplin noch die Kombination gekommen. Auch hier dürfen maximal vier Athleten an den Start gehen. Für die Teilnahme an der WM sind verschiedene Kriterien entscheidend. Dazu gehören Wettkampfergebnisse, Trainingsleistungen und nicht zuletzt die Einschätzung der Trainer. Die jungen Sportler wissen natürlich um diese Kriterien und bereiten sich entsprechend vor. Unter anderem in mehreren Trainingslagern – eines dieser Trainingslager fand wenige Wochen vor der WM, vom 15. bis zum 18 August, im Kletterzentrum Innsbruck statt.

Während einige Mitglieder aus dem Kader sich in diesem Trainingslager noch für die WM in Innsbruck qualifizieren konnten, waren andere bereits als Fixstarter gesetzt. Unter ihnen Franziska Sterrer, Jan-Luca Posch, Nikolai Uznik und Eva Maria Hammelmüller. Für Sterrer und Posch, beide 19 Jahre alt, wird die anstehende Jugend- und Junioren-WM ihre letzte sein. Gleichzeitig haben beide bereits 2018 bzw. die dann anstehende Kletter-WM in der allgemeinen Klasse, die ebenfalls in Innsbruck stattfinden wird, im Auge. „Die Idee sozusagen an zwei Heimweltmeisterschaften hintereinander teilzunehmen, ist sehr motivierend“, betont Franziska Sterrer. 

Die 19-jährige Franziska Sterrer, die aus Vöcklabruck stammt und mittlerweile in Innsbruck wohnt, konnte in ihrer Karriere bereits zahlreiche Erfolge feiern und sich auch in der allgemeinen Klasse bereits beweisen.

Fürs Klettern nach Innsbruck

Die junge Sportlerin, die aus Vöcklabruck in Oberösterreich stammt, ist mit 16 Jahren nach Innsbruck gezogen – für den Sport. Kein einfacher Schritt für ein junges Mädchen: „Durch das Klettern habe ich hier aber glücklicherweise schon viele Leute gekannt.“ Franziska besucht hier auch das Sport-Bundes-Oberstufengymnasium. „Ein Jahr habe ich noch“, erzählt sie. In Innsbruck fühlt sie sich sehr wohl, auch weil die Stadt überschaubar ist: „Gerade, weil ich mit 16 von zu Hause weg bin, war Innsbruck ideal. Eine Millionenstadt wie Wien hätte mir mit 16 sicher Angst gemacht.“

Franziska Sterrer hat bereits zahlreiche Medaillen in allen Jugendkategorien gewonnen. Zu ihren größten Erfolgen zählen EM-Gold und WM-Bronze im Bouldern – ihre stärkste Disziplin. Im letzten Jahr konnte sie sich auch in der allgemeinen Klasse ein erstes Mal beweisen und kletterte auf den elften Platz. Eine Leistung, die sie heuer bei der Boulder-EM wiederholte.

Für die WM in Innsbruck rechnet sich Franziska Sterrer gute Chancen aus. Dass eine Großveranstaltung, noch dazu vor heimischem Publikum, ihre eigenen Gesetze hat, weiß sie Aber: „Die Leistungen im Training und auch in den Wettkämpfen passen. Ich hoffe, ich kann das dann auch bei der WM abrufen.“

„Die Leistungen im Training und auch in den Wettkämpfen passen. Ich hoffe, ich kann das dann auch bei der WM abrufen.“
Franziska Sterrer

Nachhaltig zur Selbstständigkeit

Bouldern ist auch die stärkste Disziplin von Jan-Luca Posch und darauf hat er sich auch in der Vorbereitung konzentriert. Für die Olympischen Spiele ist die Kombination wichtig, das ist dem jungen Sportler bewusst. „Eine starke Hauptdisziplin ist aber Voraussetzung für ein gutes Ergebnis – auch in der Kombi.“ Die Olympischen Spiele, die 2020 in Tokio stattfinden werden, sind sein großes Ziel.

„Eine starke Hauptdisziplin ist Voraussetzung für ein gutes Ergebnis – auch in der Kombi.“
Jan-Luca Posch

Vor Olympia kommt aber erst einmal die WM, wo der 19-Jährige, der aus Imst kommt, als Lokalmatador an den Start geht. Bei der Jugend-Europameisterschaft 2016 belegte er den zweiten Platz. Und vor der WM war auch der Weltcup in München eine Herausforderung für Jan-Luca Posch: „In der allgemeinen Klasse dürfen wir der Konkurrenz bei ihrem Boulder nicht zuschauen. Wir müssen also selber mitdenken und das Boulder-Problem alleine lösen.“

Selbstständigkeit ist auch im Training ein großes Thema. Den beiden Jugendnationaltrainern des Österreichischen Kletterverbands, Hannes Brunner und Martin Klingler, und auch den regionalen Trainern ist vor allem wichtig, bei den Jungen einen nachhaltigen Leistungsaufbau zu erreichen. Diesen gilt es, behutsam zu fördern, dabei stets die Gesundheit der Athleten im Blick zu behalten und sie schließlich auch zur Selbstständigkeit im Training zu führen. Trainiert wird nahezu täglich und das ganze Jahr, mit mehreren Trainingslagern und intensiven Einheiten auf Großereignisse hin. Die Nachwuchsarbeit sieht der Kletterverband als seine Kernaufgabe an.

Jan-Luca Posch hat neben der anstehenden WM auch die Olympischen Spiele in Tokio 2020 fest im Blick. Der 19-Jährige ist vor allem im Bouldern stark, für die WM hat er sich auch auf die Kombination verstärkt vorbereitet.

Olympische Spiele im Blick

Seit Klettern auch zu den olympischen Disziplinen zählt, hat sich das Training für viele im Kader geändert. So auch für Eva Maria Hammelmüller. Die Niederösterreicherin kann sich bei der Jugend- und Junioren-WM auch für die Youth Olympic Games (YOG) 2018 in Buenos Aires qualifizieren. Insgesamt gibt es bei der WM zehn Plätze für die YOG. „Das wäre natürlich eine große Ehre, wenn ich Österreich vertreten dürfte“, so die junge Sportlerin. Dass Hammelmüller nicht nur im Vorstieg und beim Bouldern, sondern auch in der für Olympia relevanten Disziplin Kombination siegen kann, hat sei bei der Jugend-EM im vergangenen Jahr bewiesen, wo sie im Vorstieg und in der Kombi Gold holte.

„Das wäre natürlich eine große Ehre, wenn ich Österreich bei den YOG vertreten dürfte.“
Eva Maria Hammelmüller

In der Vorbereitung auf die WM standen für Hammelmüller Vorstieg und Bouldern im Vordergrund. Aber: „Wegen der YOG wird für mich auch Speed immer wichtiger.“ Auf die Boulder-EM in München verzichtet die 17-Jährige, die sich bei der vergangenen Jugend- und Junioren-EM Bronze holte. Gerade Bouldern ist heuer – aufgrund der intensiven Vorbereitung auf die WM – zu kurz gekommen. „Es ist natürlich schade, dass ich einen fixen Startplatz auslassen muss, aber ich konnte nicht an genügend Wettkämpfen teilnehmen“, erklärt Eva Maria. Auch in einem jungen Sportlerleben muss man eben Prioritäten setzen.

Allzu traurig ist Eva Maria Hammelmüller deshalb nicht – bewusst will sie alle Herausforderungen positiv angehen. Den Trubel der WM in Innsbruck, den Druck und die Erwartungshaltung, das heimische Publikum, die TV-Kameras, den Schatten, den die YOG vorauswirft, all das versucht sie, so gut es geht, auszublenden. „Ich versuche, mich auf mich zu konzentrieren und auch für mich zu klettern.“ Vor dem Wettkampf hört sie gerne Musik und wählt auch hier einen positiven Ansatz: „Ich mag motivierende Musik, die Spaß macht, und höre auch gerne ältere Sachen aus den 80ern“, erzählt das 17-jährige Klettertalent. An die mögliche Qualifikation für die YOG denkt sie noch nicht. Erst einmal steht die WM im Vordergrund. „Immer eines nach dem anderen“, betont sie lächelnd.

Die 17-jährige Niederösterreicherin Eva Maria Hammelmüller konnte in der für Olympia relevanten Disziplin Kombination bereits siegen – bei der Jugend-EM im vergangenen Jahr holte sie Gold im Vorstieg und in der Kombi.

Am Ende muss alles passen

Wie Eva Maria Hammelmüller kann sich auch Nicolai Uznik bei der WM für die YOG qualifizieren. Der 17-jährige Kärntner hat im Vorstieg und im Bouldern seine stärksten Disziplinen gefunden, im Vorstieg derweil aber die besseren Ergebnisse erzielt. „Gerade bei einer Großveranstaltung kann aber immer alles passieren“, weiß der junge Sportler. Um sich für die YOG qualifizieren zu können, glaubt er, braucht es zwei Disziplinen, in denen man stark ist. Und: „In Summe muss man gute Leistungen in allen liefern.“ 

„Gerade bei einer Großveranstaltung kann immer alles passieren.“
Nicolai Uznik

Auch er hat in den letzten Monaten neben seinen Hauptdisziplinen verstärkt Speed trainiert und auch das Trainingslager in Innsbruck intensiv genutzt. Als Mitglied des Jungendnationalteams kennt er Innsbruck gut – regelmäßig wird hier trainiert. Mit dem Klettern begonnen hat Nicolai Uznik im Alter von sechs Jahren. Es war seine Mama, die ihn darauf gebracht hat. „Ich wollte eigentlich gar nicht. Meine Mutter hat sich aber gedacht, dass mir das gefallen könnte.“ Und sie sollte Recht behalten: „Es hat mir dann sofort Spaß gemacht und eigentlich habe ich seit diesem Tag nicht mehr mit dem Klettern aufgehört.“

Diese WM, meint Heiko Wilhelm, Geschäftsführer des Kletterverbandes Österreich, ist die erste Jugend- und Junioren-WM ohne Kompromisse. Und so wollen es auch seine jungen Schützlinge angehen und alles geben – für den Sport, für die WM, für eine Teilnahme bei Olympia, für sich selbst.

Nicolai Uznik ist 17 Jahre alt und kommt aus Kärnten. Wie seine Kollegin Eva Maria Hammelmüller kann er sich bei der WM für die YOG 2018 qualifizieren. Vorstieg und Bouldern sind seine stärksten Disziplinen, im Vorstieg konnte er bislang die besten Ergebnisse erzielen.

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