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Gipfeltreffen der Radstars

Traileröffnung mit P. Sagan

Gipfeltreffen der Radstars

Wenn Weltmeister in Osttirol zusammenkommen

Text: Marianna Kastlunger, Bild: Franz Oss

Wenn der dreifache Straßenradweltmeister, der amtierende Mountainbikeweltmeister und ein Downhill-Lokalmatador gemeinsam einen neuen Trail eröffnen, ist Wirbel garantiert. Das war vor kurzem in Lienz am Hochstein der Fall. Und natürlich drängte sich da auch die Frage auf, wer von den Dreien wohl der Schnellste sei.

Eines gleich vorweg: An diesem frühherbstlichen, sonnigen Vormittag gelangen Inszenierung und Eröffnung des Lakata-Trails auf der Moosalm am Lienzer Hausberg perfekt, ja weltmeisterlich! Dort, wo sich Ende Dezember die raffiniertesten Skitechnikerinnen im Weltcup matchen werden, befindet sich nun auch der Start der 2,2 Kilometer langen Bike-Strecke. Von hier geht’s schlängelnd an der Venedigerwarte vorbei, durch Waldpassagen und über die Ski-Weltcuppiste in Richtung Talstation. Mehrere Sprungschanzen, drei Holzbrücken und Sprünge mit Wellenkombinationen sorgen für viele Richtungswechsel und herausfordernde Streckenabschnitte. Somit wird der Hang noch reizvoller bespielbar, Sommer wie Winter. 

Local Hero

Den weltmeisterlichen Part des Eröffnungsspektakels übernahmen gleich zwei Radstars: Peter Sagan, frischgebackener dreifacher Straßenweltmeister, und Alban Lakata, der in den vergangenen drei Jahren ebenfalls auf dem WM-Podium ganz oben stand, und zwar beim Mountainbike-Marathon. Der sympathische Lokalmatador, der sämtliche Osttiroler Radstrecken wie seine Radtrikottaschen kennt, ist gleichzeitig auch Namensgeber des neuen Trails – eine große Ehre, wie er anlässlich der Eröffnung erzählt: „Wenn Stadt und Tourismusverband hinter einem Sportler stehen, ist es schon eine große Auszeichnung, worauf ich sehr stolz bin.“ 

Peter Sagan, Alban Lakata und André Vögele

Der 38-Jährige freut sich nun auf das Training auf dem technischen Trail direkt vor der Haustüre. Dessen Errichtung käme keine Sekunde zu früh, „aber besser spät als nie“, sagt er. Und verweist auf vielversprechende Tiroler Nachwuchstalente: Laura Stigger, Daniel Federspiel, Felix Gall oder Fabio Wibmer. „In Tirol tut sich sehr viel. Da gehen wir quasi als Zugpferde für die Jungen voran. Die Nachwuchsarbeit ist wichtig und die jüngsten Erfolge der Tiroler Talente beweisen, dass sich Investitionen und Förderungen lohnen“, stellt Lakata fest. 

Liebäugeln mit der Rad-WM

Für Sportambitionierte ist Infrastruktur für neue, trendige Radsportarten sehr wichtig. „Ein größeres Angebot belebt den Radsport und erweitert das Spektrum. Und wenn sich die Jugend dafür begeistert, kommt es allen zugute“, fügt er hinzu. Schließlich passe der Radsport in all seinen Facetten ausgezeichnet zu Tirol, einem Land, das dank Berge und Passstraßen mit Vielfalt überhaupt nicht geizt. Auch deshalb sind Innsbruck und Tirol ideale Austragungsorte für eine Rad-Weltmeisterschaft: „Es wird ein Mordsspektakel. Die schweren Anstiege sind ganz anders, als in den bisherigen Wettbewerben. Sie sind sehr spannend und einer WM würdig“, sagt der Albanator, wie der Mountainbiker auch genannt wird. 

Er kennt diese Strecken, und schielt laut eigenen Angaben mit einem Auge auf eine mögliche Teilnahme: „Aber selbst, wenn es nicht wie gewünscht läuft, werde ich als Zuschauer dabei sein“, fährt er fort. Tirol habe nämlich einen großen Standortvorteil, der ein internationales Feld sehr begünstigt und dank leichter Erreichbarkeit gut besucht sein wird. „Die Einheimischen lassen sich garantiert auch nicht lumpen, man denke an den Ötztaler Radmarathon, der viele begeisterte Fans zu den Strecken lockt. Das wird toll!“ 

Einer der Drahtzieher für eine weitere Facette des Radsports am Berg ist René Unterwurzacher, 30 Jahre alt und Downhiller im Verein Ride Free Osttirol – ein Pionier, der maßgeblich an der Lakata-Trail-Idee beteiligt war. Auch er durfte in weltmeisterlicher Begleitung nun endlich die Strecke eröffnen.

Medienrummel um Triple-Weltmeister

Berge, Weltmeister und Räder ergeben eine vielseitige Kombination mit großem Spannungspotenzial. Ein niederländisches Reporterteam sieht es genauso und freut sich schon jetzt auf September 2018. Die weite Reise von Amsterdam nach Lienz nahmen die beiden aber wegen ihm auf sich: Peter Sagan, der extra wegen der Trail-Eröffnung aus Norwegen, wo die UCI Straßenrad-WM heuer stattfand, angereist war. Der Medienrummel in Lienz war darum groß. 

Peter Sagan bei der Trail-Eröffnung des Lakata-Trails

"Mountainbiken ist ein wichtiger Sport, weil man dabei lernt, wie man ein Bike richtig kontrolliert." 

Dem frischgebackenen Weltmeister gelang kurz zuvor ein wahrer Geniestreich. Er soll wegen einer Verkühlung erst kurzfristig nach Bergen gereist sein. Wenn der slowakische Superstar vom Straßenrennen am vergangenen 24. September spricht, tut er dies kurz und pointiert: „A very unpredictable race“, wiederholt er mehrmals, die versammelten Reporter hängen an seinen Lippen. Tatsächlich war Sagan in jenem legendären Rennen bis kurz vor der Zielgeraden noch nicht aufgefallen. Um dann in einem atemberaubenden Sprint eine große Gruppe knapp vor dem Finish eiskalt zu überholen. Er gewann zum dritten Mal in Folge den Weltmeistertitel, als erster Profi überhaupt. 

In Lienz erzählt der 27-Jährige nun in gewohnt cooler Manier, dass er sich über den Sieg nicht nur freue, sondern eben sehr freue, zumal er während der letzten 500 Meter gar nicht gewusst hätte, was er denken sollte. Erst nach dem Sieg konnte er an den Weltmeistertitel glauben. Genauer könne er die Gefühle nicht beschreiben. Auch in Sachen WM 2018 hält sich der Star bedeckt. Er wolle nun das heurige Ergebnis genießen und sich auf den bevorstehenden Urlaub und die kommenden Vaterfreuden einstellen. Das sei ihm vergönnt. 

René Unterwurzacher

Alban Lakata und Peter Sagan

Zwei Räder, viele Optionen

Seine Eröffnungsfahrt auf dem Lakata-Trail absolvierte er mit großer Lockerheit – schließlich ist Peter Sagan mit dem Mountainbikesport aufgewachsen, er wurde auch Junioren-Weltmeister. „Mountainbiken ist ein wichtiger Sport, weil man dabei lernt, wie man ein Bike richtig kontrolliert“, erzählt er. Diesen Gedanken will er auch jungen Sportlern in seiner Sagan-Academy weitervermitteln. Der Bike-Sport soll dabei vor allem Spaß machen. 

Die Lakata-Trail-Eröffnungsfahrt entwickelte sich also zu einem interdisziplinären Gipfeltreffen, wo Rennradfahrer, Mountainbiker und Downhiller aufeinandertrafen. Im Nachhinein wollte niemand damit herausrücken, wer von den hochkarätigen Fahrern nun der Beste am Trail war. Aber sie waren sich alle einig: Der Spaßfaktor auf dem Trail ist definitiv groß.

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