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Trailbau – eine Kunst für sich

Crankworx Innsbruck 21. - 25. Juni 

Trailbau – eine Kunst für sich

Sport.Tirol zu Besuch im Bikepark Innsbruck

Text: Kathrin Fenkiw, Bild: Johannes Mair / Alpsolut

Die Vorbereitungen für die Tirol-Premiere von Crankworx, dem weltweit größten Gravity Mountainbike Festival, laufen im Bikepark Innsbruck in Mutters und Götzens bereits auf Hochtouren. Und was im Zuge dessen entsteht, hat es in Tirol noch nie zuvor gegeben.

Riesengroße Haufen aus Erde und Schotter, dazwischen Bagger, Holzstapel und Absperrungen – so sieht es im Moment an der Talstation der Muttereralmbahn südlich von Innsbruck aus. Mit Musik im Hintergrund und guter Laune arbeiten sich die Trailbauer, die für die Anlage von Crankworx Innsbruck zuständig sind, seit Anfang Mai Stück für Stück voran. 

Die Stimmung ist trotz des engen Zeitplans entspannt: Bis Mitte Juni haben die Trailbauer Zeit, um genau jene Anlage fertigzustellen, auf der sich in Kürze die besten Mountainbike-Athleten der Welt messen werden. Die neuen Strecken müssen einerseits spektakuläre Sprünge und Tricks ermöglichen, gleichzeitig aber auch die nötige Sicherheit bieten. Deshalb sind hier erfahrene Trailbau-Profis am Werk, die das Experten-Wissen nach Tirol bringen, das die Austragung eines solchen Spitzensportevents erfordert. 

Routenbau im Bikepark Innsbruck: Know-how aus Neusseland in Tirol

Leidenschaft als Beruf 

Für die Errichtung des Bike-Areals, das die hohen Anforderungen von Crankworx erfüllen muss, wurde der Trailbau-Experte Tom Hey mit seinem Unternehmen Elevate aus Queenstown in Neuseeland beauftragt. Der gebürtige Brite verfügt über jahrelange Erfahrung im Trailbau, die er rund um den Globus gesammelt hat, vor allem im Bike-Mekka Whistler in British Columbia. Dort war er von 2005 bis 2012 tätig. „In Whistler habe ich mit Profis gearbeitet und alles gelernt, was man wissen muss“, erzählt er. Und da es für das Bauen von Trails keine spezielle Ausbildung gibt, ist Erfahrung das Um und Auf: „Ich habe schon im Alter von 15 Jahren damit begonnen, meine ersten Hindernisse zu bauen, weil mir die Gegend in meiner Heimat England zum Biken zu langweilig war. Wenn man lange genug dabei ist, entwickelt man einfach ein Gefühl und ein Auge für perfekte Trails.“  

Tom Hey arbeitet seit 2015 für die Crankworx World Tour. Bisher war er für das Design und die Errichtung der Routen im neuseeländischen Rotorua, einem der vier Austragungsorte der Tour, zuständig und heuer erstmals auch für jene in Tirol. Die große Herausforderung in seinem Job liegt darin, die richtige Balance zwischen Action und Sicherheit zu finden. Denn sind die Strecken zu risikoreich, kann es später für die Fahrer schnell gefährlich werden. 

 Tom Hey plant nicht nur die Strecken, sondern baut sie auch mit.

Streckendesigner Tom Hey

Was gebaut wird

Für die Bewerbe in den fünf Disziplinen bei Crankworx Innsbruck werden fünf Strecken benötigt. Eine davon gibt es bereits im Bikepark Innsbruck, der Rest ist derzeit im Entstehen. So wird das Downhill-Rennen auf dem bestehenden Trail in Götzens ausgetragen, der über zwei Kilometer lang ist und von der Mittelstation der Nockspitzbahn bis zur Talstation in Götzens führt. Für Crankworx werden auf der Strecke noch einige Highlights gesetzt und lediglich am Endstück ein neuer Verlauf eingebaut. Neu errichtet wird hingegen die sogenannte Dirt Area, also die Anlage für die Disziplinen Slopestyle, Dual Speed & Style und Pump Track, die sich an der Talstation der Muttereralmbahn befindet.

Gemeinsam mit dem ebenfalls neu errichteten Whip-Off-Bereich am Panoramasee an der Bergstation beträgt die Fläche des gesamten Crankworx-Areals 6.000 Quadratmeter. Aber nicht nur für die Teilnehmer, sondern auch für die Zuseher wurde genug Platz eingeplant, erklärt Christopher Kniejski, Manager des Bikepark Innsbruck: „Wir können die Besucherzahl für die Wettbewerbe nur grob schätzen, weil das Event zum allerersten Mal ausgetragen wird und wir aufgrund des freien Eintritts keine Tickets verkaufen. Allerdings rechnen wir mit 1.500 bis 3.500 Zuschauern pro Tag.“

Der Trailbau Schritt für Schritt

Für die Errichtung der Crankworx-Trails wurde zunächst das gesamte Areal ausgemessen, um zu sehen, wie lang die Strecken werden können und wie viele Hindernisse und Sprünge möglich sind. „Sobald ich eine Vorstellung der Trails habe, erstellen wir einen ungefähren Plan. Dabei arbeiten wir sowohl mit händischen Skizzen als auch mit Computerprogrammen. Das machen wir allerdings nur zur ungefähren Orientierung. Das genaue Bild des fertigen Trails haben wir im Kopf“, erklärt der Wegebauer Tom Hey. Mit der Planung der Anlage für Crankworx Innsbruck hat die neuseeländische Trailbaufirma im November 2016 begonnen. 

Der Bau neuer Trails unterteilt sich prinzipiell in zwei Phasen: Besteht einmal eine grobe Vorstellung der Routen, kann der sogenannte „rough build“, also der grobe Bau, starten. Dafür werden zunächst die Stellen am Gelände markiert, wo die geplanten Hindernisse entstehen sollen. Dort positionieren die Trailbauer in einem nächsten Schritt die Holzrampen sowie die Erdhaufen für die Hindernisse. Sobald alles an Ort und Stelle ist und die Form der Trails stimmt, erfolgt der finale Feinschliff. 

„Wir haben hier ein perfektes Areal für Gravity Mountainbiking. Einerseits gibt es eine große Menge an gut geeigneter Erde, die wir als Baumaterial nutzen können. Außerdem ist es sehr einfach, auf einer so großen und freien Fläche zu bauen.“ Tom Hey

Während Tom Hey das Areal in Innsbruck zum größten Teil allein designt und geplant hat, unterstützt ihn bei der Umsetzung ein ganzes Team, das aus jeweils drei Trailbauern aus Neuseeland und Tirol sowie dem Bikepark-Manager Christopher Kniejski und dem Team des Bikepark Innsbruck besteht.

Die Bauarbeiten enden aber nicht mit dem Start der Wettbewerbe – auch während des Events wird es ein Team von vier bis sechs Personen geben, das sich um die Instandhaltung der Trails kümmert. Das Areal wird zum Beispiel bei starkem Regen mit Planen abgedeckt oder bei Hitze bewässert, um extreme Staubbildung zu verhindern. Ebenso müssen nach den Trainingseinheiten und einzelnen Durchgängen der Wettbewerbe Löcher und Unebenheiten im Boden händisch ausgeglichen werden. 

Ein Geben und Nehmen

Dass Innsbruck heuer der vierte Crankworx-Stopp ist, freut Tom Hey und sein Team sehr, denn sie sehen in Tirol einen idealen Ort für den Mountainbike-Spitzensport. „Wir haben hier ein perfektes Areal für Gravity Mountainbiking. Einerseits gibt es eine große Menge an gut geeigneter Erde, die wir als Baumaterial nutzen können. Außerdem ist es sehr einfach, auf einer so großen und freien Fläche zu bauen. In Whistler zum Beispiel erschweren uns die vielen Steine die Arbeit und in Rotorua gibt es überall Bäume, um die wir uns herumarbeiten müssen. Innsbruck ist hingegen fast wie eine leere Leinwand“, schwärmt der Trailbau-Profi.  

Auf der anderen Seite kann auch Tirol sein Know-how rund um die Austragung von Radsportevents unter Beweis stellen und gleichzeitig weiter ausbauen. „Während Crankworx wird die ganze Welt nach Tirol schauen. Deshalb geben wir natürlich unser Bestes, um alles richtig zu machen. Die gesamte Infrastruktur in nur sechs Wochen in den Berg zu klopfen, ist eine große Herausforderung für uns. Deshalb sind wir hier gemeinsam mit Profis am Werk“, meint der Bikepark-Manager Christopher Kniejski. Dass sich all die Mühen auszahlen werden, steht für ihn außer Frage: „Ich sehe das Event als einzigartige Chance für Tirol, sich in der Szene zukünftig als Gravity-Mountainbike-Mekka zu positionieren.“  

Christopher Kniejskj, Bikepark-Manager

Für Hobby- und Profisportler

Die Genehmigung für die Austragung von Crankworx in Innsbruck besteht vorerst für zwei Jahre. Die neu gebauten Strecken bleiben nach den diesjährigen Wettkämpfen bis zum nächsten Jahr bestehen und stehen in vereinfachter Form auch dem Rest der Bike-Community – vom Freizeitsportler bis zum Profi –zur Verfügung. Nächstes Jahr, vor Crankworx 2018, wird die Anlage wieder auf das nötige Profi-Level gebracht. Danach wird über eine Vertragsverlängerung entschieden. Und die wäre sowohl für Tirol als auch für den Muttereralmpark und Christopher Kniejski als Park-Manager von großer Bedeutung: „Wir hoffen natürlich stark auf eine Verlängerung, damit die neue Anlage langfristig erhalten bleiben kann und Innsbruck zu einem fixen Stopp der Crankworx World Tour wird.“

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